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Die drehende Gefahr im Wald

Die Angst vor Waldbränden, die durch brennende Windräder ausgelöst werden können, ist groß.
Die Angst vor Waldbränden, die durch brennende Windräder ausgelöst werden können, ist groß. FOTO: Rasche / str1
Forst. Windparks in Waldgebieten sorgen derzeit für hitzige Debatten im Landkreis Spree-Neiße. Anwohner fürchten unter anderem die Feuergefahr, wenn die riesigen Türme mitten in die angrenzenden Waldgebiete gebaut werden. Doch ist die Gefahr wirklich so groß? Von Bodo Baumert

Die Angst vor Waldbränden, die durch die neuen Windkraftanlagen ausgelöst werden oder deren Löschen durch die Windparks behindert wird, ist groß bei Menschen in der Region. "Wenn das anfängt zu brennen, sitzen wir wie in einem Kessel", hatte eine Anwohnerin aus Raden jüngst während einer Diskussionsveranstaltung zum geplanten Windpark Jerischke gewarnt. Auch bei Debatten im Jerischker Ortsbeirat und in Klein Bademeusel sind immer wieder ähnliche Befürchtungen zu hören gewesen.

In einem offenen Brief an die SPD-Landtagsabgeordneten haben kürzlich auch die Initiatoren der Bürgerinitiative "Ja zu Windenergie! Nein zu Windrädern im Wald" auf die Gefahren hingewiesen. "Es ist bekannt, dass in Deutschland in der vergangenen Zeit über 200 Windkraftanlagen abgebrannt sind", schreibt Rechtsanwalt Peter Böhner im Auftrag der Bürgerinitiative. Zuletzt habe im Elbe-Elster-Kreis eine Anlage gebrannt. "Dort sind nach einer Explosion brennbare Teile über 250 Meter weit weggeschleudert worden", so Böhner. Dies sei angesichts der besonders hohen Gefährdungsstufe der hiesigen Wälder ein unvertretbares Risiko.

Warten auf Antworten

Die Feuergefahr, die von den Anlagen ausgeht, scheint allerdings nicht das eigentliche Problem. Der Investor des Windparks Jerischke, die Firma Ostwind, beispielsweise hatte bereits zugesagt, alle nötigen Brandschutzstandards erfüllen zu wollen. Auch Wolfhard Kätzmer, Kreisbrandmeister in Spree-Neiße, sieht das ähnlich: "Da kann man sehr viel machen." Mit entsprechender Löschtechnik sei dieser Teil des Problems beherrschbar. "Es kann aber auch Ereignisse geben, die sich auf die Windanlagen zubewegen", gibt Kätzmer zu bedenken. Bei einem Waldbrand könne sich vor allem der Sicherheitsbereich um die Windanlagen als Problem erweisen, denn diesen dürfen auch die Feuerwehrleute nicht betreten. "Da habe ich einige konkrete Fragen", sagt Kätzmer. Innenministerium und der Landesbrandmeister hätten mehrfach zugesagt, diese zu beantworten. "Bisher haben wir diese Antworten aber nicht", so Kätzmer.

Ganz konkrete Forderungen für den Windpark Jerischke hat die Amtswehrleitung des Amtes Döbern-Land in einer Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren aufgemacht. Sie fordert Löscheinrichtungen in den Gondeln auf dem neuesten Stand der Technik. Zudem sollen rund um den Windpark und innerhalb Löschteiche angelegt werden, in denen ständig die nötigen Wasservorräte bereitstehen. Zudem soll der Betreiber der Windanlagen den Feuerwehren der umliegenden Orte bessere Löschtechnik zur Verfügung stellen. Die Amtswehrführung fordert vor allem Schaum- und Wasserwerfer mit höherer Reichweite, um Brände am Fuß der Anlagen aus der Entfernung löschen zu können.

Auf dem Rücken der Wehren

"Die Entscheidung, Windenergieanlagen in Wäldern zu installieren und damit die potenzielle Brandgefahr zu erhöhen, wird auf den Rücken von ehrenamtlichen und freiwilligen Mitgliedern der Feuerwehr ausgetragen", warnt die Amtswehrführung in ihrer Stellungnahme.

Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer sieht das nicht ganz so dramatisch. "Es gibt den gesetzlichen Rahmen, dass es erlaubt ist, Windkraftanlagen im Wald zu errichten. Deshalb müssen wir sehen, wie wir damit umgehen", sagt Kätzmer.

Wichtig sei aber, dass die Bedürfnisse der Feuerwehren berücksichtigt werden. "Ich möchte Sicherheit haben, nicht für die Anlagen, sondern für die Kräfte am Boden. Das kann ich derzeit nicht gewährleisten", betont der Kreisbrandmeister.