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| 01:43 Uhr

Die Erben der 5. Mittelschule

Anne Peters (vorn) aus der Klasse 7 b hat gestern das beste Zeugnis ihrer Klassenstufe an der 5. Mittelschule in Weißwasser erhalten. Für alle Schüler und Lehrer ist mit dem letzten Schultag auch der Abschied von der Schule verbunden, die nun geschlossen wird. Die meisten Mädchen und Jungen werden künftig an der Bruno-Bürgel- Mittelschule lernen.
Anne Peters (vorn) aus der Klasse 7 b hat gestern das beste Zeugnis ihrer Klassenstufe an der 5. Mittelschule in Weißwasser erhalten. Für alle Schüler und Lehrer ist mit dem letzten Schultag auch der Abschied von der Schule verbunden, die nun geschlossen wird. Die meisten Mädchen und Jungen werden künftig an der Bruno-Bürgel- Mittelschule lernen. FOTO: Angelika Brinkop
Mit dem letzten Pausenklingeln an der 5. Mittelschule in Weißwasser war gestern „Schulschluss für immer“ . Jedenfalls, was den Schulstandort und das Gebäude betrifft. Es ist das unweigerliche Ende eines zähen Kampfes, den die Stadt Weißwasser mit der Schulaufsichtsbehörde geführt, aber doch zugunsten von anderen Einrichtungen im ländlichen Umland und des Gymnasiums verloren hatte. Letztlich reichten die Schülerzahlen einfach nicht mehr aus. Die 121 verbleibenden Schüler lernen ab dem kommenden Herbst an der Bruno-Bürgel-Schule in der Lutherstraße weiter – dem dann einzigen zentralen Mittelschulstandort in Weißwasser. Von Thoralf Schirmer

Schüler und Lehrer werden sich an ihre alte Schule dennoch gern erinnern. Sie sind sozusagen die geistigen Erben der 5. Mittelschule. Das materielle Erbe allerdings - Mobiliar und Unterrichtsmaterialien - wird breiter verteilt. „Natürlich hat die Bürgel-Schule, welche nun zusätzliche Schüler aufnimmt, hier das Recht der ersten Wahl“ , versichert Karl-Heinz-Melcher, Fachbereichsleiter Bildung, Freizeit und Soziales in Weißwasser. „Dort wird ein großer Teil der Bücher und Unterrichtsmaterialien gebraucht.“
Vorrangig berücksichtigt bei der Vergabe des Mobiliars werden auch andere Schulen der Stadt. Sie hatten bis jetzt Gelegenheit, sich die vorhandenen Möbel und Materialien in der 5. Mittelschule anzuschauen und ihren Bedarf anzumelden.
„Am 14. Juli ist der Termin, an dem uns die Schule entsprechend der Inventarliste die Technik übergibt, also Telefon, Computer und die technischen Lehrmittel“ , erklärt Karl-Heinz Melcher. „Am 16. Juli wird dann das gesamte Objekt von der Schulleitung an unseren Fachbereich 1 übergeben.“
Von dem, was an den eigenen Schulen in der Stadt nicht benötigt wird, werde man auch dem Landkreis einiges verkaufen. „Es gibt da Bedarf für Schulbänke und Tische am Beruflichen Schulzentrum und an der Förderschule des Landkreises“ , erklärt Karl-Heinz Melcher. „Wenn wir dann noch etwas drüber haben, können auch Vereine der Stadt bedacht werden. Es gibt allerdings auch schon Anträge von den Mittelschulen in Krauschwitz und Lohsa.“
Das Gebäude der 5. Mittelschule selbst wird, wenn es leer gezogen ist, der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB) in Weißwasser zur Pacht zur Verfügung gestellt. Sie gibt ihren bisherigen Standort am äußersten Stadtrand von Weißwasser auf, auch, um sich räumlich zu erweitern.
Wie es mit der Entwicklung der Schullandschaft in Zukunft weiter gehen könnte und ob Weißwasser - abgesehen von der Auflösung der 6. Grundschule - noch weitere Schulschließungen drohen, das wollte die RUNDSCHAU von der Regionalstelle Bautzen der Sächsischen Bildungsagentur wissen. Die Antwort ist zurückhaltend, aber immerhin verweist die Bildungsagentur darauf, dass die Talsohle durchschritten und Weißwasser kein spezifischer Problemfall sei. Zur Veranschaulichung der bisherige Dramatik macht die Agentur folgende Rechnung auf: „Setzt man die Schülerzahl im Jahr 1990 gleich 100 Prozent, so haben wir mittlerweile im Jahr 2008 eine Schülerzahl im Bezug auf das Jahr 1990 von unter 50 Prozent erreicht. Diese dramatische demographische Entwicklung zieht leider auch Konsequenzen nach sich, die nicht immer mit
Freude verbunden sind.“

Hintergrund Frist für 6. Grundschule
 Auch der 6. Grundschule in Weißwasser steht mittelfristig die Schließung aufgrund sinkender Schülerzahlen und ihrer Stadtrandlage bevor. Eigentlich hatten die Stadträte schon beschlossen, sie mit diesem Schuljahr auslaufen zu lassen. Sie mussten die Schulbehörde dann aber um ein Jahr Fristverlängerung bitten, weil die Erweiterung am Standort der 1. Grundschule nicht rechtzeitig vorgenommen werden konnte. „So, wie es jetzt aussieht, werden wir einen Folgeantrag stellen, so dass dort noch ein weiteres Jahr beschult werden kann“ , sagt Karl-Heinz Melcher vom zuständigen Fachbereich. „Im Interesse der Kinder werden wir die Sache soweit hinausschieben, bis die nötigen Voraussetzungen am Umzugsstandort gegeben sind.“ Das sind Umbauten an der Pestalozzi-Grundschule im Stadtzentrum und die Errichtung einer Ein-Feld-Turnhalle am gleichen Standort. „Wir erwarten täglich die Fördermittelbescheide der Sächsischen Aufbaubank für den Schulumbau und die Turnhalle“ , sagt Melcher. „Wir gehen davon aus, dass ein Auslaufen der 6. Grundschule zum Ende des Schuljahres 2009 / 2010 möglich ist.“