Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Interessengemeinschaften im Gesamtverein, die sich als Abteilungen spezialisierten oder die Gemeinschaft gänzlich verließen, um eine selbstständige Vereinigungen zu gründen. Die Feuerwehr-Abteilung bildete mit dem Samariterbund eine eigene Körperschaft und verließ den Verein im Jahr 1901. Die Gesangs-Abteilung wurde Ausgangspunkt weiterer Vereine dieses Metiers und auch die Turn-Abteilung gliederte sich in verschiedene Sportarten.

In der Gastwirtschaft
Wer noch nicht Anhänger des Sports war, verbrachte wo möglich einen Teil seiner knappen Freizeit in einer der zahlreichen Gastwirtschaften, die im Industrieort Neu-Weißwasser am Bahnhof wie Pilze aus dem Boden schossen. Aber stundenlang am Biertisch hocken, war auch nicht jedermanns Erfüllung. Der erste Gastwirt, Mudra, an der Muskauer Straße stellte seinen Gästen ab dem Jahr 1894 eine Kegelbahn zur Verfügung. Hier konnte zum Biertrinken ein wenig Bewegung und Spaß hinzukommen, was den Wirt und den Gast gleichermaßen erfreute. Das bemerkte natürlich auch sein Mitbewerber auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Gastwirt Schmidt, vom späteren Hotel „Zur Krone“ . Gleich im Jahr darauf hatte auch er eine Kegelbahn in Betrieb. Ebenso der Wirt der „Friedenseiche“ , er zog nach und der Gast konnte künftig in Alt-Weißwasser sogar überdacht beim Biergenuss kegeln. So wie sich die Kegelbahnen vermehrten, wuchs die Zahl der Vereine. Da gab es den Kegelklub „Bahn frei“ , den Kegelklub „Lattenfritze“ , den Kegelklub „Alle Neune“ , den Kegelklub „Blauer Montag“ , den Kegelklub „Gut Holz“ , den Kegelklub „Holz-König“ , den Kegelklub „1924“ und noch mehr.

Körperlich fit halten
Die Akkordarbeit in den Glasbetrieben, besonders bei den Kolbenmachern im späteren Osram-Werk, bewirkte die Organisation einer gezielten Freizeitbeschäftigung. Die Glasmacher sollten sich körperlich und geistig fit für die von ihnen abgeforderten Leistungen halten. Übermäßig langer Aufenthalt in den Gasthäusern mit anschließenden politischen Krawallen unter Berufskollegen anderer Glashütten mussten vermieden werden. Nachdem im Jahr 1911 in diesem Glaswerk ein Werksturnverein gegründet wurde, beantragte im Oktober desselben Jahres der Generaldirektor des größten Glaswerkes in Weißwasser, Vinzenz Krebs, bei seiner Konzernverwaltung, den Bau eines Keglerheimes durchzuführen, „. . . um unseren besser geschulten Glasmachern . . . Gelegenheit zu geben, sich vergnügte Stunden zu machen, ohne sie der Gefahr auszusetzen, sich von den organisierten Glasarbeitern in den hiesigen Lokalen terrorisieren zu lassen, haben wir uns entschlossen ein eigenes Keglerheim zu errichten.“
In den folgenden Jahren entwickelte sich diese Sportstätte zum Zentrum des Kegelsportes im Ort. Wobei es bis zum Ende des zweiten Weltkrieges nur Männermannschaften gab, die auf Bohlebahnen kegelten und sogar Vergleichswettkämpfe mit Mannschaften aus Großstädten, wie Hamburg und Kiel durchführten.
Zur Jahrhundertwende gab es noch nicht viele Einwohner des aufstrebenden Industrieortes, die sich ein Fahrrad leisten konnten. Diejenigen aber, welche ein solches ihr Eigen nannten, nutzten es besonders zur Freizeitbeschäftigung. Nicht nur zur Erkundung der näheren und weiteren Umgebung sollte es dienen auch zum Sport. So fanden sich im Jahr 1896 und gleich noch im Jahr darauf einige Leute im Ort und gründeten die Radfahrklubs „Stern“ und „Weißwasser“ . Es wurde Kunstradfahren sowie Radball betrieben und an Sonntagen gab es Radwanderungen. Das gefiel den Leuten so gut, dass sie im Jahr 1904 den Radfahrverein „Falke“ ins Leben riefen und fünf Jahre später kamen die Vereine „Wanderlust“ und „Frisch auf“ hinzu. Die nächsten Jahre wurden dem Training gewidmet, so dass sie in den dreißiger Jahren um schlesische und deutsche Meistertitel kämpfen konnten. Die Übungen fanden Anfangs im Saal des Hotels „Zur Krone“ und anschließend in der Sporthalle am Turnerheim statt. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges brachte auch diesem Sport das Aus und eine Wiederbelebung fand danach in Weißwasser nicht mehr statt.

