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Dezember 2007 – 75 Jahre Eishockeysport in Weißwasser Der Triumphzug durch Weißwassers Straßen

Weißwasser Kunsteisstadion. Es galt lange Zeit als die größte Eishockey-Freiluftarena Europas.
Weißwasser Kunsteisstadion. Es galt lange Zeit als die größte Eishockey-Freiluftarena Europas. FOTO: Archivfotos: privat
Als die Weißwasseraner Mannschaft nach dem ersten Meisterschaftstriumph mit dem Eilzug in den Bahnhof Weißwasser einfuhr, bereiteten ihr Hunderte Einwohner einen überwältigenden Empfang. Im Triumphzug wurden die erstmaligen DDR-Meister, nunmehr Spieler von „Ostglas“ Weißwasser, durch die Straßen geleitet. Von Klaus Riehle(wird fortgesetzt)

Das waren Hans Mack, Klaus Radt ke (Torhüter), Siegfried Mann, Günther Schischefski, Willi Herrmann, Heinz Lachmann (Verteidiger) und den Stürmern Paul Mann, Kurt Stürmer, Wolfgang Blümel, Herbert Schindler, Wolfgang Nickel und Herbert Tschätsch mit ihrem Trainer Günther Lehnigk Günther Schischewski war der einzige „Spielerimport“ . Er begann in Oberschlesien mit Eishockey und kam über Meißen (Fußball) in die Lausitz. Die Namensänderung 1952 zu Chemie Weißwasser verwirrte bestenfalls die Gegner, denn Weißwassers Team holte sich den zweiten Meistertitel. Frankenhausen wurde sogar zweistellig besiegt. Auch unter dem neuen Namen Dynamo Weißwasser holten sich die Lausitzer den vierten Meistertitel. Von zehn Meisterschaftsspielen verlor der Verein nur eins - natürlich gegen Frankenhausen.

Bekannt im In- und Ausland
Die Eishockeyspieler machten die kleine Stadt der Lausitz im In- und Ausland bekannt. So waren in den Folgejahren namhafte Mannschaften aus Tschechien/Slowakei, wie Prag, Brünn (Brno), Pilsen (Plzen), aus Schweden beispielsweise Stockholm, Malmö, Göteborg, aus Ungarn, Polen, Italien, der Sowjetunion und Finnland zu Gast. Noch in der Saison 1953/54, offensichtlich die Lehrjahre für den Verein auf dem internationalen Parkett, wurden alle vier Spiele verloren. Von 51 internationalen Begegnungen in den Jahren 1955 bis 1959 auf dem Natureis im Jahnstadion konnten 32 siegreich und drei unentschieden gestaltet werden. Nur zwölf Spiele gingen verloren. In diesem Zeitraum spielte auch „Hanne“ Frenzel bei Dynamo Weißwasser. Offensichtlich deshalb kehrte er oft und gern an seine alte Wirkungsstätte zurück. Grundlage für die Erfolge waren die Spielerpersönlichkeiten und das notwendige Training.
Ohne Temperaturen unter dem Gefrierpunkt stand in Weißwasser kein Eis zur Verfügung. Also musste die Mannschaft oft wochenlang nach Berlin umziehen.
1958 konnte in Bozen/Italien der Pavoni-Cup gewonnen werden. Mit einer Einladung aus Le Chaux de Fonds (Schweiz) hatte Dynamo Weißwasser auch ehemalige kanadische Profis als Gegner. Gegen eine Klubmannschaft aus Kanadiern, Schweizer und Franzosen wurde zur Überraschung der Insider in der Verlängerung der Pokalsieg errungen. Turniersieger wurden Kurt Stürmer, Joachim Franke, Günter Schischefski, Dieter Greiner, Peter Lehnigk, Hans-Jürgen Johne, Erich Novy, Wolfgang Blümel, Werner Engelmann, Horst Heinze, Heinz Lachmann, Heinz Kuczera, Manfred Buder, Horst Hilbig, Klaus Hirche sowie Trainer Günter Lehnigk und Masseur Kurt Pfennig. In dieser Zeit wurden die Torwartschläger noch mit 17 Arbeitsgängen beim Stellmacher Saschowa in Weißwasser gefertigt Nach Verbesserungsvorschlägen durch die Torwarte Hans Mack und Klaus Hirche wurden die Schläger auch tauglich für die Nationalmannschaft.

