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| 18:28 Uhr

Desaster in Weißwasser
Status 6 beim Katastrophenschutz

Hier zeigt Katastrophenschützer Jan Bauer (hinten) den Politikern Albrecht Pallas (l.) und Thomas Baum die viel zu engen Garagen.
Hier zeigt Katastrophenschützer Jan Bauer (hinten) den Politikern Albrecht Pallas (l.) und Thomas Baum die viel zu engen Garagen. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Weißwasser. Die Retter in Weißwasser wollen mit den ehrenamtlichen Einsatzkräften der Feuerwehr gleichgestellt werden. Doch ihre materiellen und räumlichen Bedingungen sind weit davon entfernt. Von Torsten Richter-Zippack

Eigentlich, so sagt Maik Warich, Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Weißwasser des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), ist das Domizil der örtlichen Katastrophenschützer nicht vorzeigbar. Doch der Kreisverband hat sich jetzt an die sächsischen Landtagsabgeordneten Thomas Baum und Albrecht Pallas (SPD) gewendet. Was sie dort zu sehen bekommen, macht beroffen.

„Unsere Räumlichkeiten sind in einem katastrophalen Zustand“, fasst Maik Warich zusammen. Die Garagen sind zu eng und zu niedrig. Ein Lkw ist nicht mehr fahrbereit. Zwar soll bald ein Nachfolger anrollen, doch damit folgt das nächste Problem. „Der darf nur mit dem Lkw-Führerschein gefahren werden. Und um diesen unseren Mitgliedern zu finanzieren, ist viel Geld erforderlich. Dabei sind wir alle Ehrenamtler“, erklärt DRK-Kreisbereitschaftsleiter Jan Bauer.

Eigentlich sollen die Katastrophenschützer im Ernstfall die Versorgung der Retter übernehmen. Doch ein Teil der Vorräte haben die Ratten aufgefressen. Durch die löchrige Decke dringen die Schädlinge ins marode Gebäude ein. Die Versorgung für die Helfer werde inzwischen im Supermarkt eingekauft.

In weiteren Domizilen der Katastrophenschützer der Region sieht es kaum anders aus. Inzwischen haben sich die Protagonisten von DRK, Johannitern, Maltesern, Arbeiter-Samariter-Bund und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)  zusammengetan, um mit einer Stimme auf diese Missstände hinzuweisen. „#status 6“ nennt sich diese Initiative. Der Begriff stammt aus der Funktechnik und bedeutet „nicht einsatzbereit“. Konkret handelt es sich um eine Petition zur Helfergleichstellung in Sachsen. Hauptforderung ist die juristische Gleichstellung der ehrenamtlichen Helfer der Hilfsorganisationen gegenüber den Kameraden der Feuerwehr. Darüber hinaus geht es um ein Investitionsprogramm zur Schaffung geeigneter Gebäude, in denen Mensch und Material untergebracht werden sowie um eine Anpassung der Fördersätze zur Unterhaltung der Katastrophenschutzeinheiten.

Nach Angaben von Alexander Bertram, Sprecher des sächsischen Innenministeriums, ist die von „#status 6“ geforderte Gleichstellung bereits per Gesetz vorhanden. Demzufolge dürfen Katastrophenschutzhelfern aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit keine beruflichen Nachteile entstehen. Für Zeiten der Freistellung müsse der Arbeitgeber das Entgelt fortzahlen. Dieser wiederum könne sich diese Summe auf Antrag von den Trägern der Katastrophenschutzeinrichtungen zurückholen. Allerdings trete der gesetzliche Anspruch auf Arbeitsfreistellung für Katastrophenschutzhelfer nur bei vom Landrat ausgerufenen Katastrophen in Kraft, nicht jedoch für Hilfen bei Verkehrsunfällen und ähnlichem. „Eine Änderung dieser Regelung ist nicht vorgesehen“, stellt Alexander Bertram klar.

Indes hat die Landesregierung die ursprünglich für das Haushaltsjahr 2017 avisierten vier Millionen Euro für den Katastrophenschutz auf insgesamt 8,7 Millionen Euro aufgestockt. Für den Doppelhaushalt 2019/2020 soll die Förderrichtlinie geändert und einzelne Sätze erhöht werden.

Der Landkreis Görlitz bezeichnet die materielle und technische Ausstattung der Katastrophenschützer als zufriedenstellend, wie Sprecherin Julia Bjar informiert. Die Behörde fordert aber eine Förderrichtlinie „Investive Maßnahmen Katastrophenschutz“, analog der Förderrichtlinie Feuerwehrwesen. „Der Landkreis Görlitz selbst wird in Bezug auf den Standort Weißwasser entsprechende Räume für die Helfer vorerst in eigenen Liegenschaften sicherstellen. Dazu laufen vorbereitende Maßnahmen“, kündigt Bjar an.

Die Weißwasseraner Katastrophenschützer wissen die Landtagsabgeordneten Thomas Baum und Albrecht Pallas auf ihrer Seite: „Ich denke, dass es im Landtag eine breite Mehrheit für positive Veränderungen geben müsste“, prognostiziert Pallas.