(pm/ckx) Experten aus Görlitz und Prag pflegen seit Jahren einen intensiven medizinischen Austausch. Eine Delegation aus dem tschechischen Krankenhaus Na Pleši ist an diesem Wochenende im Klinikum zu Gast gewesen. Im Mittelpunkt des fachlichen Austauschs haben Aspekte der palliativmedizinischen Behandlung von Tumorpatienten gestanden – unter besonderer Berücksichtigung von Chemo- und Strahlentherapie. Bereits seit mehreren Jahren gibt es diese enge Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Onkologie/Hämatologie, Strahlentherapie und Palliativmedizin (KOSP) des Klinikums Görlitz und dem spezialisierten Krankenhaus Na Pleši am Rande von Prag, informiert das Klinikum.

Es gibt mittlerweile fast flächendeckend sowohl in Deutschland als auch zunehmend in Tschechien palliativmedizinische Angebote für stationäre und auch ambulante Patienten. Diese unterscheiden sich jedoch durchaus sehr stark hinsichtlich ihrer Möglichkeiten, dem einzelnen Tumorpatienten das für ihn notwendige und optimale Therapieangebot machen zu können. „Die Palliativmedizin ist in Deutschland organisatorisch auf höherer Ebene“, sagt Dr. Josef Valchář aus dem Prager Krankenhaus. „Uns fehlt jedenfalls die Kurzzeitpflege, und auch die Entwicklung und Durchsetzung entsprechender Leitlinien sind ausbaufähig.“

Palliativmedizin müsse rechtzeitig integriert werden. „Palliativmedizin ist mehr als einfach nur Schmerztherapie“ bringt es der Chefarzt der Görlitzer Klinik, Dr. Rüdiger Karbaum, auf den Punkt. „Nach wie vor herrscht in beiden Ländern großes Unwissen über die Einbeziehung von tumorspezifischen Therapien gerade in der Palliativmedizin, um Symptome zu lindern. Vereinzelt gibt es sogar Ressentiments gegenüber tumorspezifischen Therapien in einem fortgeschrittenen Stadium einer Tumorerkrankung.“

Gerade aber im Endstadium einer Krebserkrankung bestehe oft ein sehr hoher Leidensdruck aufgrund tumorbedingter Symptome. Dies können Schmerzen sein, aber auch Luftnot oder andere Symptome, die durch das Tumorwachstum hervorgerufen werden. Natürlich steht häufig eine Vielzahl medikamentöser Therapieoptionen zur Verfügung. Oftmals wirken diese jedoch nicht besonders gut. Hingegen kann eine Verkleinerung des Tumors oder der Metastasen die erwünschte Linderung der Symptome häufig auch sehr schnell und erfolgreich bewirken.

Über die bessere Implementierung der ansonsten bereits bekannten Therapiemöglichkeiten in palliativ-medizinische Konzepte haben die Ärzte aus Prag und Görlitz beraten, heißt es. Ein weiterer großer Stellenwert wird der Arbeit der Pflege, des Sozialdienstes, der Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten Angeboten sowie interkulturellen Differenzen hinsichtlich Seelsorge und Spiritualität gewidmet.