Bezirksturnfest 1911
Die Turnabteilung, vertrat seit Vereinsgründung die Hauptsportart und stellte auch das Zugpferd des Turn- und Rettungs-Vereins dar. Als eines der ersten großen Sportereignisse hier im Ort richtete sie im Jahr 1911 das zweite Bezirksturnfestes auf dem alten Schützenplatz an der heutigen Puschkinstraße aus. Große Erfolge für die Weißwasseraner Sportler konnten dabei erzielt werden. Möglicherweise waren diese Ergebnisse Anlass, dass sich einige Turner aus dieser Abteilung lösten und noch im selben Jahr einen eigenen, den Männerturnverein gründeten. Nur wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erhielt dieser Verein ein Geschenk. Am 8. Juli 1914 ging Se. Exzellenz Herr Graf Arnim auf die Bitte des Generaldirektors der späteren Osram-Glashütte, Vinzenz Krebs, welcher Mitglied des Männerturnvereins (MTV) war, ein und überließ dieser Sportgemeinschaft gesche nkter Weise ein Stück Land. Hierbei handelte es sich um Territorium, auf welchem einige Jahre später das Turnerheim mit dem Sportplatz errichtet wurde. Arnim stellte lediglich die Bedingung, alle Grundstückskosten von ihm fern zu halten, das Gelände zumindest entlang der Muskauer Straße mit einem dauerhaften entsprechend würdevoll aussehenden Zaun zu versehen, den darauf befindlichen Holzbestand seinem standesherrschaftlichen Wirtschaftsamt zu überlassen und die Baustoffe für die geplanten Bauten darauf bei ihm zu kaufen. Auch durfte das Grundstück nicht weiter verkauft werden, es sollte nur dem Sport und Spiel, der Jugendpflege und sonstigen patriotischen Zwecken dienen.
Neben den Sportübungen zu Lande wurde auch Wassersport betrieben und dafür der vereinseigene Jahnteich genutzt. Zu sportlichen Höhepunkten kam es hier nicht, denn im Jahr 1909 gründete sich der Schwimmklub „Neptun“ am Braunsteich. Er bildete keine Abteilung des Turn- und Rettungs-Vereins, sondern war eine eigenständige Vereinigung, die aber durchaus ihren Ursprung in dieser Gemeinschaft gehabt haben konnte. Erst nach dem Zusammenschluss mit dem Arbeiter-Turnverein wurde wieder Vereinswassersport im Arbeiterschwimmbad betrieben und dieser konnte sich nach der Anlage des Jahnschwimmbades noch erweitern.

