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Traumzauber
Klein, fein, gemütlich und familiär

Der Weihnachtsmann alias Ulli Teichert bei seinem Rundgang über den Markt. Immer wieder blieb der Rotmantel bei den Eltern mit ihren Kindern stehen und schüttelte die Hände der Kleinen.
Der Weihnachtsmann alias Ulli Teichert bei seinem Rundgang über den Markt. Immer wieder blieb der Rotmantel bei den Eltern mit ihren Kindern stehen und schüttelte die Hände der Kleinen. FOTO: Ingolf Tschätsch
Weisswasser. Die 6. Auflage der Traumzauber-Weihnacht wurde wieder von den Weißwasseranern und ihren Gästen gut angenommen. Verärgert sind die Organisatoren über das Fernsehen und die unfaire Bewertung der Veranstaltung. Von Ingolf Tschätsch

Auf der Bühne legen die „Tanzmäuse“ vom Verein Theater Weißwasser Moment-Mal unter Anleitung von Sylvana Hallwas los. Noch vor Minuten wirkte der Marktplatz an diesem Sonnabendnachmittag etwas verwaist. Doch jetzt drängen sich Mütter, Väter, Omas und Opas der kleinen Akteure sowie andere Besucher vorn an der Bühne, um etwas zu sehen. Smartphones werden hochgehalten, um einen Schnappschuss zu erhaschen. Gelungener Auftakt für den Tag drei der 6. Auflage der Traumzauber-Weihnacht in der Großen Kreisstadt.

Nach den „Tanzmäusen“ sind die „Dance rats“ an der Reihe. „Das sind die Tanz-Ratten, unsere älteren ,Tanzmäuse´“, erklärt Sylvana Hallwas der RUNDSCHAU.

Mit zunehmender Dunkelheit kommt das vorweihnachtliche Fluidum mit den beleuchteten Buden, den Lichterketten und dem mehrfarbig angestrahlten Rathaus richtig zur Geltung. Es wird Zeit für die wichtigste Person eines solchen Events. Und richtig, da ist er auch schon – der Weihnachtsmann. Mit der Waldeisenbahn ist er aus dem Märchenwald bei Kromlau geholt worden. Unter dem dicken roten Mantel und dem mit langem weißen Bart umrahmten Gesicht verbirgt sich jemand, den Weißwasser kennt – Ulli Teichert. Er ist einer der Ehrenamtlichen, ohne die solche Veranstaltungen undenkbar wären. Im Nu hat er die Herzen der Kinder erobert, bahnt sich den Weg durch die Menge, schüttelt hier und da den Kleinen die Hand. Später verteilt er an sie kleine Geschenke, nachdem sie ihm ein Gedicht vorgetragen oder ein Lied gesungen haben.

Über den Platz läuft Timo Schutza. Er wirkt geschäftig, angespannt. Als Chef des Soziokulturellen Zentrums (SKZ) Telux , das unter dem Dach des Stadtvereins agiert, und der Hauptorganisator ist, hat er alle Hände voll zu tun. Vom bisherigen Verlauf der Veranstaltung zeigt er sich zufrieden. Doch etwas ärgert ihn. „Gestern war das MDR-Fernsehen hier, um Weihnachtsmärkte in Sachsen zu bewerten. Die haben noch vor dem offiziellen Beginn gedreht, wo natürlich noch nichts los war. Dementsprechend negativ fiel auch das Urteil aus“, sagt er frustriert.

Auf der Bühne hat eine Neuheit der diesjährigen Traumzauber-Weihnacht begonnen. Ein Schulwettbewerb: Wer kann am schönsten und schnellsten einen Weihnachtsbaum schmücken? Heute ist die Geschwister-Scholl-Grundschule an der Reihe. „Wir treten mit zwölf Kindern der Klassen 1 bis 4 an. Die Dekoration zum Schmücken haben wir an der Schule gebastelt“, erklärt Lehrerin Petra Proske. Mit ihrer Kollegin Kathrin Miesner feuert sie ihre Schützlinge an. Aufmerksame Beobachter des Wettkampfes sind SKZ-Praktikantin Saskia Hördler und Mitarbeiter Maik Kutschke. Die beiden waren laut Timo Schutza mit den Planungen des Programms betraut und haben ihre Sache ausgezeichnet gemacht. Nach elf Minuten sind beide Kiefern geschmückt. Ob es für die Scholl-Schule zum Sieg gereicht hat, wird bei der Auswertung zum Abschluss der Traumzauber-Weihnacht verkündet.

Zu den Akteuren eben gehörte auch Julius Richter. „Ein Junge putzt einen Weihnachtsbaum, machst Du das auch zu Hause?“, will die RUNDSCHAU von ihm wissen. „Nein“, sagt der Drittklässler und fügt aber hinzu, dass ihm die Sache Spaß gemacht habe.

Saskia Hördler sagt den nächsten Höhepunkt an. Der Varieté-Circus Rolandos mit dem Märchen „Das Mädchen aus dem Indianerland“. Brennende Fackeln auf der Bühne, ein Lasso und vier Akteure in der Kleidung der amerikanischen Ureinwohner. Und wieder dichtes Besuchergewimmel. Auch Madeleine Schurmann gehört dazu. „Ich bin mit meinem fünfjährigen Sohn Nikola und meiner Mutti schon ein gutes Stündchen über den Markt geschlendert. Er ist klein, aber fein und gemütlich – gerade etwas für Familien mit Kindern. Wir sind jedes Jahr hier. Den Auftritt der Rolandes dürfen wir nicht verpassen. Ein Muss für uns“, sagt die Weißwasseranerin. „Die großen Weihnachtsmärkte wie in Dresden sind nichts für Kinder, zu viele Menschen und Stände. Die Kleinen werden mehr oder weniger nur durch die Menge gezogen. Hier ist das anders“, sagt ihre Mutter.

Im Rathaus gibt es noch eine Bastelstraße und eine Lesezeit von Kindern für Kinder sowie später auf der Bühne ein Abendprogramm mit moderner, rockiger Musik. Der vorletzte Tag der Traumzauber-Weihnacht in Weißwasser – sehens- und hörenswert.

Die "Dance rats" (vorn) und die Tanzmäuse vom Theater Weißwasser Moment-Mal bei ihrem Auftritt.
Die "Dance rats" (vorn) und die Tanzmäuse vom Theater Weißwasser Moment-Mal bei ihrem Auftritt. FOTO: Ingolf Tschätsch
Der Variete-Circus Rolandos führte das Märchen "Das Mädchen aus dem Indianerland" auf.
Der Variete-Circus Rolandos führte das Märchen "Das Mädchen aus dem Indianerland" auf. FOTO: Ingolf Tschätsch