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| 12:22 Uhr

Biosphärenreservat
Naturschützerin: „Der Wolf ist nicht unser größtes Problem“

 Zahlreiche Besucher erfreuten sich beim Lämmertag an den possierlichen wolligen Vierbeinern.
Zahlreiche Besucher erfreuten sich beim Lämmertag an den possierlichen wolligen Vierbeinern. FOTO: Uwe Menschner
Förstgen. Ein halbes Jahr nach der Aufsehen erregenden Attacke hat der Förderverein Natur zum Lämmertag nach Förstgen eingeladen. Trotz schwieriger Umstände engagiert er sich unvermindert für die Landschaftspflege. Von Uwe Menschner

Schafe sind manchmal auch nur Menschen. Wenn es ihnen zu warm wird, suchen sie sich ein kühles Fleckchen. Beispielsweise an der steinernen Außenwand ihres Stalls. Dann kann es schon einmal passieren, dass sieben oder acht von ihnen aufgereiht liegen wie Perlen an einer Schnur, die Stirn an das angenehm temperierte Mauerwerk gelehnt.

Solche und ähnliche überraschende Einblicke in das Leben der wolligen Vierbeiner bietet der alljährliche Lämmertag im Schafstall des Fördervereins „Natur in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ in Förstgen (Gemeinde Mücka). Mehrere Hundert Besucher nutzten das frühsommerliche Wetter zu einem ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Abstecher in die vom Menschen gehegte Natur.

Dass es im Stall nicht ganz so voll war wie in den Vorjahren lag also definitiv nicht an den zweibeinigen Besuchern. „Wir haben in diesem Jahr 150 Lämmer, das ist weniger als sonst, und gar keine jungen Zicklein“, erklärte die Vorsitzende des Fördervereins, Annett Hertweck. Noch immer wirkt sich die Wolfsattacke vom August 2018 aus, der mehr als 60 Schafe und Ziegen – bei letzteren alle potenziellen Mütter – zum Opfer fielen. Immerhin löste dieser Vorfall eine Welle der Hilfsbereitschaft aus: Mehrere Spender stellten dem Förderverein neue Tiere zur Verfügung. Aus Eilsleben in Sachsen-Anhalt konnte er gar eine ganze kleine Herde von 35 Tieren erwerben. „Die Anzahl der Lämmer ist schon ganz okay“, resümiert so Annett Hertweck.

Überhaupt, so betont die Vereinsvorsitzende, ist trotz der großen Aufmerksamkeit, die der Übergriff vom Vorjahr auch überregional fand, der Wolf „keineswegs unser größtes Problem.“ Viel schwerer wiegen nach ihren Worten die Verluste durch die Übergabe von Flächen an die Deutsche Bahn, die diese zum Zwecke von Ausgleichsmaßnahmen für den Ausbau der Niederschlesischen Magistrale nutzt. „Es handelt sich um 140 Hektar, die uns für die Beweidung mit unseren Schafen nicht mehr zur Verfügung stehen“, so Annett Hertweck. Im Sinne der Landschaftspflege ein herber Rückschlag, erfolgt doch die Bewirtschaftung jetzt maschinell. Insgesamt ist die Zahl der Schafe und Ziegen beim Förderverein in den letzten Jahren von etwa 800 auf 500 zurückgegangen.

Immerhin sollen die im Freien weidenden Tiere künftig besser geschützt werden: „Wir wollen beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ein Projekt beantragen, in dessen Rahmen wir Nachtpferche bauen – also kleine Schutzbehausungen“, so Annett Hertweck. Gegenwärtig bereitet ihr auch die schon wieder überhand nehmende Trockenheit Sorgen, die sich dramatisch auf die Futterversorgung auswirken könnte.

Doch dreht sich die Arbeit des Fördervereins für die Natur im Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ nicht nur um Schafe und Ziegen.

Auch Amphibien stehen im Fokus – besonders im Frühjahr, wenn Frösche, Kröten, Unken und Molche im Liebestaumel durch die Natur kriechen und sich dabei nicht um von Menschenhand errichtete Hindernisse scheren. Dies wiederum kann ihnen schnell zum Verhängnis werden, wenn es sich dabei um Straßen handelt. Um das Schlimmste zu verhindern, stellt der Förderverein Fangzäune an besonders gefährlichen Streckenabschnitten auf, von wo aus die Tiere regelmäßig über die Straße getragen werden. „Doch vorher haben wir genau aufgeschrieben, was wir wo gefunden haben“, berichtet Willi. Der Görlitzer Schüler war Teilnehmer am diesjährigen Amphibiencamp, wo Kinder aus der Region viel Wissenswertes über die Grenzgänger zwischen Land und Wasser erfahren und ihre Erkenntnisse beim Lämmertag vorstellen konnten. „Die Ausbeute war ziemlich mager“, weiß Willi. Sicher auch eine Folge der Bedingungen, die für aufs Wasser angewiesene Lebewesen immer schwieriger werden.