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| 02:56 Uhr

Deutsche und Polen erinnern an Worbs

Der Priebuser Bürgermeister Ryszard Klisowski (l.), Initiator Erich Schulze sowie Vertreterinnen der örtlichen Gemeindevertretung und des Kreises Sorau enthüllten gemeinsam die Worbs-Gedenkstätte.
Der Priebuser Bürgermeister Ryszard Klisowski (l.), Initiator Erich Schulze sowie Vertreterinnen der örtlichen Gemeindevertretung und des Kreises Sorau enthüllten gemeinsam die Worbs-Gedenkstätte. FOTO: Torsten Richter/trt1
Priebus. Johann Gottlob Worbs ist nicht nur fast ein halbes Jahrhundert Pfarrer in Priebus gewesen, sondern auch einer der ersten Heimat historiker der Lausitz. Sein Wirken wird seit Kurzem durch eine Gedenktafel in der Priebuser Ortsmitte gewürdigt. Eine Ehrung auf deutscher Seite steht indes noch aus. Torsten Richter / trt1

"Skwer Worbsa" steht über dem neuen Denkmal auf dem zentralen Platz im polnischen Przewóz (Priebus). Das bedeutet so viel wie "Worbs-Platz". Seit Freitag erinnert das Ensemble an den größten Sohn des früheren Städtchens, Johann Gottlob Worbs (1760 - 1833).

Worbs, der aus dem nördlichen Isergebirge stammt, wirkte über 46 Jahre als Pfarrer in Priebus. Er verfasste acht Bücher und publizierte eine Vielzahl von Werken zur Lausitzer und schlesischen Geschichte.

Initiiert hat die Erinnerungsstätte der frühere Landrat des Niederschlesischen Oberlausitzkreises, Erich Schulze. "Ich habe mich schon immer für Priebus und seine Geschichte interessiert und heimatkundliche Forschungen angeschoben", berichtete der 64-Jährige. Insbesondere hätten es ihm die einstigen Priebuser Heimatspiele angetan, die ab dem Jahr 1924 fast jährlich rund um den örtlichen Hungerturm stattfanden. "In diesem Zusammenhang bin ich auf den Namen Worbs gestoßen", so Schulze. "Und wurde auf seine Biografie und sein Wirken neugierig."

Gemeinsam mit mehreren Partnern wie der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien, des sächsischen Innenministeriums, des Landkreises Sorau sowie dem Priebuser Bürgermeister Ryszard Klisowski ging es um die Umsetzung der von Erich Schulze avisierten Erinnerungsstätte. Und die kann sich sehen lassen. Neben der in Lauchhammer hergestellten Bronzetafel, die von einem Granitstein gesäumt wird, laden zwei steinerne Bänke zum Verweilen ein.

Sichtlich beeindruckt zeigte sich auch der Superintendent der Kirche der schlesischen Oberlausitz, Dr. Thomas Koppehl: "Ich bin dankbar, dass Deutsche und Polen gemeinsam an Johann Gottlob Worbs erinnern. Wir haben schließlich ein gemeinsames Erbe, das eine Klammer zum Zusammenhalt unserer beiden Völker bildet. Wir brauchen Menschen, die in die Geschichte hinein hören."

Auch bei den Polen war der Stolz auf die neue Sehenswürdigkeit im Zentrum der gut 3200 Einwohner zählenden Gemeinde nicht zu übersehen. Dr. Lucyna Harc von der Universität Breslau präsentierte in ihrem Vortrag das abwechslungsreiche Leben von Worbs. Demzufolge sei er ein herzensguter, geradliniger Mann gewesen, eine Art väterlicher Freund, den man jederzeit um Rat fragen konnte. Die Wissenschaftlerin hat recherchiert, dass der Theologe und Historiker im Jahr 1818 als Superintendent von Sagan und der preußischen Oberlausitz berufen wurde und ein Gehalt von 200 Reichstalern im Jahr bezog.

Bereits im Jahr 1790 war der Priebuser Mitglied der renommierten Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften geworden. Deshalb ließ es sich der heutige Präsident des Gremiums, Dr. Steffen Menzel, nicht nehmen, selbst an der Enthüllung der Gedenkstätte teilzunehmen. Menzel bezeichnete Worbs als "einen der produktivsten Forscher der Region". Davon hätten insbesondere die Niederlausitz und Niederschlesien erheblich profitiert.

Nach Angaben von Erich Schulze gibt es auf der deutschen Seite bislang keine Stätte der Erinnerung an Johann Gottlieb Worbs. Zumindest in der Lausitz westlich der Neiße gebe es derzeit nicht eine Straße, die nach dem Kirchenmann und Heimathistoriker benannt sei, geschweige denn eine entsprechende Tafel.