Von Regina Weiß

Die Mitarbeiter vom Bauamt in Schleife sind universell einsetzbar – als Reiseführer geben sie eine echt gute Figur ab. Dafür haben sie Samstag beim Baustellentourismus den Beweis angetreten. Die Tour führt über viele Flure, in zahllose Zimmer, von Mensa, über Grund- in die Oberschule, von dort in die Turnhalle und an den Rand des Sportplatzes. Und überall haben sie die passenden Informationen parat. Da wird ein Baustellenrundgang alles andere als langweilig.

Wanda und Stella Beesdo sind schon früh da. Die neunjährigen Schwestern sind gemeinsam mit den Großeltern vor Ort, um sich die neue Schule anzusehen. Die Mädchen geben zu, ganz neugierig zu sein. Schließlich werden sie mit ihrer Grundschule in den Neubau umziehen. Sport und Kunst sind die Lieblingsfächer der Drittklässlerinnen. Für beides gibt es in dem neuen Komplex viel Platz. Allein in der Grundschule sind es acht Klassen- und vier Gruppenräume. In der Oberschule sieht es noch besser aus. Hier entstehen zwölf Klassenräume, zwei Informatikkabinette, Chemie-, Biologie und Physikräume, eine Lehrküche, Fachräume für Technik und textiles Gestalten. Hinzu kommen Töpferwerkstatt und Bibliothek. Die Zweifeld-Turnhalle hat eine Sportfläche von 1160 Quadratmeter. Zudem können 199 Zuschauer Platz finden, wenn hier beispielsweise die Handballer von Lok Schleife zum Heimspiel auflaufen. Auf der 400-Meter-Bahn kann man draußen rund um den Kunstrasenplatz seine Bahnen drehen.

So mancher Besucher kommt beim Rundgang aus dem Staunen nicht mehr raus. Sicherlich auch darüber, welche Anforderungen der Gesetzgeber für ein solches Millionen-Projekt aufmacht. So muss das Gebäude nicht nur behindertengerecht sein, sondern auch beim Thema Inklusion Zeichen setzen. Zeichen setzt es auch bei der großzügigen Raumaufteilung, dem gelb-grünen Farbkonzept, das sich durch das gesamte Haus zieht, und den modernen Linien.

Bert Hoffmann, Geschäftsführer von Generalplaner Bauconzept, hat den Bau genau vor sich gesehen, erklärt er auf Nachfrage am Samstag. Außerdem sei er schon stolz, an so einem besonderen Bauprojekt mitwirken zu können. Mitgewirkt haben neben den Vertretern der Gemeinde auch Lehrer und Horterzieher. „So manches konnte in der täglichen Arbeit angepasst werden. Für manches gab es Kompromisse“, so Bauamtsleiter Steffen Seidlich. Ein Beispiel sind die Hortplätze. Mit 100 war man in die Planung gegangen. Nun werden 120 entstehen. Dieser Bereich nimmt ein ganzes Geschoss ein. Bei der Grundschule hat man mit 220 Schülern, bei der Oberschule mit 250 geplant. Damit haben die Schleifer Luft nach oben, denn diese Zahlen sind noch nicht erreicht. Also auch für Enna? „Sie ist ja erst fünf Monate alt“, lacht Mutti Michelle Friem. Sie stammt aus Trebendorf und ist jetzt in Spremberg zu Hause. Auch sie will sich die Schule ansehen, um mit ihrer ehemaligen vergleichen zu können. Wie viele andere auch, die sich geduldig in die jeweiligen Gruppen einteilen lassen. Bürgermeister Reinhard Bork (parteilos) sieht bestätigt, warum man diesen Tag der offenen Baustelle organisiert hat: Es gibt es großes Interesse für dieses in der Region einmalige Bauprojekt.

Eine Zahl interessiert die Besucher sehr: Was kostet der Bau? Die Baukosten belaufen sich auf 24 Millionen. Mit Lärmschutzwand, Sachverständigen- und Prüfleistungen werde man am Ende bei rund 26 Millionen Euro ankommen, erklärt Steffen Seidlich. Davon sind 8,6 Millionen Euro Fördermittel des Freistaates. Allerdings auch ein komplexes und bürokratisches Thema, muss doch das Geld auf Grund-, Oberschule und Turnhalle verteilt werden. Schon jetzt wissen die Schleifer, dass sich der Landesrechnungshof das Ganze in ein paar Jahren unter die Lupe nehmen wird. Da heißt es beim Schulbau wie in der Schulzeit: Genau aufpassen, um kein Lehrgeld bezahlen zu müssen.