Von Regina Weiß

Dass der Name Weißwasser im Zusammenhang mit der ersten Bundesliga auftaucht, hat wahrlich Seltenheitswert. Um so mehr freuen sich die Mitglieder der Formation Dance Attack, dass sie das vor wenigen Tagen geschafft haben. Damit sei endlich mal Tanzen in aller Munde und nicht nur Eishockey, gibt es einen kleinen Seitenhieb aus dem TSC-Vereinshaus in die nur unweit gelegene Eisarena.

Trainieren, trainieren, trainieren

Freitagabend, es ist Trainingszeit. Vor dem Tanzen ist nach dem Tanzen. Soll heißen: Auf den Lorbeeren ausruhen, gilt nicht, es wird weiter trainiert. Allerdings nur mit „halber“ Besatzung. Einige Mittänzer sind im Urlaub und werden auch dort hoffentlich üben. Eigentlich sind Dance Attack 18 Mädchen und junge Frauen sowie seit diesem Jahr auch ein junger Mann. Die jüngste ist 15, die älteste ist 29 Jahre alt.

Sie sind ein verschworene Gemeinschaft, wie sie der RUNDSCHAU bei einer kleinen Trainingspause zu verstehen geben. Eine Truppe, die schon einige Umbrüche hinter sich hat. So muss sich mit Celina Haßler eine neue Trainerin beweisen. Eine aus den eigenen Reihen. Im Fußball würde man sagen, eine Spielertrainerin. Denn die 19-jährige Celina tanzt auch mit. Seit zehn Jahren gehört sie zu Dance Attack.

Der Wechsel sei ihr nicht leicht gefallen, gibt sie zu. Plötzlich muss sie Ansagen machen. Doch sie weiß sich durchzusetzen. Zumal jedes einzelne Mitglied der Gruppe kritisch genug ist. Gegen sich selbst, aber auch mit dem Blick auf die Leistung der Formation – sprich die Nebenfrau. Da könne es manchmal auch emotional und zickig werden. Liebevoll zickig, wird ausdrücklich betont.

Kämpferisch statt balladesk

Sonia Bartucceli, die Dance Attack als Choreografin bereits lange Zeit die Treue hält, hat auch in diesem Jahr für das Thema des Tanzes und seine Darstellungsweise gesorgt. Nachdem die Weißwasseraner im vergangenen Jahr auf eine Ballade gesetzt haben, gehen sie es diesmal kampfbetont an. Hilfe haben sie von Trainer Thomas Bauer aus Berlin. Vier Minuten haben sie für ihren Tanz. Vier Minuten lang werden sie für die Choreografie mit dem Titel „into the Woods“ alles rauspowern.

Ein Tanz wie ein Marathon sei das, beschreibt es die Gruppe. „Danach hast du das Gefühl, dir springt das Herz heraus“, heißt es. Seit dem 18. August wird jeden Sonntag trainiert. In der Woche vor der Fahrt nach Leverkusen gibt es nur einen Tag zum Durchatmen. Wen wundert es: Man könnte die Tänzerinnen um 2.30 Uhr wecken und sie wüssten nach ein paar Takten Musik sofort ihre Tanzschritte.

Um eine solche nachtschlafene Zeit machen sie sich mit dem Bus auf nach Leverkusen. Neun Stunden Fahrt liegen vor ihnen. „Sie waren verdammt aufgeregt“, beschreibt Sindy Troll. Sie hat nicht nur gemeinsam mit Doreen Schönsee die Kostüme geschneidert, sondern ist als Showtanzbeauftragte des TSC Kristall Weißwasser die „Mutter der Kompanie“. Als solche erlebt sie den Auftritt in Nordrhein-Westfalen. „Man sieht es allen an, dass sie Spaß am Tanzen haben.“

Wettbewerb mit Top-Ergebnis

Der Abend endet mit einem Ergebnis, mit dem keiner gerechnet hat. Da ist der sechste Platz reine Nebensache; denn Dance Attack landet nach Ansicht der Fachjury in der ersten Bundesliga. Dass gab es noch nie und wird nach der Bekanntgabe der Entscheidung entsprechend bejubelt.

Jetzt hat die Gruppe den Deutschland Cup in Hof (Bayern) im Blick. Dieser findet am 26. Oktober in der Freiheitshalle der Frankenmetropole statt. Noch in diesem Jahre stehen der Advents Dance Cup in Hoyerswerda und 2020 im Februar das DDP-Turnier in Dresden an.

Wer Dance Attack live in Weißwasser erleben will, der kann sich den 6. Dezember im Kalender anmerken. Dann gibt es die öffentliche Generalprobe der TSC-Formationen in der Turnhalle der Bruno-Bürgel-Schule.

Darauf freuen sich alle schon. Denn der Jubel in der Heimat ist doch wie Doping. Genauso so gut wie Süßigkeiten. Gummibärchen stehen da ganz oben auf der Motivationsliste. Angst wegen der Kalorien? „Tanzen ist das beste Anti-Aging-Mittel“, sagt die 29-Jährige Julia und stimmt in das Lachen der Mädels mit ein.