Natürlich wartet man jedoch den gepflogenheiten nach erst einmal die endgültige Entscheidung der Stadtwahlkommision ab, ob denn auch die eingereichten Vorschläge alle rechtens sind. „Erst nach dem 3. September werden wir offiziell in den Wahlkampf gehen“ , erläuterte Heidi Knoop.
Dennoch bot die Gesprächsrunde am Mittwochabend schon einmal die Gelegenheit, die OB-Kandidatin der PDS und ihre Ziele etwas näher kennenzulernen.
„Bisher war in der Öffentlichkeit noch nichts Konkretes der anderen Kandidaten zu hören. Für mich ist das Entscheidende mein Slogan. Der lautet: Probleme wahrnehmen, souverän handeln und Bewährtes weiterführen“ . Was Helma Orosz gut angefangen hat, werde man nicht neu erfinden, sondern weiterführen und dranbleiben. So auch an den Problemen in Weißwasser, die sich auftun und wo man nicht unbedingt sagen kann, dass eine Partei daran schuld wäre. Im Falle eines Wahlerfolges möchte Karin Gründel auch die begonnene Zusammenarbeit der alten OB in Sachen Parteien, Verbände und Vereine für Weißwasser weiterführen. „Ich bin eine Ur-Weißwasseranerin, hier geboren, hier zur Schule gegangen, habe meine Ausbildung in Weißwasser genossen und auch hier gearbeitet. Für mich ist mein oberster Antrieb, das man in Weißwasser gerne lebt. Wenn man nicht selbst etwas für die Stadt tue, dann bewege sich auch nichts, jammern hilft nicht“ . Wichtig sei, sagt sie, sämtliche Kräfte für Weißwasser zu mobilisieren und genauer zu unterscheiden, was Praxis und was eine Illusion ist. Natürlich geht nicht alles sofort, auch Frau Gründel kann keine goldenen Berge versprechen. „In erster Linie ist es wichtig, sich auf die eigenen Stärken - wie den hiesigen Mittelstand - zu besinnen. Hierfür müssen unbedingt einige bürokratische Hürden in der Stadtverwaltung abgebaut werden“ , so die Kadidatin. Und weiter: „Ich hätte mich niemals zur Wahl als Oberbürgermeisterin herangetraut, wenn ich nicht zu vor elf Jahre im Kreistag und seit vier Jahren im Stadtrat mitarbeiten würde.“ Sie bezeichnete sich als Finanzmensch aus Überzeugung. „Anhand von Zahlen sieht man nämlich alles, man muss sie nur richtig lesen und bewerten können.“
Aus ihrer beruflichen Tätigkeit in der Verbraucherzentrale sei sie es gewohnt sich die Probleme der Leute anzuhören und mit den Menschen zusammen Lösungen zu finden. Gerade der künftige Oberbürgermeister müsse die Kräfte der Verwaltung zum Wohle der Bürger bündeln und sie in die Entscheidungen effektiv einbeziehen, so die Meinung der Stammtischbesucher. Schön wären auch regelmäßige Bürgerforen in den der oder die OB sowie andere Bedienstete der Stadtverwaltung darüber berichten, wie derzeit die Lage in der Kommune ist - und das natürlich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Ganz wichtige in der Stadt anstehende Entscheidungen sollten mit Hilfe eines Bürgerentscheids vollzogen werden. „Absolut gegen den Willen der Bürger eine Maßnahme durchzuziehen, halte ich für grundlegend verkehrt“ , betonte Karin Gründel. Man darf auch nicht vergessen, dass Weißwasser in der Mitte Europas liegt. Gerade das könnte eine große Chance für die Stadt sein, doch man darf nicht schon vorher die Flinte ins Korn werfen. Gründel nutzte am Mittwochabend auch die Gelegenheit, sich bei den Mitgliedern in den Basisgruppen für die enormen Aktivitäten zu bedanken.
„Auf jeden Fall steht der gesamte Stadtvorstand uneingeschränkt hinter seiner OB-Kandidatin Karin Gründel“ , unterstrich Heinz Ebert.
„In den letzten Wochen, als die Kandidatur vorbereitet wurde, haben wir einen konkreten Arbeitsplan in drei Etappen aufgestellt. Sogar an eine Stichwahl denken wir“ , fuhr Ebert fort. Er erklärte, dass man wöchentlich zusammensitzt und die Ergebnisse laut Arbeitsplan abrechnet. Der Vorsitzende einer Basisgruppe konstatierte ebenfalls eine gute inhaltliche Arbeit in den einzelnen Basisgruppen. „Dabei hat sich bewährt, dass wir unsere Arbeit quartalsmäßig planen und abrechnen. Auch fortan sind eine ganze Reihe von Aktivitäten der PDS geplant, die man realisieren wolle. Hierzu gehören unter anderen vier Informationsstände im Stadtgebiet aufzubauen, ein Forum mit dem BVMW oder eine Autorenlesung.“
Engagiert arbeitet schließlich der Kreisvorstand in Hinblick der OB-Wahl mit, lobte Heide Knoop. Heinz Ebert unterstrich danach den guten Informations-Rückfluss, man weiß in den Basisgruppen, was im Stadtrat vor sich geht.
Nicht ganz konkret ist wohl die Meinung in der Öffentlichkeit, dass die PDS nur aus „alten Herrschaften“ besteht, schätzten die Stammtischler ein. Man hat zwar viele Jugendliche nach dem Westen geschickt, wie spaßig bemerkt wurde, dennoch gibt es auch junge Leute in den einzelnen Basisgruppen. "Vor allem im Raum Niesky und Reichenbach, aber auch in Weißwasser haben wir junge Leute, die jedoch wegen der miserablen Arbeitsmarktsituation wegziehen müssen und somit für die Stadt meistens verloren sind. „Jetzt müssen wir verstärkter dafür sorgen, das wir hier Ausbildung und Arbeit haben, ansonsten sind die restlichen Jugendlichen auch noch weg“ , so Gründel.
Natürlich kann man einem Unternehmen nichts vorschreiben, als OB von Weißwasser will sie aber für das notwendige Umfeld sorgen, so zum Beispiel über die Wirtschaftsförderung, die gegenwärtig bei der Stadtverwaltung - genau wie das Rechnungsprüfungsamt - als Stiefkind behandelt wird und zur Disposition steht. „Dies ist aber der völlig falsche Weg“ , so die Stammtischbesucher.