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Der verschwundene Ort taucht wieder auf

Weißwasser. „Tränke – Ein kleines, nicht unbedeutendes Heidedorf in den Wäldern der nördlichen Oberlausitz“ lautet der Titel des neuesten Buches aus der Feder des Weißwasseraner Autors Lutz Stucka. Denn genau vor genau 50 Jahren ist dieser Ort von den Landkarten verschwunden. Eine Spurensuche. Von Torsten Richter

. Viel gibt es heute nicht mehr, was von Tränke übrig geblieben ist. Ein paar Mauern, uralte Bäume und das verlorene Wasser erinnern an das gewesene Dorf. Ohnehin ist der frühere Ort für die Bevölkerung tabu - Sperrgebiet. Mittlerweile sind 50 Jahre ins Land gegangen. Damals wurde Tränke für den Truppenübungsplatz Nochten aufgelöst. So fahren heute mehr Panzer die Alte Rothenburger Straße, einst Hauptverkehrsader des Ortes, entlang, als sich Menschen dort aufhalten.

Lutz Stucka hat sich schon immer für Tränke interessiert. Bereits in den 1970er-Jahren erkundete der Weißwasseraner Heimatforscher die Überreste des einstigen Heidedorfes. Über lange Zeit recherchierte er. Viel ist es nicht, was die Quellenlage in der Literatur und in den Archiven über Tränke hergibt. Glücklicherweise gab es ehemalige Einwohner, deren Erinnerungen der Autor in seinen Notizblock schrieb - und die diese Zeit überdauerten.

172 Seiten Wissen

Jetzt hat Lutz Stucka sein zusammengetragenes Wissen auf 172 Seiten im "Tränke-Buch" veröffentlicht. Er beschreibt die Lage des Ortes tief im Südosten der Muskauer Heide, dessen Anfänge sowie die Entwicklung. Die Leser erfahren, warum sich Vogtländer in Tränke niederließen, wie die großen Wälder den Menschen halfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und dass es im Dorf sogar eine eigene Schule gab.

Auch unglaubliche Geschichten aus den Anfangstagen des Ortes hat Stucka in seinem Buch festgehalten. So sollte Tränke in den 1930er-Jahren sogar einen Autobahnanschluss erhalten. Geplant war eine Querverbindung zwischen den Autobahnen Berlin - Breslau und Dresden - Görlitz. Der Autor hat sogar ein Foto organisiert, auf dem ein für die Autobahn gerodeter Waldstreifen zu sehen ist.

Wer im Buch stöbert, erlebt, wie einfach die Menschen in Tränke gelebt haben. Und dennoch waren sie zufrieden. Der Waldreichtum und die Stille bildeten ihre Reichtümer. Doch zu DDR-Zeiten war es mit dieser Ruhe vorbei. "Tränke braucht Licht" hieß eine Aktion, bei der im Jahr 1950 eine Stromleitung mit 32 Masten von Walddorf über den Birkberg errichtet wurde, wie Stucka schreibt. In Tränke selbst entstand ein Transformatorenhäuschen.

Lange Freude hatten die Einwohner an ihrem Strom jedoch nicht. So wurde der Ort im Jahr 1962 für den Truppenübungsplatz Nochten aufgelöst. Der Räumungstermin stand auch schon fest. Es war Dienstag, der 26. Juni 1962, an dem 30 Familien mit 116 Menschen umziehen mussten.

Im Jahr 1968 diente der Ort als Filmkulisse für den DDR-Streifen "Die Abenteuer des Werner Holt" mit Klaus-Peter Thiele in der Hauptrolle. Dort kam Tränke die Rolle einer deutschen Kleinstadt im Frühjahr 1945 zu. Anschließend wandelte sich die Siedlung gänzlich zur Wüstung.

Jetzt taucht der Ort in Lutz Stuckas Buch wieder auf. Das Werk ist im Cottbuser Regia-Verlag erschienen und seit Freitag im Handel. Es kostet zwölf Euro. Am 26. Februar wird der Autor sein Tränke-Buch ab 10 Uhr auf dem Rietschener Erlichthof präsentieren. Dort besteht auch die Möglichkeit der Signierung.

Der Weißwasseraner Lutz Stucka veröffentlicht erstes Buch über Tränke. Fotos: trt1
Der Weißwasseraner Lutz Stucka veröffentlicht erstes Buch über Tränke. Fotos: trt1