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| 19:04 Uhr

Schule, Porträt
Die graue Eminenz geht von Bord

Hier wird Andreas Fuhrmann von seiner früheren Vorgesetzten Helga Rießner verabschiedet.
Hier wird Andreas Fuhrmann von seiner früheren Vorgesetzten Helga Rießner verabschiedet. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Der stellvertretende Schulleiter des Landau-Gymnasiums Weißwasser, Andreas Fuhrmann, wird verabschiedet. Von Torsten Richter-Zippack

Eigentlich hat Andreas Fuhrmann die Schule nie verlassen: „Erst war ich Schüler, dann Student an der Pädagogischen Hochschule und seit dem Jahr 1978 Lehrer“, zählt der stellvertretende Leiter des Weißwasseraner Landau-Gymnasiums seine beruflichen Stationen auf. „Dazwischen liegen nur 18 Monate Armee.“ Jetzt, Jahrzehnte nach seinem ersten Arbeitstag an der heutigen Bruno-Bürgel-Oberschule in der Glasmacherstadt, sei aber endgültig Schluss mit der Pädagogik. „40 Jahre als Lehrer reichen zu. Aber wenn ich noch mal jung wäre, würde ich es wieder so machen“, bekennt der inzwischen 64-Jährige.

Nun wechseln sachsenweit alljährlich zahlreiche Pädagogen in den Ruhestand. Doch der Abschied von Andreas Fuhrmann ist schon etwas ganz Besonderes. Als „graue Eminenz“ bezeichnet ihn die frühere Leiterin des Landau-Gymnasiums, Helga Rießner. „Andreas zog alle Fäden im Hintergrund, wirkte unauffällig und stets ruhig“, lobt die Pädagogin. Rießner erinnert sich an die aufregenden Zeiten während der Wende. „Damals wurde ich aufgefordert, mich für die neu zu gründende Schulleitung zu bewerben. Zunächst zögerte ich, doch als ich mitbekam, dass sich Andreas Fuhrmann für die Stelle als stellvertretender Schulleiter beworben hatte, schickte ich ebenfalls meine Bewerbung ab.“ Von 1990 bis 2001 managte das Duo Rießner/Fuhrmann die Geschicke des Lan­dau-Gymnasiums.

Im Jahr 2002 wurde Andrea Herda neue Leiterin des nunmehr vereinigten Weißwasseraner Gymnasiums. Sie kommentiert den Abschied ihres Stellvertreters so: „Während unserer gemeinsamen Dienstzeit hat sich Andreas Fuhrmann zum Bauexperten entwickelt. Egal, ob es um die große oder kleine Turnhalle ging, um den Hof oder das Schulgebäude: Immer war sein Rat gefragt.“ Tatsächlich, so sagt Fuhrmann, habe er die entsprechenden Arbeiten gern begleitet. Oder anders gesagt: „Ich habe für den korrekten Anschluss im richtigen Raum gesorgt.“

Dem 64-Jährigen, so sagt er, werden am meisten die Schüler fehlen. Seine Liebe zur Mathematik und zur Informatik begründet der gebürtige Wittstocker wie folgt: „Mathe und PC-Wissen braucht jeder.“ Besonders stolz ist Andreas Fuhrmann auf seine acht Schüler aus dem früheren Makarenko-Kinderheim. „Ich hatte sie in meiner Anfangszeit in Weißwasser unterrichtet. Diejenigen, die ich später wieder getroffen hatte, haben aus ihrem Leben trotz fehlender Eltern etwas gemacht.“

Langeweile dürfte Andreas Fuhrmann während seines Ruhestandes jedenfalls nicht verspüren. „Ich will mit meiner Frau ausgiebig reisen. Mein Traum ist eine große Südamerika-Fahrt.“

Andreas Fuhrmann wird von zahlreichen Schülern, Lehrern und weiteren Wegbegleitern in den Ruhestand verabschiedet.
Andreas Fuhrmann wird von zahlreichen Schülern, Lehrern und weiteren Wegbegleitern in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: Torsten Richter-Zippack