| 02:49 Uhr

Die Ex als Zünglein an der Waage

Pole gesteht Autodiebstähle
Pole gesteht Autodiebstähle FOTO: qmarcelo
Weißwasser. Ein 36-Jähriger soll in Niesky einen Mann mit einer Eisenstange verprügelt haben. Seine Ex-Freundin soll vor Gericht erklären, was wirklich geschah. Was das geklaute Skelett "Hugo" mit dem Fall zu tun hat, blieb am Dienstag offen. Christian Köhler

Aus Pirna ist Martin K.* der Liebe wegen nach Niesky gezogen. Kurz zuvor, so führte Amtsrichter Ralph Rehm bei der Verlesung der Vorstrafenliste des 36-Jährigen am Dienstag in Weißwasser aus, habe K. einen Drogen entzug hinter sich gebracht und seine heutige Ex-Freundin kennengelernt. Sie soll nun Klarheit ins Dunkel bringen. Denn die Staatsanwaltschaft wirft Martin K. eine schwere Körperverletzung sowie eine Sachbeschädigung vor.

Der Angeklagte äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Seine damalige Freundin soll jedoch die Taten aus nächster Nähe mitbekommen haben. Außerdem entdeckte die Polizei in ihrem Keller eine Tasche, in der sich das Skelett befunden haben soll, was aus einer Nieskyer Physiotherapiepraxis gestohlen worden war. Vor Gericht erschien die junge Frau aber am Dienstag nicht. Sie habe sich von K. Ende 2016 getrennt.

Aber von Anfang an: In jener Märznacht 2016 sei K. im Aufgang des Nieskyer Wohnhauses, in dem seine damalige Freundin wohnte, einem jungen Mann begegnet. Dieser war, so sagte das spätere Opfer vor Gericht aus, gegen 2.45 Uhr auf dem Nachhauseweg. "Wir haben uns noch gegrüßt, bevor mich ein Schlag mit einer Eisenstange unvermittelt am Kopf getroffen hat", so der 28-Jährige. K.'s zweiten Schlag habe er jedoch noch ausweichen können. Es sei alles "furchtbar schnell" gegangen, erzählte der junge Mann.

"Was denken Sie, warum der Angeklagte Sie mit einer Eisenstange geschlagen hat?", wollte der Richter wissen. "Ich denke, er war eifersüchtig. Denn ich war bei seiner Freundin zu Besuch", gab der Geschädigte an. Dabei beteuerte er, dass er nichts mit K.'s damaliger Geliebten gehabt hätte. Vielmehr habe sie in jener Nacht an der Wohnungstür gestanden und beobachtet, wie Martin K. auf ihn eingeschlagen habe. "Sie schrie und rief, er soll aufhören", gab der Zeuge zu Protokoll. Er selbst habe dann aber den Krankenwagen rufen müssen.

Die Polizei, die ebenfalls am Ort des Geschehens eingetroffen war, fotografierte die Platzwunde am Kopf des Opfers. "Beide Männer waren nüchtern", konstatierte der Polizist. Dieser war - einem Hinweis des blutenden Opfers folgend - im Keller der jungen Frau auf eine Tasche aufmerksam geworden. Darin, so der Polizist weiter, soll sich das gestohlene Skelett namens "Hugo" und ein Smartphone befunden haben.

"Hugo" hatte Anfang des Jahres 2016 für Schlagzeilen in der Oberlausitz gesorgt, als er aus einer Nieskyer Physiotherapiepraxis gestohlen wurde. Über Dritte war das in einer Stofftasche verpackte Knochengerüst schließlich wieder der Inhaberin der Praxis übergeben worden. Was das Opfer von Martin K. damit zu tun hat, blieb vor dem Weißwasseraner Gericht unberücksichtigt. Er sagte nur: "Ich habe mich erkundigt, wer das Skelett hat." Laut Medienberichten richten sich nun die Ermittlungsarbeiten der Staatsanwaltschaft in dem Fall gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus dem Raum Niesky.

Zwei Monate später sollte K.'s Exfreundin ebenfalls keine unbedeutende Rolle bei einer Sachbeschädigung spielen, die Martin K. ebenfalls zur Last gelegt wird. Der Angeklagte soll insgesamt drei Reifen eines Lkw im Mai vor einem Nieskyer Supermarkt zerstochen haben. Der Besitzer des Lkw erstattete Strafanzeige und gab bei der Polizei an, mit K. einmal befreundet gewesen zu sein. Auch er war am Dienstag nicht vor Gericht erschienen. Amtsrichter Ralph Rehm verlas jedoch seine Aussage bei der Polizei. Mit K.'s Freundin habe er an diesem Tag nach Pirna fahren wollen. K. wiederum hätte das mit den zerstochenen Reifen verhindert. Der Polizei hatte die Ex dann erklärt, in welche Richtung K. geflüchtet war.

Die Verhandlung soll am 26. Februar fortgesetzt werden.

*Name geändert