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| 02:48 Uhr

Die Erinnerung bleibt auch nach 23 Jahren

Gablenz/Weißwasser. Das Geschehen ist fast 23 Jahre her. Doch für Friedhelm Sommerfeld aus Gablenz ist es so, als wäre alles erst gestern passiert. Es geht um den tödlichen Unfall des Kameraden Thomas Jung. Dem Schicksal widmet sich die nächste Folge der MDR-Reihe Lebensretter. Regina Weiß

Vor einiger Zeit berichtete die RUNDSCHAU darüber, dass es einen Fernsehbericht über Thomas Jung geben wird. Für Friedhelm Sommerfeld Anlass, in seinen Erinnerungen zu "kramen". Das Thema lässt den ehemaligen Leiter der Gablenzer Feuerwehr bis heute nicht los. Einzelne Situationen kann er einem Film gleich abrufen. Weiß genau, wie ihm damals zumute war. "Aber ich habe nicht gedacht, dass es mich noch immer so bewegt", hat der Gablenzer zu Papier gebracht. Auch wenn das Erinnern schmerzt, vor allem die Angehörigen von Thomas Jung, findet es der 67-jährige Sommerfeld richtig, dass es nun diesen Fernsehbeitrag gibt - "im Gedenken an den Kameraden Thomas Jung".

Das Drama ereignet sich während der schlimmen Waldbrandkatastrophe von 1992. Wehrleiter Friedhelm Sommerfeld und der damals 19 Jahre alte Thomas Jung sind wie hunderte anderer Feuerwehrleute im Einsatz, um rund um Weißwasser das Schlimmste zu verhindern. Dabei sei Thomas Jung die Begeisterung für seinen Dienst bei der Wehr buchstäblich ins Gesicht geschrieben gewesen. "Er zeigte eine große Einsatzbereitschaft und hatte das Herz am rechten Fleck", erinnert sich Friedhelm Sommerfeld. Dabei ist bei Thomas Jung das Feuerwehrsein familiär veranlagt. Uropa Max und Opa Willi waren ebenfalls aktive Kameraden in den Gablenzer Reihen.

Während der Walbrandkatastrophe war Thomas Jung als Kradmelder eingesetzt und hatte die Aufgabe, die Abschnitte, wo die Kameraden im Einsatz waren, bei Funkstörungen zu informieren. Friedhelm Sommerfeld versah seinen Dienst wie viele andere in der Einsatzleitung.

Am 29. Mai 1992 verließ Thomas Jung den Geräte- und Verpflegungsstützpunkt und fuhr wieder zur Einsatzstelle. Doch die sollte er nicht erreichen. "Man benachrichtigte mich, dass es einen Unfall gegeben hatte", erzählt Friedhelm Sommerfeld. Vor Ort musste er erkennen, dass ein junger Gablenzer Kamerad zu Tode gekommen war. "Ein Lkw hatte Thomas Jung die Vorfahrt genommen."

Die Stunden danach zählt Sommerfeld zu den schwersten seines Lebens. Anderen Wehrangehörigen ging es nicht anders. Nur gut, so Sommerfeld, dass er sich in dieser Zeit von Kameraden und seiner Familie nicht allein gelassen fühlte.

"Den Eltern, dem Bruder und den Großeltern die schlimme Nachricht zu überbringen, war für mich der schwerste Gang." Das Geschehen von damals hat sich wie ein Film eingebrannt... "Bis heute kann ich nicht davon erzählen, ohne Tränen in den Augen zu haben."

Bei der Beisetzung, wo Friedhelm Sommerfeld als Wehrleiter tröstende Worte an alle richtete, gab er dem toten Kameraden ein Versprechen: Sein Andenken immer in Ehren zu halten. Seit dieser Zeit bringt Sommerfeld jedes Jahr zum Todestag ein Gesteck auf den Friedhof.

"Durch Erlebnisse und Bilder aus der gemeinsamen Feuerwehrzeit ist Thomas in meinem Leben präsent. Dass später die Straße, wo der Unfall passierte, nach ihm benannt wurde, und es nun einen Filmbericht gibt, ist ein Trost für alle Beteiligten." Auch wenn, da ist sich Friedhelm Sommerfeld sicher, Tränen vor dem Fernseher fließen werden.

Ohne diesen Schicksalsschlag wäre Thomas Jung wohl Feuerwehrmann geblieben. Der junge Mann hatte sich bei der Feuerwehr Cottbus als Berufsfeuerwehrmann beworben und war bereits zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Das Ehrenamt Feuerwehrmann/-frau ist mit Gefahren verbunden, weiß Sommerfeld auch aus dieser bitteren Erfahrung. "Ich wünsche allen, dass sie immer gesund von ihren Einsätzen zu ihren Angehörigen und Freunden zurückkehren."

Der Bericht über die Geschichte von Thomas Jung ist am Donnerstag, 21. Januar, bei "Lebensretter" im MDR-Fernsehen zu sehen, teilt die Sendanstalt am Freitag auf Nachfrage der RUNDSCHAU mit. Die Sendung beginnt um 21 Uhr.