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Die Geschichte Weißwassers und Umgebung von 1946 bis 1990

Weißwasser. Der erste Schritt zur Entnazifizierung war die vollständige Besetzung der Stadt am 20. April 1945 (das war also drei Wochen vor Beendigung des Krieges) durch die Rote Armee, die die staatliche Gewalt übernahm und durch Befehle diese Gewalt ausführte. Die russische Kommandantur und der Geheimdienst, das NKWD, hatten die Aufgabe, alle Mitglieder der NSDAP zu verhaften. Gerd Gräber wird fortgesetzt

Um diese Mammutaufgabe erfüllen zu können, bedurfte es deutscher Organe, Verwaltung und Polizei, die schnell einzurichten waren. Eine umfassende Entnazifizierung wäre ohne deutsche Organe gar nicht möglich gewesen.

Die NSDAP-Hauptverantwortlichen – SS-Führer und Kampfkommandant Fred Graf von und zu Egloffstein (Führer des SS-Sturms 3), der Leiter der Außendienststelle der Gestapo in Weißwasser (sie unterstand der Staatspolizeistelle Liegnitz), der Bürgermeister und Volkssturmkommandant Karl Wenderoth, der Polizeikommissar/Polizeileutnant Völker, der SA-Sturmführer des SA-Sturmes 51/41, Hauptsturmführer Fritz Bertko und Revierförster Paul Petow (der als Bürgermeister amtierte) hatten sich durch Flucht der Verantwortung und Strafe entzogen. Die Ratsherren Kuhlemann, Eisner, Bertko, Haym, Brack, Mudra, Scholtka, Kunkel, Rescher, Dr. König, Kühne, Dr. Kind (Oktober 1939 gefallen) waren von der Bildfläche verschwunden. Sie waren für die Zerstörungen der Stadt, das Elend ihrer Bewohner, den Terror und die Verbrechen aus rassistischen und politischen Gründen gegen Juden, Antifaschisten, gegen die evangelische Kirche, gegen Zeugen Jehovas und Andersdenkende verantwortlich zu machen.

Hiergeblieben bzw. zurück gekehrt waren Nominelle oder Mitläufer, die aber moralische Schuld auf sich geladen hatten. Die russische Kommandantur hatte sich in der Straße des Friedens 9 niedergelassen. Die entstehenden deutschen Behörden waren eindeutig der russischen Militärkommandantur untergeordnet.

Davon war später in der örtlichen Geschichte nur von „freundlicher Zusammenarbeit“ und „Hilfe der Kommunisten in Uniform“ gesprochen worden. Die sowjetischen Soldaten wurden zu „Klassenbrüdern“ ernannt (siehe 35 Jahre SED, Weißwasser 1981). Die Ortspolizeibehörde war schnell geschaffen. Zu ihr gehörten „Polizeihauptmann“ Gustav Furche, 2. Stellvertreter: Paul Bistrosch und Max Niemz, 9 Polizisten für den Ordnungsdienst: Karl Teisler, Erich Kümmel, Paul Neumann, Fritz Paulick, Ernst Endlich, Hermann Kraiczek, Max Bresagk, Viktor Neumayer und Franz Kraus. 5 Mitglieder des Sicherheitsdienstes: Fritz Grüttner, Kurt Noack, Paul Schuster, Paul Groß und Max Ratajak (Akte Nr. 79 b, Stadtarchiv). Die erste Polizeistation befand sich im Haus Wunderlich in der Karlstraße 17 (heute Bodelschwinghstraße). Diese Polizeitruppe wurde von Mitgliedern der KPD beherrscht. Ab dem 14. September 1945 hatte die Polizei in Weißwasser eine Sollstärke von 28 Polizisten: 6 für den Dienst im Gefängnis, 4 für den Gendarmeriedienst, 15 für den Ordnungsdienst, 3 Kriminalbeamte.

Ein engmaschiges System von Blockleitern und Vertrauensleuten umspannte die Stadt (Amtsbericht vom 13. Mai 1945, Übersicht von Zellen- und Straßenleitern vom 22. Mai 1945, siehe Akte 39 Stadtarchiv). Diese hatten wichtige Informations- und Überwachungsfunktion in Hinblick auf die Entnazifizierung. Das Einwohnermeldeamt registrierte nicht nur die zurückkehrenden Personen sondern auch die Personen, welche der NSDAP, der SS, der SA oder dem NSKK angehört hatten (Befehl der SMAD Nr. 42 vom 27. August 1945).

Gerd Gräber wird fortgesetzt