Jahnstadion wurde zu eng
Nach diesen internationalen Erfolgen und dem 9. Meistertitel in Folge entsprach das Natureis des Jahnstadions nicht mehr den Erfordernissen der erfolgreichen Mannschaft Dynamo Weißwasser. Oft mussten die die Cracks bei der Herrichtung der Spielfläche in den Drittelpausen helfen, während sich die Gegner ausruhen konnten. Der Bau eines Kunsteisstadions wurde notwendig. Grundsteinlegung für den Neubau war am 16. April 1958 neben dem damaligen Paul-Klinke-Sportplatz. Auf dem sandigen Waldgelände mussten die Böschungen sowie Auf- und Durchgänge errichtet werden. Es wurden Traversen für etwa 9 000 Stehplätze gebaut. Das Hauptgebäude mit Sitzplätzen, Trainings-, Umkleide- und Verwaltungsräumen entstand. Mit staatlicher Finanzierung, Geldern aus Lotto-Mitteln und mehr als 44 000 Aufbaustunden Weißwasseraner Eishockeyanhänger wurde das Wilhelm-Pieck-Kunsteisstadion gebaut.
Am 7. November 1959 erfolgte die Einweihung des neuen Stadions mit einem Freundschaftsspiel zwischen Dynamo Weißwasser und Legia Warschau. 7 000 Zuschauer sahen vier Tore jeder Mannschaft. Kurz danach wurde das erste Turnier um den Glasmacherpokal, ein großes Ereignis für die noch kleine Stadt durchgeführt. Teilnehmer waren die Mannschaften von Roter Stern Brno, Nowosibirsk und ZSKA Moskau. Gleich im ersten Spiel sahen Tausende Zuschauer einen 8:1-Erfolg „ihrer Dynamos“ über die Mannschaft aus Sibirien. Im gleichen Jahr wurden die Männer des Vereins zum zehnten Male DDR-Meister. Die Spieler aus Weißwasser waren in dieser Zeit auch eine wesentliche Stütze der Nationalmannschaft. Dazu gehörten Klaus Hirche, Manfred Buder, Erich Novy, Heinz Kuczera, Joachim Franke, Günther Schischefski, Kurt Stürmer, Horst Heinze, Wolfgang Blümel, Rainer Tudyka, Heinz Schildan, Wolfgang Nickel. Bei der Weltmeisterschaft 1961 in Lausanne und Genf besiegte die DDR-Mannschaft die USA, Olympiasieger von 1960, mit 6:5. Den entscheidenden Treffer erzielte Joachim Franke. Eine Sensation war perfekt! Die DDR-Auswahlmannschaft wurde WM-Fünfter. Der Autor dieses Beitrages erinnert sich: „Im neuen Dresdner Kunsteisstadion sahen meine Frau und ich 1962 erstmals ein Spiel der Eishockey-Nationalmannschaft. Gegner war die Sowjetunion. Leider konnten wir kein Tor bejubeln, aber die Garnisonssoldaten der Roten Armee neben uns brüllten zehnmal berechtigt ,Scheibu, Scheibu', das heißt Tor.“

Der 15. Meistertitel
1965 erkämpften die Eishockeyspieler den 15. Meistertitel für die Glasmacherstadt. Diese Trophäe holten Manfred Buder (Kapitän), Klaus Hirche, Joachim Franke, Heinz Kuczera, Rainer Tudyka, Erich und Helmut Novy, Bernd Poindl, Rüdiger Noack, Wilfried Sock, Heinz Schildan, Ullrich Noack, Dieter Rohrbach, Wilfried Leitko, Horst Heinze, Werner Engelmann, Werner Domke, Jürgen Kraske, Manfred Krause und Jochen Koch unter dem Trainer Wolfgang Blümel nach Weißwasser. Auch die Nationalmannschaft spielte bei der WM in Tampere (Finnland) recht erfolgreich. Fünf Sekunden standen beim Spiel gegen Finnland für den entscheidenden Treffer bei einem Bully vor dem finnischen Tor noch zur Verfügung. Erich Novy gewann die Scheibe und Joachim Ziesche hämmerte den Puck ins finnische Tor. Die DDR wurde wiederum WM-Fünfter.
Eissport in Weißwasser hieß damals nicht nur Eishockey, es gab auch eine Sektion Eiskunstlauf. In der Zeit von 1959 - 1969 trainierten etwas mehr als 20 Mädchen und Jungen auf dem Eis und im Ballettsaal in Weißwasser, manchmal auch in Berlin. Sie absolvierten erfolgreich Wettkämpfe, unterhielten aber auch die Zuschauer in den Drittelpausen.
Bekannt sind bestimmt noch Gloria Schäfer (Schulz), Christa Rothenburger (Luding) und Christina Oelmann (Piche).

Gewinnspiel Jubiläumstombola zum 75. Vereinsgeburtstag
 Für seinen 75. Vereinsgeburtstag hat sich der Eissport Weißwasser etwas Besonderes einfallen lassen. Der Traditionsclub veranstaltet eine Jubiläumstombola mit wertvollen Preisen. Dank der Unterstützung von zahlreichen Partnern aus ganz Deutschland werden unter anderem eine Familienreise mit einem Skoda in einen Center-Parcs verlost. Außerdem gibt es ein Wochenende in Hamburg mit Besuch eines Spieles der Deutschen Eishockey Liga, eine Reise nach Prag und ein Jahres-Abo der Eishockey-NEWS zu gewinnen. Die Lose für die Jubiläumstombola werden bereits in Weißwasser zum Preis von 75 Cent verkauft. Erhältlich sind diese bei der Lotto-Annahme Kucher, im Eisstadion bei Sport-Store 24, im Zeitungsshop Gose, im Presse & Lotto Eck Noack, im Zeitungsladen Marlis Schuster und im Zeitungsshop Schwertner. Der gesamte Erlös der Tombola kommt dem Eissport Weißwasser e.V. zu Gute. Die Auslosung der genannten Gewinne erfolgt auf der Jubiläumsveranstaltung am 15. Dezember.