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| 02:56 Uhr

Die Engel der Justkirche sollen weiter fliegen

Die Malereien in der St. Just-Kirche zogen unlängst die Mitglieder des Kamenzer Kirchbauvereins in ihren Bann.
Die Malereien in der St. Just-Kirche zogen unlängst die Mitglieder des Kamenzer Kirchbauvereins in ihren Bann. FOTO: Uwe Meschner
Kamenz. In der Kamenzer St. Just-Kirche haben im vergangenen Jahr Sicherungs- und Erhaltungsarbeiten an den wertvollen Wandmalereien begonnen. Sie waren jahrzehntelang unter einer Putzschicht verborgen gewesen und kamen erst 1935 eher zufällig ans Tageslicht. Uwe Menschner

Die Lessingstadt ist weithin für sakrale Kunstschätze bekannt. Wenn davon die Rede ist, geht es zumeist um die reichhaltige Ausstattung der Hauptkirche St. Marien oder um die sechs Schnitzaltäre der Klosterkirche. In deren Schatten verborgen "schlummert" noch ein weitgehend unbekannter Schatz: Die kleine, unscheinbare Kirche St. Just am Stadtausgang in Richtung Königsbrück birgt eine große Fülle von Wandmalereien, die aus dem späten 14. oder dem frühen 15. Jahrhundert stammen.

Intensive Beschäftigung

"Diese wurden durch den Kamenzer Architekten Werner Reif 1935 im Zuge der Vorbereitung von Sanierungsarbeiten unter einer Putzschicht entdeckt", erklärt Ulrike Hartmann. Die Bautzener Restauratorin hat sich in den letzten beiden Jahren intensiv mit der St. Just-Kirche und ihrem "Innenleben" beschäftigt. Die Malereien, die den gesamten Chorraum ausfüllen, bedürfen nämlich dringend der Sicherung und Restaurierung, wenn sie auch für die kommenden Jahrhunderte erhalten werden sollen.

Ein Anfang wurde bereits gemacht: 2013 erfolgte die Sicherung eines besonders stark geschädigten Abschnittes. Die Farbschicht wurde gereinigt und am Untergrund befestigt - "mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis", wie Ulrike Hartmann resümiert. Wann es allerdings zu einer großflächigen Bearbeitung der Malereien kommen kann, ist derzeit noch ungewiss. Immerhin sind für 2014 einige "flankierende Maßnahmen" geplant, die dazu dienen sollen, das Eindringen und Aufsteigen von Feuchtigkeit in das beziehungsweise im Mauerwerk zu verhindern. Die Feuchtigkeit bildet zusammen mit den Emissionen der unmittelbar vorbei führenden, stark befahrenen Königsbrücker Straße sowie mit der Sonneneinstrahlung das Hauptproblem für den schon stark verblassten Kirchenschmuck.

"Allerdings lassen sich das Verblassen und die Umwandlung der Farben - vor allem von Grün und Blau in Schwarz - nicht allein damit erklären", wie Ulrike Hartmann betont. In anderen Kirchen, die ähnlichen Belastungen ausgesetzt sind, sei die Farbigkeit vergleichbarer Malereien besser erhalten: "Woran das liegt, muss noch eingehender untersucht werden."

Die von Fachleuten auf die Zeit zwischen 1380 und 1420 datierten Malereien weisen laut der Restauratorin deutliche böhmische Einflüsse auf. Sie zeigen Darstellungen von Engeln und Heiligen sowie Szenen aus dem Marienleben und der Leidensgeschichte Jesu. "Einige Szenen haben mich stark berührt, da sie Einblick in das Alltagsleben der Menschen von damals geben", bekennt Ulrike Hartmann - so die Prüfung der Wassertemperatur im Badetrog durch Maria. Welche Bedeutung man den Malereien zum Zeitpunkt ihrer Entstehung beimaß, zeigt sich daran, dass ihretwegen sogar zwei Fenster zugemauert wurden.

Spendenaufruf

Der Kamenzer Kirchbauverein will jetzt dafür Sorge tragen, dass dieses einzigartige spätmittelalterliche Zeugnis erhalten bleibt, und hat einen Spendenaufruf für den Erhalt der Malereien in der St. Just-Kirche gestartet. "Für die nachhaltige Konservierung wird ein Gesamtkonzept erstellt", so der Vereinsvorsitzende Martin Kühne.

Für die bisherigen Arbeiten konnte der Verein bereits 5000 Euro bereitstellen. Im Herbst soll ein wissenschaftliches Kolloquium stattfinden, das die Schäden an den Wandmalereien thematisiert.

Zum Thema:
Die St. Just-Kirche wurde 1377 erstmals urkundlich erwähnt. Sie befindet sich unmittelbar an der alten Handels- und Pilgerstraße Via Regia und diente wahrscheinlich als Wegstation für die Pilger. Darauf deutet auch ihr Name hin - er leitet sich vom heiligen Jodokus her, einem Schutzpatron für Glaubensreisende. Umbau- und Sanierungsmaßnahmen fanden zuletzt 1936 und 1999 statt. Heute wird das kleine Gotteshaus vor allem als Begräbniskapelle für den benachbarten Friedhof genutzt.