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Feuerwehr
Die ersten Helfer für Menschen in Not

Der Ersatz für das alte Einsatzfahrzeug der First-Responder-Gruppe ist in Schleife eingetroffen und im Beisein von Bürgermeister Reinhard Bork und Floriansjüngern sowie Ersthelfern Donnerstag in den Dienst gestellt worden.
Der Ersatz für das alte Einsatzfahrzeug der First-Responder-Gruppe ist in Schleife eingetroffen und im Beisein von Bürgermeister Reinhard Bork und Floriansjüngern sowie Ersthelfern Donnerstag in den Dienst gestellt worden. FOTO: Gabi Nitsche
Schleife. Für die Ersthelfer der Gemeindewehr Schleife ist am Donnerstag ein neues Einsatzfahrzeug in den Dienst gestellt worden. Von Gabi Nitsche

Für Gisela Klar ist es eine schöne Aufgabe, für andere Menschen da zu sein und ihnen in Notsituationen zu helfen, sagt die 66-Jährige. Als Mitglied der First-Responder-Gruppe der Gemeindefeuerwehr Schleife kann sie genau das. „Bis 2013 hab ich als Krankenschwester auf der Intensivstation im Krankenhaus Weißwasser gearbeitet. Dann folgte der Ruhestand, und ich hab eine Aufgabe gesucht, die mich fordert, wo ich mich mit meinem Wissen einbringen kann“, erzählt sie. Sie habe  von den Ersthelfern erfahren, und da stand ihre Entscheidung fest: Sie will dazugehören.

Vor vier Jahren war die Gruppe offiziell in den Dienst gestellt worden. 24 Mitglieder zählt sie, berichtet Leiter André Nowusch, und demnächst noch eines mehr. Er und Stellvertreter Eiko Wunderlich sind überzeugt, dass die Gründung der Gruppe definitiv die richtige Entscheidung war. „Die Hilfsfrist für den Rettungsdienst beträgt zehn Minuten. Das ist die Fahrzeit, dann sollen die Rettungskräfte vor Ort sein“, erklärt Nowusch. Diese Zeit lasten die Rettungskräfte fast immer aus, sagt er und fügt hinzu: „Wir als First Responder minimieren diese Zeit, fangen mit den Maßnahmen an, bis die Kollegen vor Ort eintreffen.“ Der überwiegende Teil arbeitet beim Rettungsdienst, als Krankenschwester oder ist ausgebildeter Ersthelfer. Die meisten gehören den örtlichen Wehren an. Sie haben Ortskenntnisse, wohnen hier und sind somit schnell am Ort des Geschehens, um in Notsituationen Erste Hilfe zu leisten. „Die Mischung ist gut, und wir legen bei der Ausbildung immer noch etwas drauf“, sagt André Nowusch.

Das Leben anderer Menschen zu retten, damit verdient der Rohner sein tägliches Brot. Der 40-Jährige arbeitet beim ASB im Rettungsdienst, ist Erste-Hilfe-Ausbilder und seit 2011 an der BMS Hoyerswerda Fachbereichsleiter Notfallmedizin. Mit Eiko Wunderlich hat Nowusch damals das Konzept für die Ersthelfer-Gruppe der Gemeindewehr entwickelt. Der ebenfalls 40-jährige ist genauso vom Fach, arbeitet in der Integrierten Rettungsleitstelle in Hoyerswerda. Von dort werden die First Responder gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert. Der Blick auf die Statistik unterstreicht die Daseinsberechtigung. Für 2016 stehen 52 Einsätze zu Buche, und voriges Jahre waren es etwa 40. Das Jahr 2018 begann für die ehrenamtlich Tätigen auch heftig mit einem Tauchunfall am Halbendorfer See am 13. Januar, bei dem ein Taucher tödlich verunglückte.

Ereignisse wie diese sind nicht jedermanns Sache. Das weiß auch Sabine Korla. Die Schleiferin gehört von Anbeginn zu den Ersthelfern und sagt, man lernt damit umzugehen. Ihr Motiv: „Wenn Leute Hilfe benötigen und wir geben diese, dann ist das ein sehr schönes Gefühl. Ich bin gern dabei.“

Um helfen zu können, muss jeder Einzelne aus der Gruppe taff sein, wissen, was zu tun ist. Jeder Handgriff muss in solchen Momenten sitzen. Dafür auch die intensiven und regelmäßigen Schulungen, für die es nicht nur theoretische Wissensvermittlung braucht, sondern auch materielle Voraussetzungen. Seit Donnerstagabend stehen dafür vier Plaste-Kameraden zur Verfügung. „Die Puppen sind super modern und mit einem Feedbacksystem ausgerüstet. Wir können am TV, Beamer oder Ipad genau beobachten, wie die Leute Reanimationsmaßnahmen vornehmen und entsprechend trainieren“, erklärt André Nowusch. Möglich machte die Anschaffung die Schleifer Stiftung, und die Puppen werden auch nicht nur von den First Respondern genutzt, sondern ebenso für die Erste-Hilfe-Ausbildung in den Feuerwehren.

Damit die Ersthelfer schnell vor Ort sein können, wenn Not am Manne ist, braucht es ein entsprechendes Fahrzeug. Das bisherige, Baujahr 1993, war nicht mehr wirklich einsatzsicher, so Gemeindewehrleiter Detlef Slabina. Dank Unterstützung vieler Partner konnte Donnerstagabend ein neues in den Dienst gestellt werden. Der Audi Q5 ist sieben Jahre alt und war bisher als Notarzt-Fahrzeug unterwegs. Die Freude bei den First Respondern ist groß.

„Allzeit gute Fahrt. Und das es mit euch klappt, habe ich ja im vorigen Jahr am eigenen Leibe erfahren“, würdigte Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos) die ehrenamtlichen Helfer. An André Nowusch überreichte Bork die Autoschlüssel. Ohne Partner, wie das Brand-, Rettungs- und Katastrophenschutzamt im Kreis, den Stiftungsvorsitzenden und die Schleifer Kämmerin wäre die Anschaffung als Kommune in der Konsolidierung nicht möglich gewesen, betonte der Bürgermeister. So wie er wünschte auch Detlef Slabina allzeit gute Fahrt und möglichst wenige Einsätze. Eiko Wunderlich wollte die Gemeinde und -wehrleitung nicht unerwähnt lassen.

Andre Nowusch zeigt die neuen Schulungspuppen für die Ausbildung.
Andre Nowusch zeigt die neuen Schulungspuppen für die Ausbildung. FOTO: Gabi Nitsche
Das neue Fahrzeug für die Ersthelfer wird mit Hilfsmitteln bestückt. Bei Metallbau Hänchen wurde eine Halterung für das Spineboard montiert .
Das neue Fahrzeug für die Ersthelfer wird mit Hilfsmitteln bestückt. Bei Metallbau Hänchen wurde eine Halterung für das Spineboard montiert . FOTO: Gabi Nitsche