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Ein Fluss zieht um
Der Schöps ist angekommen

Der Weiße Schöps in Rietschen (Sachsen), aufgenommen am 02.11.2015. Mit der Übergabe der letzten neugebauten 5,4 Flusskilometer vom Bergbauunternehmen LEAG an die Landestalsperrenverwaltung ist nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit die aktuell Flussrenaturierung abgeschlossen. Foto: LEAG/dpa
Der Weiße Schöps in Rietschen (Sachsen), aufgenommen am 02.11.2015. Mit der Übergabe der letzten neugebauten 5,4 Flusskilometer vom Bergbauunternehmen LEAG an die Landestalsperrenverwaltung ist nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit die aktuell Flussrenaturierung abgeschlossen. Foto: LEAG/dpa FOTO: --- / dpa
Rietschen. Das aktuell größte Flussrenaturierungsprojekt Deutschlands ist seit Donnerstag offiziell abgeschlossen. Von Regina Weiß

Der letzte Betriebsausflug der Boxberger Gemeindeverwaltung hat sie entlang des Schöpses geführt. Alle Teilnehmer seien des Lobes voll gewesen über das neue Flussbett. „Ich glaube auch, dass es eine zukunftsfähige Lösung ist. Obwohl ich nicht hoffen will, dass wir wirklich mal so ein starkes Hochwasser bekommen, für das der Schöps ausgelegt ist“, sagt Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU).

„Schade, dass diese Baustelle vorbei ist. Muss ich echt sagen“, so Rietschens Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos). Ein gutes Miteinander habe die Arbeiten in all den Jahren ausgezeichnet. „Egal, ob Bürgersorgen oder Anliegen der Gemeinde, es wurde alles ernst genommen“, so Brehmer. Und was entstanden ist, sei toll. „Bergbau kann auch sensibel sein.“

Es sind zwei Stimmen einer Lobeshymne, die am Donnerstag im Scheunencafé im Erlichthof Rietschen auf das größte Flussrenaturierungsprojekt in Deutschland angestimmt wird. Mit der Übergabe des 5,4 Kilometer langen Neubauabschnitt des Weißen Schöpses aus der Verantwortung der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag) an die Landestalsperrenverwaltung und damit den Freistaat Sachsen wird das Mammutprojekt offiziell beendet. Das i-Tüpfelchen: Es blieb übrigens im Zeit- und Budgetplan, wobei eine konkrete Investitionssumme nicht genannt wurde. Für Dietrich Gökelmann, Präsident der Landesdirektion Sachsen, die Steilvorlage für eine Spitze: „Wir zwei sollten mal gemeinsam nach Berlin fahren und denen einen Tipp geben, wie man mit Großbaumaßnahmen auch umgehen kann.“

Reisepartner sollte Leag-Vorstand Uwe Grosser sein. Dieser bedankte sich bei allen Partnern für die gute Zusammenarbeit. „Wir haben gemeinsam nicht nur Spuren hinterlassen, sondern eine neue Landschaft. Ein Projekt mit einer ganz eigenen Handschrift, einer ganz besonderen Geschichte, ist in den wesentlichen Punkten zum Abschluss gebracht worden.“

Ein Fluss, der mehrfach umgezogen ist und im wahrsten Sinne des Wortes eine bewegte Zeit hinter sich hat, sei angekommen. Davon zeugen nicht nur die ersten Eisvögel, die sich dort niedergelassen haben, sondern sein ganzes Erscheinungsbild. Wüsste man es nicht besser, würde man denken, der Fluss war schon immer da, wo er jetzt ist. „Der Fluss kommt zurück zu seiner Natürlichkeit. Ein Ergebnis, dass sich sehen lassen kann und das für den Freistaat Sachsen einmalig ist“, so Gökelmann.

Kein Wunder also, das Heinz Gräfe, der Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung (LTV), nur noch sagen kann: „Sie sehen heute einen glücklichen Übernehmer. Es wird ja auch schließlich nicht jeden Tag ein Fluss übergeben.“ Sebastian Fritze, Betriebsleiter Spree-Neiße, hofft, dass das Projekt Schöps Schule macht, wenn es um andere Flussvorhaben oder gar die Forschung geht.

Eine lächelt während dieser ganzen Reden still vor sich hin: Corina Fiskal, die Projektleiterin der Leag. Für ihren Schöps hat sie sogar einen Muttizettel gemacht, den sie der LTV mit auf den Weg geben will, hatte sie der RUNDSCHAU jüngst verraten. Auch wenn die Zeit des Bauens nun ein Ende hat, hält sie dem Fluss die Treue. Bis 2030 läuft das Monitoring für das Gewässer zwischen Rietschen und Kringelsdorf noch, wo alles begutachtet wird.

Übrigens war die Projektleitung für den Flussumzug die ganze Zeit in reiner Frauenhand. „Sie waren ein Segen für die Baustelle“, steht für Ralf Brehmer beim Abschluss außer Frage.

Ein Bild und ein Schlüssel nehmen LTV-Betriebsleiter Sebastian Fritze und Projektgruppenleiter Bau Daniel Steinmüller bei der Übernahme entgegen.
Ein Bild und ein Schlüssel nehmen LTV-Betriebsleiter Sebastian Fritze und Projektgruppenleiter Bau Daniel Steinmüller bei der Übernahme entgegen. FOTO: Regina Weiß
Sie führte das Frauenprojektteam für den Schöps: Corina Fiskal.
Sie führte das Frauenprojektteam für den Schöps: Corina Fiskal. FOTO: Regina Weiß
Die Neubaustrecke des Schöpses im Bereich Altliebel aufgenommen im Oktober 2017 bei einem erhöhten Wasserstand. Es sieht aus, als war der Fluss schon immer an dieser Stelle.
Die Neubaustrecke des Schöpses im Bereich Altliebel aufgenommen im Oktober 2017 bei einem erhöhten Wasserstand. Es sieht aus, als war der Fluss schon immer an dieser Stelle. FOTO: Leag