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Dezember 2007 – 75 Jahre Eishockeysport in Weißwasser Das Wunder beginnt am Braunsteich

Weißwasseraner Cracks von einst. Dieses Foto stammt aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, zeigt die sportlichen Urväter der heutigen Füchse. Unvergessen die Eishockey-Legende Günter Lehnigk (4. v. r.)
Weißwasseraner Cracks von einst. Dieses Foto stammt aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, zeigt die sportlichen Urväter der heutigen Füchse. Unvergessen die Eishockey-Legende Günter Lehnigk (4. v. r.) FOTO: Archivfoto: privat
Junge Männer – auch in Weißwasser – saßen vor 70 Jahren nicht am Radio, vorm Fernseher oder Computer. Sie spielten in ihrer Freizeit vor allem Fußball. Im Winter verlegten sie das Spiel auf Gewässer, besonders auf den Braunsteich, allerdings mit Schlittschuhen zum Anschnallen, Holzknüppeln und Holzscheibe. Fast alle kamen aus der Gegend des damaligen Osram-Werkes. Von Klaus Riehle(wird fortgesetzt)

Ist der gemeinsame Kinobesuch im „Gloria-Palast“ Weißwasser Legende oder Tatsache? Vom Filmbeitrag über den damaligen Eishockeymeister Berliner Schlittschuhclubs waren die Hobby-Spieler jedenfalls so begeistert, dass am 15. Dezember 1932 im Keglerheim der Verein „Eishockey Weißwasser“ gegründet wurde. Schon hier wird klar, dass die Medien nicht erst aktuell Menschen in Bewegung bringen. Jedenfalls sparten die jungen Weißwasseraner vom kärglichen Arbeitslohn im Verlauf von vier Jahren Geld für die erforderliche Eishockeyausrüstung zusammen. Sponsoren waren bestenfalls die Eltern. Als Besonderheit für damalige Verhältnisse kann die Beteiligung vieler Arbeitersportler an der finanziell aufwändigen Sportart genannt werden.

Bande von 30 Zentimetern
Bei den Wettkämpfen wurde eine niedrige Spielfeldbegrenzung von 30 Zentimetern Höhe zusammengebaut, damit die Pucks auf der Eisfläche nicht am entgegengesetzten Ufer landeten. Die Beine und darüber liegende Körperteile der Zuschauer unmittelbar hinter der Bande waren trotzdem gefährdet. So konnten Martin Schulz, Helmut Bertko, Fritz Dutschke, Gerhard Röhler, Siegfried Rohrbach und später auch Günter Lehnigk einigermaßen gut trainieren. Am 6. Dezember 1933 wurde die Eishockeytruppe in den Turn- und Sportverein aufgenommen.
Den ersten offiziellen Wettkampf in der noch jungen Geschichte gewannen die Grün-Weißen am 17. Dezember 1933 mit 5:0 gegen die Skizunft in der Nachbarstadt Spremberg. Damals gab es also noch Frost vor Weihnachten und - wie heute - diverse Auswärtssiege. Der nächste Gegner aus Görlitz erwies sich als stärker und besiegte Weißwasser auf dem Eis des Braunsteiches mit 5:0. Es existierten also verschiedene Eishockeyvereine in der Lausitz, aber nur einer wurde zur Hochburg dieses faszinierenden Sportes. Weitere Spiele, so gegen Berlin-Oberschöneweide sahen teilweise über 1000 Zuschauer. „Die Berliner zählten offensichtlich damals schon zu unseren Lieblingsgegnern“ , sagen eingeweihte Spötter.
1936 beteiligte sich der TSV Weißwasser an der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft in Nürnberg. Ein Jahr später schlug die große Stunde für die Weißwasseraner, sie wurden schlesischer Meister nach einem 2:1 Sieg über den EV Hindenburg. Der Pokal existiert noch. Die Klubs aus Berlin und Nürnberg konnten allerdings damals nicht bezwungen werden. Die Eishockeybegeisterung war derartig groß, dass sich die Kufenflitzer Lehrgänge mit schwedischen und auch kanadische Trainern (1938) leisteten. Die Eishockeyenthusiasten aus der Lausitzer Kleinstadt wurden so bekannt, dass sogar der legendäre BSC (Berliner Schlittschuhclub) zu einem Freundschaftsspiel auf dem Brauns teich anreiste. Das Match konnte von den Lausitzern lange Zeit annähernd ausgeglichen gestaltet werden. Doch plötzlich setzte Tauwetter ein, das Eis unter Günter Lehnigk gab nach - und er stand im Wasser. Entweder hatte er zu schmale Kufen oder er war zu kräftig gebaut. Dann unterbrach der Zweite Weltkrieg die Entwicklung des Eissports. Einige Cracks mussten beim Gemetzel ihr Leben lassen. Nach dem Ende des Grauens kehrten viele der ehemaligen Soldaten und Vertriebenen wieder in ihre Heimat Weißwasser zurück. Als sich Helmut Bertko, Wolfgang Blümel, Fritz Dutschke, Günter Lehnigk, Paul und Siegfried Mann, Siegfried Rohrbach, Kurt Stürmer und Herbert Tschätsch nach langer Zeit trafen, ergriff sie abermals die Faszination Eishockey. Vor allem Günter Lehnigk erwies sich als exzellenter Organisator zum erneuten Eishockeyauftakt auf dem Braunsteich.
Bei der ersten Wettkampfreise im kalten Winter 1947 fuhr die Mannschaft bei minus 18 Grad Celsius im offenen LKW nach Bautzen. Verpflegung musste jeder selbst mitbringen - Kartoffeln, Rüben - „Eisbeine“ gab es kostenlos während der Fahrt in Form kalter Füße dazu. Als Gegner stand der Chemnitzer Rollschuh-Club auf dem Eis. Trotz oder wegen der Kälte spielten die Weißwasseraner groß auf und gewannen das erste Match 14:1, das Rückspiel tags darauf 11:0. Weitere fünf Spiele gegen Mannschaften aus Berlin und Dresden konnten siegreich beendet werden. Dabei musste neben dem Spiel oder Training schwere körperliche Arbeit verrichtet werden. War das Eis an einer Stelle des Teiches abgenutzt, verschob man das gesamte Spielfeld. Eine Eiserneuerung war nicht möglich. Wegen ungünstiger Eisentwicklung transportierten die Spieler die Bande, die Tore und weitere Ausrüstung zwischen den Teichen hin und her. Es wurde neben dem Braunsteich auch auf dem Jahn- bzw. auf dem Totenteich gespielt.