Arbeiter-Turn-Verein
Im Gegenzug zum Turn- und Rettungs-Verein bildete sich im Oktober 1897 der Arbeiter-Turn-Verein (ATV). Dieser ging aus dem ersten Arbeiterverein in Weißwasser, dem um 1890 gegründeten Gesangsverein „Vorwärts“ hervor und zählte im Gründungsjahr 50 bis 60 Mitglieder. Mehrere Sportarten etablierten sich hier und wurden bald zur Hauptfreizeitbeschäftigung. Die Bewegung an der frischen Luft, war besonders für die Glasmacher, die viele Stunden in den stickigen und staubigen Hütten arbeiten mussten, wichtig. Vor allen die Glasschleifer, die ihre Lungen durch den feinen Schleifsand stark strapazierten, nutzten die Möglichkeit, Sport an frischer Luft zu treiben.
Im Frühjahr 1898 begann der Turnbetrieb natürlich nur bei schlechtem Wetter und in der kalten Jahreszeit in Mudra's Gasthaus an der Muskau-Bautzener Landstraße. Schon im nächsten Jahr musste das Turnen vorübergehend auf den Schützenplatz an der Schützenstraße, der heutigen Puschkinstraße, verlegt werden. Mudra's Gasthaus erhielt zu dieser Zeit einen Umbau zum Hotel „Stadt Muskau“ und stand dadurch dem Verein nicht mehr zur Verfügung. Hier befand sich ein überdachter großer, offener Holzpavillon, welcher aber nicht lange als Notquartier nutzbar war. Noch im selben Jahr konnte ein neues Vereinslokal, Festings Gasthof „Zum goldenen Stern“ in der Berliner Straße, geordert werden. Aber auch das war keine Dauerlösung, denn es fehlte hier der nötig große Übungssaal.
Der Vereinsvorstand sah sich nach weiteren Möglichkeiten um, eine geeignete Trainingsstätte zu pachten. Ein Jahr später, 1900, konnte die neue Turn- und Vereinsstätte, der Kronensaal im Hotel „Zur Krone“ an der Muskau-Bautzener Landstraße, bezogen werden. Hier wurden Trainings, Versammlungen und Vereinsfeste durchgeführt, bis der Ausbruch des ersten Weltkrieges das fröhliche Treiben beendete. Ein, im Jahr des Kriegsausbruchs geplantes großes Turnfest, musste ausfallen und auch die Sportbetätigung ruhte in diesen Jahren. Der Kohlrübenwinter 1916/17 und die schwierigen Jahre danach brachten andere Sorgen und waren wenig geeignet für freizeitliche Betätigungen. Nach dem Krieg stand die nüchterne Bilanz, 42 Turnbrüder aus Weißwasser wurden Opfer dieses nutzlosen Waffenganges. Mit Beginn des Jahres 1919 begannen die im Krieg verschont Gebliebenen wieder mit ihrer sportlichen Betätigung, und die ersten Turnübungen begannen erneut auf dem neuen Schützenhausplatz. Das normale alltägliche Leben kehrte zurück und so nahmen etwa einhundert Sportler aus Weißwasser a m 1. Deutschen Arbeiterturn- und Sportfest in Leipzig teil.

Einzelne Abteilungen
Ebenso wie im oben genannten bürgerlichen Verein gründeten sich auch im ATV einzelne Interessengemeinschaften heraus. Die Rettungsaufgaben erfüllte die neu gebildete Abteilung des Arbeitersamariterbundes, denn die Sanitätsabteilung des bürgerlichen Turn- und Rettungs-Vereins im Ort verweigerte die Hilfeleistung bei Arbeitern und deren Familien. Andere Abteilungen formierten die Akrobaten, die Natur- und Theaterfreunde, aus denen sich später weitere Abteilungen herausbildeten. Neben den Turn- und Gymnastikübungen betrieben einige Mitglieder Kraftsport und so kam es 1901 zur Gründung des Athleten-Klubs „Hansa“ .
Der Wunsch, auch bei Wettkämpfen mit anderen Mannschaften erfolgreich zu sein, setzte sportartspezifische Trainings voraus. Drei Jahre später gliederte sich dieser Sportklub in die olympischen Disziplinen Boxen, Ringen und Stemmen auf.
Trainingsräume der drei neu gebildeten Abteilungen waren die verschiedensten Gasthäuser in Weißwasser, wie das Hotel „Zur Krone“ , später Kino an der Muskauer Straße, das Hotel „Zum Kronprinzen“ , heut Gebäudekomplex mit Henri's Bierstube, das Gasthaus „Zur Friedenseiche“ , das Restaurant „Zum Feldschlösschen“ am Halbendorfer Weg, heut Tankstelle und andere mehr.

Zeittafel Kraftsportverein entsteht
1910
Arbeiter-Athleten erhalten einen sportlichen Gegner. Der bürgerliche Athletik- und Kraftsportverein "Siegfried" entsteht als Gegenstück zum Athle tenklub "Hansa" des Arbeiter-Turn-Vereins. Damit gibt es eine weitere Ringerabteilung in Weißwasser.

1920 bis 1933
Paul Mann übernimmt die Leitung der Abteilung der Hansa-Ringer bis 1933. Nach der Fertigstellung des Volkshauses an der Görlitzer Straße, Ende der zwanziger Jahre, erhält der Klub einige Kellerräume zur Verfügung. Hier wird hart trainiert und in dieser Zeit gehören auch die Weißwasseraner Ringer zu den Besten in Schlesien.