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| 01:03 Uhr

Der Protestgedanke einte die Weißwasseraner Lehrerschaft

Warnstreik gestern auch an der 1. Mittelschule.
Warnstreik gestern auch an der 1. Mittelschule. FOTO: André Kurtas
Weißwasser.. In den Klassenzimmern von vier Bildungseinrichtungen der Großen Kreisstadt herrschte gestern in den ersten Unterrichtsstunden weitgehend Leere. Die 1., die 2. und die 5. Mittelschule sowie das Landau-Gymnasium beteiligten sich an Warnstreiks gegen die Bildungspolitik des Freistaates. Ingolf Tschätsch

Zwischen 80 und 90 Pädagogen waren es, wie die RUNDSCHAU erfuhr, die dem Aufruf ihrer gewerkschaftlichen Interessenvertreter gefolgt waren, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.
Gegen 7.30 Uhr an der Bruno-Bürgel-Mittelschule. Nur wenige Mädchen und Jungen sind es, die dem Gebäude zustreben, obwohl um 7.45 Uhr eigentlich der Unterricht beginnt. An diesem Tag ist jedoch alles anders - Warnstreik! Zwei Lehrer beteiligen sich nicht an der Aktion. Sie unterrichten jene Schüler, die zu dieser Stunde auf dem Schulhof oder vor der Eingangstür warten. Es dauert nicht lange und die Pädagogen tragen Aufsteller und Plakate mit Losungen hinaus vor die Schule auf den Platz an der Lutherstraße. Erregte Debatten über die verfehlte sächsische Bildungspolitik, wie die Pädagogen sagen, entwickeln sich. Auch Mathe- und Physiklehrer Joachim Wiedner beteiligt sich daran. „Es gibt schon jetzt genügend Unterrichtsausfall, der nicht kompensiert werden kann. Was soll erst dann werden„“ , fragt er besorgt, wobei er an den beabsichtigten Lehrerstellen-Abbau denkt.

Wann Hausaufgaben machen“
„Fahrten mit dem Schulbus von über einer Stunde, wenn Schulen schließen müssen. Ein Unding für die betroffenen Schüler. Wo bleibt ihnen da noch die Zeit für Hausaufgaben und außerunterrichtliche Beschäftigungen?“ , so Joachim Wiedner im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Ein anderer Kollege hakt da ein. Im Bereich des Sports gäbe es an der Mittelschule gute Ansätze bei den Freizeitangeboten für die Schüler. So können sie Volleyball spielen, Leistungsschwächere erhalten eine spezielle Förderung. Dies falle jedoch zukünftig flach, wenn Sachsen seine Kahlschlagpolitik bei der Bildung fortsetzt, ist man sich sicher.
Wenig später stoßen die streikenden Lehrer der 1. und der 5. Mittelschule zur Gruppe der an der Bürgel-Schule Versammelten hinzu. Der Protestgedanke eint an diesem Freitag die Weißwasseraner Lehrerschaft.
Zur gleichen Zeit am Lan dau-Gymnasium. Hier sind es auch Schüler, die gemeinsam mit den Lehrern in den Warnstreik getreten sind. Mit Trillerpfeifen und Fanfaren machen sie ihrem Unmut lautstark Luft, schwenken unmittelbar an der Straße Protestplakate. Eine Losung fällt in der Menge besonders auf: „Der Turm von Pisa wird immer schiefer“ .
Lehrerin Christine Goldstein kann ihre Erregung nicht verbergen: „In letzter Zeit ist durch bestimmte Medien der Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden, es würde um das Geld von uns Lehrern gehen. Es geht uns einzig und allein um das Wohl der Kinder. Halbe Schülerzahlen sind nur halbe Bildung“ , betont sie. Ihre Kollegin Anita Hocke bringt einen anderen Aspekt ins Spiel: „Klassenfahrten werden künftig wegfallen, der gesamte außerschulische Bereich leidet unter den geplanten Sparmaßnahmen. Das zieht eine ganze Kette von Reaktionen nach sich, was manche noch gar nicht sehen. So werden Busunternehmen, mit denen wir bisher Fahrten unternahmen, die negativen Auswirkungen zu spüren bekommen.“

Aufruf an die Bürger
Die streikenden Schulen verständigten sich gestern auf eine weitere Aktion dieser Art am kommenden Dienstag, dem 24. Mai.
Dann will man noch stärker Flagge zeigen und um 8 Uhr an einem zentralen Standort in Weißwasser, dem Boulevard, demonstrieren.
Lehrer, Schüler und Eltern des Landau-Gymnasiums treffen sich dazu um 7.45 Uhr auf dem Schulhof und marschieren anschließend zur Kundgebung auf dem Boulevard. Das Gymnasium ruft die Weißwasseraner dazu auf, die Streikenden bei ihrer Protestaktion zu unterstützen.