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| 18:03 Uhr

Deutsche Wohnungswirtschaft zu Gast in Weißwasser
Wohnen in Zeiten von Klimazielen

 Weißwasser aus der Vogelperspektive: Stadtbildprägend sind Bauten der WBG und WGW wie hier an der Muskauer Straße.
Weißwasser aus der Vogelperspektive: Stadtbildprägend sind Bauten der WBG und WGW wie hier an der Muskauer Straße. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Die Herausforderungen der Wohnungswirtschaft im ländlichen Raum sind in Weißwasser diskutiert worden. Dazu kam hoher Besuch in die Stadt. Von Christian Köhler

Während in großen Städten über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum gestritten wird, wird in großen Teilen der Lausitz noch zurückgebaut. Exemplarisch dafür steht Weißwasser. „Noch immer sind wir damit beschäftigt, die Auswirkungen der Wende zu bewältigen“, erklärt Petra Sczesny, Chefin der WBG Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser mbH. Dem kann sich Dietmar Lange, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser (WGW), nur anschließen. „Allein zwischen 2001 und 2010 haben wir über 1850 Wohnungen vom Markt nehmen müssen“, erklärt er. Bei der WBG sind es bis heute 4916.

Problemlagen sind im ländlichen Raum anders gelagert

Entsprechend anders gelagert sind also die Problemlagen, mit denen sich die Unternehmen – anders als jene in Dresden, Berlin oder München – beschäftigen müssen. Während etwa anderswo sozialer Wohnungsbau gefordert wird, stehen in Weißwasser noch immer, trotz Rückbau und Mieten von durchschnittlich unter fünf Euro pro Quadratmeter, Wohnungen leer. Trotzdem wollen die WBG und WGW ihren Bestand erhalten, setzen – zum Teil auch wegen gesetzlicher Verpflichtungen – auf energetische Sanierung, auf barrierearme Zugänge und individuell gestalteten Wohnraum. „Wir haben rund 200 Millionen Euro bislang investiert“, sagt Petra Sczesny. Wohlwissend, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Bundesverband der Wohnungswirtschaft zu Gast

Dass nämlich Grenzregion einerseits und der Kohleausstieg andererseits für zusätzliche Herausforderungen sorgen, dass haben die Weißwasseraner eindrucksvoll dem Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Axel Gedaschko, geschildert. Der ist Rahmen seiner Sommertour am Mittwoch in Begleitung des Amtschefs im Sächsischen Innenministerium, Thomas Rechentin, in die Glasmacherstadt gekommen, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Unternehmen auf den Land müssen mehr leisten

Weißwasser zeige, so erklärt Gedaschko, „was für Probleme im ländlichen Raum in kürzester Zeit auf die Kommunen zukommen“. Leider finde das „viel zu wenig Beachtung in der Berliner Politik“. Die debattiert über Probleme in Großstädten, während immer mehr Menschen vom Land dort hin wandern - und die Probleme vergrößern.

Die Wohnungsunternehmen hätten im ländlichen Raum viel mehr zu leisten als ihre Pendants in großen Städten. Schon allein wegen den geringen Einnahmen und der Verantwortung gegenüber den Mietern. „Wie sollen Unternehmen bei den geringen Mieteinnahmen das Null-Immissionsziel bis 2050 erreichen, ohne sich selbst oder ihre Mieter übermäßig zu belasten?“, fragt Axel Gedaschko.

Gesetze behandeln Unternehmen ungleich

Per Gesetz dürfen die Weißwasseraner Unternehmen maximal zwei Euro pro Quadratmeter bestimmter Sanierungskosten auf die Mieter umlegen. Würden sie eine höhere Miete verlangen, dürften sie mehr umlegen. „Das bestraft kleinere Wohnungsunternehmen“, meint Petra Sczesny, die sagt: „Wir wollen unsere Mieter nicht belasten und ihnen dennoch sämtlichen Komfort zukommen lassen.“ Zumal es die Wohnungsunternehmen sind, und darauf verweist Axel Viehweger, Vorstand im Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften und einstiger Bauminister im letzten DDR-Kabinett, „die Städten ein Gesicht geben“. Er fragt mit Blick auf anstehende Entscheidungen im Klimakabinett: „Wer soll das alles bezahlen?“

Der Kohleaustieg bereitet weitreichende Herausforderung

Kommt der Kohleausstieg, dann steht die Frage, so WBG-Bauleiter Michael Penk, „wie wir unsere Bestände beheizen“. Bislang nämlich habe man eine gute Immissionsbilanz, weil Wärme vom Kraftwerk kommt. Bis 2028, so Penk, sei das noch gesichert. Wie es weitergeht, das sei hingegen unklar.

Thomas Rechentin verweist auf drittes Problem: „Die Mittel, die der Bund für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stellt, muss er auch für Sanierungen im ländlichen Raum bereitsstellen, gerade im Osten.“ Denn: Aus DDR-Zeiten schleppen viele Wohnungsunternehmen Altschulden mit sich herum, „die eigentlich der Bund begleichen müsste“, so Rechetin.

„Wir werden den Kopf nicht in den Lausitzer Sand stecken“, versichert Petra Sczesny. Beispiele in Weißwasser, wie etwa die Sonnenberg-Siedlung oder der Umbau an der Teichstraße der WBG sowie der Umbau der WGW am Quartier Karl-Liebknechtstraße zeigen, dass es sich lohnt, in Weißwasser zu leben. Trotz der Herausforderungen.

 WBG-Chefin Petra Sczesny erklärt, was in der Sonnenberg-Siedlung in den vergangenen Jahren passiert ist.
WBG-Chefin Petra Sczesny erklärt, was in der Sonnenberg-Siedlung in den vergangenen Jahren passiert ist. FOTO: Christian Köhler
 WBG-Chefin Petra Sczesny erklärt, was in der Sonnenberg-Siedlung in den vergangenen Jahren passiert ist.
WBG-Chefin Petra Sczesny erklärt, was in der Sonnenberg-Siedlung in den vergangenen Jahren passiert ist. FOTO: Christian Köhler
 Amtschef des Sächsischen Innenministeriums Thomas Rechentin (v.l.n.r.) im Gespräch mit  Axel Gedaschko (GdW) und Dietmar Lange sowie Annegret Besser von der WGW.
Amtschef des Sächsischen Innenministeriums Thomas Rechentin (v.l.n.r.) im Gespräch mit Axel Gedaschko (GdW) und Dietmar Lange sowie Annegret Besser von der WGW. FOTO: Christian Köhler
 Michael Penk (m.) von der WBG erklärt GdW-Chef Axel Gedaschko sowie Verbandspräsident der Wohnungswirtschaft Rainer Seifert (r.) Daten zum Passivhaus der WBG.
Michael Penk (m.) von der WBG erklärt GdW-Chef Axel Gedaschko sowie Verbandspräsident der Wohnungswirtschaft Rainer Seifert (r.) Daten zum Passivhaus der WBG. FOTO: Christian Köhler