Sie schauen sich um und entdecken im Zentrum des Saales, also an der Stelle, auf die die Kunstwerke hinweisen, die durchaus realistische Darstellung eines Mannes, der an einem Galgen hängt.
Was für ein Gegensatz mitten in all dem Schönen eine hässliche Hinrichtungsszene. Genau das erleben Sie, wenn Sie eine Kirche betreten. Die meisten Kirchen sind voller wunderbarer Kunst und in ihrem Zentrum finden sie die Darstellung einer Hinrichtung. Die Kreuzigung ist eine der grausamsten Hinrichtungsarten überhaupt. Besonders in der mit dem kommenden Palmsonntag beginnenden Karwoche steht das Kreuz im Mittelpunkt der Betrachtung. Wenn Christen wissen wollen wie Gott ist, dann schauen sie auf das Kreuz. Was kann es Schrecklicheres geben als den qualvollen Tod eines Unschuldigen? Gerade hier an diesem Tiefpunkt der Weltgeschichte wird deutlich, wie sehr Gott uns liebt, denn in diesem Jesus Christus leidet Gott selbst. Er opfert sich aus Liebe für uns, für diese Welt, die ihn kreuzigt. In der Bibel ist deshalb auch vom „Skandal des Kreuzes“ die Rede. Dass die ersten Christen an Gott glaubten war nichts Ungewöhnliches, alle Menschen taten das. Im Grunde hat sich daran bis heute nichts geändert, selbst die, die sagen, sie glauben nicht an Gott, haben irgendetwas, was ihnen heilig ist. Das die ersten Christen aber glaubten, dass sich Gott mit einem Gekreuzigten so sehr identifiziert hat, dass er mit ihm gelitten hat, das war ein Skandal. Ein Skandal, wie ihn nur die Liebe verursachen kann. Die Bibel bringt es auf den Punkt: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

*Der Autor dieses Beitrages ist Pfarrer in Klitten