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| 17:39 Uhr

Bauprojekt
In Boxberger Schule haben die Handwerker das Sagen

Baustelle Schulgebäude: Die Arbeiten am Begegnungszentrum in Boxberg laufen auf vollen Touren.
Baustelle Schulgebäude: Die Arbeiten am Begegnungszentrum in Boxberg laufen auf vollen Touren. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Boxberger Begegnungszentrum ist eine Herausforderung für alle Seiten. Der Unterricht läuft in drei Ausweichquartieren.

„Mit dem Beton haben sie, glaub ich, auch die Mauer gebaut. Da können sie nicht so einfach ein Loch in die Wand schlagen“, nimmt es Schulleiter Ralph Berthold mit Humor. Doch nach Lachen ist ihm derzeit weniger zumute. Die Freie Schule Boxberg hat sich lange darauf gefreut, dass an ihrem Schulgebäude etwas passiert. Aber jetzt, mittendrin im Baugeschehen, ist das Ganze eine ziemlich große Herausforderung geworden.

Das war es eigentlich von Anfang an, schon als es um die Finanzierung des Vorhabens gegangen ist. Anträge mit der polnischen Part­nerkommune Jelenia Gora und der Stadt Cesky Dub wurden ausgefüllt, um bei den Förderprogrammen möglichst breit aufgestellt zu sein. Doch das alles half nichts.

Am Ende müssen es drei andere Programme richten. Die Errichtung eines barrierefreien Begegnungszentrums läuft über die Schiene vitale Dorfkerne des Freistaates Sachsen. Das Geld für die energetische Sanierung des Gebäudeteils Freie Schule – das sind Dach, Fenster, Außentüren und Sonnenschutz – kommt aus dem Topf Brücken in die Zukunft. Die energetische Sanierung der Fassade wiederum wird vom Leader-Topf ländlicher Raum gefördert. Das heißt für Norbert Reimann von der Bauverwaltung der Gemeinde, dass alle Leistungen entsprechend zugeordnet werden müssen. „Glücklicherweise gibt es dafür Computerprogramme“, sagt der Boxberger gegenüber der RUNDSCHAU. Die Gesamtsumme dieser Fördermittel­aufstellung belaufen sich auf rund 1,49 Millionen Euro. Bislang war man von Baukosten von rund 1,8 Millionen Euro ausgegangen. Doch am Ende werde man wohl bei rund zwei Millionen Euro landen, denkt Reimann.

Er hat eine besondere Beziehung zu der Schule. „Wir waren der erste Jahrgang, der hier eingeschult wurde.“ Von 1969 bis 1971 war das Gebäude errichtet worden. Teilten es sich einst Grund- und Mittelschule, sind es nun seit mehr als zehn Jahren die Grund- und die Freie Schule. Die Schulteilung kann jeder Außenstehende am Gebäude erkennen.

An vielen Gebäudeteilen hat über die Jahrzehnte der Zahn der Zeit genagt. Nun wird nicht nur modernisiert, sondern auch umgebaut, um für Vereine neue Räume zu schaffen. Die Bibliothek soll in die Schule einziehen und wird dann wie alle anderen Räume über einen Fahrstuhl barrierefrei zu erreichen sein. In einem Raum wird eine Bühne entstehen, die künftig für Schüler- und andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Kunstraum kann schließlich auch zum Ausstellungsraum werden.

Das ist die eine Seite der Medaille, die andere Seite ist der Brandschutz, der Verbesserungen gebraucht hat. Dazu gehören beispielsweise die Brandschutztüren in den Treppenhäusern.

Apropos Brandschutz. Hier entpuppt sich der Schwelbrand nach Wasserschäden auf dem Dach als Glück im Unglück. Das Wasser hatte sich seinen eigenen Weg gesucht und gezeigt, dass die Durchbrüche bei den Steig- und Fallleitungen brandschutztechnisch nicht sicher waren. Der Rauch hätte im Falle eines Falles sich so durch alle Etagen verteilen können. Dem wird nun auch ein Riegel vorgeschoben. Laut Information in der jüngsten Gemeinderatssitzung gibt es eine brandschutzgerechte Herstellung der Deckendurchführungen auf allen Ebenen. Parallel dazu wurden die neue Eingangstür und die Fenster auf der Straßenseite der Schule erneuert. In sämtlichen Geschossen wird an den Sanitärinstallationen der Toiletten geabeitet. Kabelverlegearbeiten, Malerleistungen, Trockenbau, die umfangreichen Elektroarbeiten, die nach dem Wassereinbruch notwendig geworden sind, die Vorbereitungen für den Fahrstuhlschacht – die Arbeiter verschiedener Gewerke geben sich quasi die Klinke in die Hand. Es wird gebohrt und gehämmert. „Die Zusammenarbeit mit der Schule klappt gut“, schätzt Norbert Reimann ein. Ebenso mit den Firmen, die vorrangig aus der Region kommen.

Und doch sind irgendwann die Nerven – die der Schüler und auch die der Lehrer – sehr stark angespannt. Deshalb lernen die Mädchen und Jungen der unterschiedlichen Klassenstufen wieder wie kurz nach der Havarie in Ausweichquartieren. Dafür werden das Tourismuszentrum, das Dorfgemeinschaftshaus und die Gemeindeverwaltung genutzt. „Es war unsere Bitte an die Gemeinde“, sagt Ralph Berthold. Und dann hoffen alle, dass der Wanderzirkus nach den Winterferien ein Ende hat.

Derweil nimmt das Bauamt schon mal die Aula ins Visier. Die ist bei den jetzigen Arbeiten außen vor. Um zu wissen, wovon man spricht, will Norbert Reimann erst mal eine Kostenschätzung auf dem Tisch liegen haben.

(rw)