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Der Schatz bleibt verschwunden

Die sagenumwobene Lindenallee vom Schlangenberg zum einstigen Schloss. Legenden sagen: Hier muss noch ein Schatz sein.
Die sagenumwobene Lindenallee vom Schlangenberg zum einstigen Schloss. Legenden sagen: Hier muss noch ein Schatz sein. FOTO: amz
Weißkollm. Bereits in der Schule lernt jedes Kind der Region, dass die Gegend um Hoyerswerda zum Oberlausitzer Tiefland gehört. Das ist grundsätzlich richtig, doch präsentiert sich die Landschaft gerade südöstlich der Elsterstadt bewegter. amz

Wer auf der Staatsstraße 108 von Hoyerswerda nach Lohsa unterwegs ist, muss durch Weißkollm. Unweit der Brücke der Bahntrasse Spremberg - Hoyerswerda beginnt südlich des Asphaltbandes eine Art "Minigebirge". Zudem ist ein Geheimnis weiterhin unentdeckt: Gibt es den Schatz aus dem versunkenen Schloss?

Das Mini-Gebirge trägt verschiedene Bezeichnungen. Im Westen befindet sich Bläschesberg. Dieser hat seinen Namen nach der Weißkollmer Familie Bläsche. Dem Hügel schließt sich in südöstlicher Richtung der Schlangenberg an. Mit den Reptilien dürfte diese Erhebung allerdings weniger etwas zu tun haben. Vielmehr geht die Bezeichnung auf den lang gestreckten schlangenförmigen Verlauf zurück.

Die Staatsstraße 108 verläuft im Großen und Ganzen parallel zu den Hügeln, kommt ihnen in Höhe des Weißkollmer Sportplatzes sehr nahe. Dort geht es von der Straße südwärts für Mittellausitzer Verhältnisse ziemlich steil bergauf. Oben liegt die ehemalige Weißkollmer Grundschule.

Das "Minigebirge" besteht in Wirklichkeit allerdings nicht aus Stein und Fels, sondern aus schlichtem Sand. Schließlich handelt es sich um Wanderdünen, die sich nach der jüngsten Eiszeit gebildet haben. Die Höhen präsentieren sich daher auch nicht so spektakulär. So beläuft sich der Geländeunterschied zum nahen Tal der Kleinen Spree auf nicht mal 20 Meter. Beim Bläschesberg befindet sich mit knapp 138 Metern über Normalnull eine der höchsten Erhebungen dieses Dünenzuges.

Noch vor 85 bis 90 Jahren konnten die Weißkollmer von ihren Dünen relativ weite Ausblicke genießen. Das ist heute kaum mehr möglich. Schließlich werden die Hügel von bisweilen dichten Kiefernmischwäldern bedeckt. Für "Gipfelstürmer" gibt es aber sogar einen Kammweg über den Schlangenberg. Übrigens beginnt in der Nähe auch der südliche Eingang der Lindenallee, die zum früheren Weißkollmer Schlossensemble führt.

In vergangener Zeit, so berichtet Schulrat Scholz in seinem im Jahr 1925 herausgegebenen Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda, soll das Dorf direkt am Fuß des Schlangenberges gestanden haben. Durch eine Feuersbrunst wurde der Standort ein Stück weit näher an die Kleine Spree herangeschoben.

Bis heute geistern in Weißkollm uralte Geschichten herum, dass unter mehreren Bäumen in der besagten Lindenallee Schätze aus dem versunkenen Schloss vergraben sein sollen. Fakt ist jedenfalls, dass es bis heute in unmittelbarer Nähe des alten Weißkollmer Bahnhofes den Forstort "Versunkenes Schloss" gibt. Darüber hinaus wird erzählt, dass einst ein Mann in der Lindenallee nach dem Schatz gegraben hatte, plötzlich aber mit der Arbeit aufhörte, weil ein starker Sturm einsetzte. Noch lange soll man, so Schulrat Scholz, die Spuren seines Spatens gesehen haben. Ein Schatz wurde bis heute nicht gefunden. Dafür lädt das Ferienhaus "Zum Schlangenberg" ein.

Ein weiteres "Minigebirge" existiert übrigens nördlich von Weißkollm. Dieses ist allerdings erst ein paar Jahrzehnte alt. Es handelt sich um die Absetzerkippe des Tagebaus Lohsa II. An deren Hängen befinden sich durch Wind und Wetter geprägte, weitgehend von Pflanzenwuchs freie Hänge. Diese sind den Einheimischen unter der Bezeichnung "Weißkollmer Schweiz" bekannt. Wer dorthin will, braucht allerdings einen ortskundigen Führer oder eine sehr detailreiche Karte. Schließlich handelt es sich um einen der abgelegensten Flecken des Lausitzer Seenlandes.