Nun „Kristall“
Die Eishockeyspieler schlossen sich 1948 der Betriebssportgemeinschaft des damaligen Spezialglaswerkes „Einheit“ an und nannten sich fortan BSG „Kristall“ . Die meisten Cracks waren Glasmacher oder in der Glasindustrie beschäftigt. Damit wurden die materiellen Voraussetzungen für die Spieler günstiger, sie erhielten Ausrüstungsgegenstände über die BSG. 1949/50 nahmen die Eishockeyspieler von „Kristall“ erstmalig an der Meisterschaft in Ostdeutschland teil. Auf Anhieb belegten sie einen 3. Platz. Im gleichen Zeitraum stellte die Stadt Weißwasser der Sportgemeinschaft zwischen der Teichstraße und dem Jahnteich Grund und Boden unentgeltlich zur Verfügung. Dort entstand bis 1950 das Jahnstadion als Natureis-Freiluftarena mit Klubhaus und Umkleidekabinen - auf einem ehemaligen Braunkohle-Grubenloch. Im Eröffnungsspiel war die SG Frankenhausen, bei Crimmitschau, der Gegner. 6000 Zuschauer sahen ein für die Sportart sehr seltenes 0:0. Zuschauer ohne Eintrittskarten hangelten sich auf die umliegenden Bäume. Einen Sicherheitsdienst gab es damals noch nicht. Die Zuschauer standen dicht an der Bande. Dies sorgte für zusätzliche Stimmung bei den spannenden Wettkämpfen. Das Eis über dem Grubenloch war sehr dunkel. Besonders nach Regen war deshalb der Puck weder von den Aktiven noch von den Zuschauern gut zu beobachten. In einen Behälter mit weißer Farbe wurden die Pucks getaucht. Allerdings hielt der Farbüberzug immer nur kurzzeitig. Wegen der unzuverlässigen Eisverhältnisse, auch in der oft kalten Lausitz, fanden viele Meisterschaftsspiele in Berlin statt. Hier stand das Kunsteis der neuerbauten Werner-Seelenbinder-Halle zur Verfügung. In einem packenden Endspiel siegte die SG „Kristall“ Weißwasser mit 4:3 über die SG Frankenhausen und holte sich damit den ersten Meistertitel einer legendären Serie.

Gewinnspiel Jubiläumstombola zum 75. Vereinsgeburtstag
 Für seinen 75. Vereinsgeburtstag hat sich der Eissport Weißwasser etwas Besonderes einfallen lassen. Der Traditionsclub veranstaltet eine Jubiläumstombola mit wertvollen Preisen. Dank der Unterstützung von zahlreichen Partnern aus ganz Deutschland werden unter anderem eine Familienreise mit einem Skoda in einen Center-Parcs verlost. Außerdem gibt es ein Wochenende in Hamburg mit Besuch eines Spieles der Deutschen Eishockey Liga, eine Reise nach Prag und ein Jahres-Abo der Eishockey-NEWS zu gewinnen. Die Lose für die Jubiläumstombola werden ab sofort in Weißwasser zum Preis von 75 Cent verkauft. Erhältlich sind diese bei der Lotto-Annahme Kucher, im Eisstadion bei Sport-Store 24, im Zeitungsshop Gose, im Presse & Lotto Eck Noack, im Zeitungsladen Marlis Schuster und im Zeitungsshop Schwertner. Der gesamte Erlös der Tombola kommt dem Eissport Weißwasser e.V. zu Gute. Die Auslosung der genannten Gewinne erfolgt auf der Jubiläumsveranstaltung am 15. Dezember.