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| 15:51 Uhr

Festakt
Fünf auf einen Streich

Aus vier mach neun – die Parkanlagen rücken nicht nur im Festsaal in Bad Muskau zusammen. Die Mitglieder des Europäischen Parkverbundes Lausitz werden am Samstag von den Nachfahren von Brühl und Pückler – Gangolf Graf von Brühl (r.) und Graf Maximilian Pückler-Märker – eingerahmt.
Aus vier mach neun – die Parkanlagen rücken nicht nur im Festsaal in Bad Muskau zusammen. Die Mitglieder des Europäischen Parkverbundes Lausitz werden am Samstag von den Nachfahren von Brühl und Pückler – Gangolf Graf von Brühl (r.) und Graf Maximilian Pückler-Märker – eingerahmt. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Der Europäische Parkverbund Lausitz umfasst jetzt neun Anlagen in Sachsen, Brandenburg und Polen. Die Aufnahme wurde in Bad Muskau gefeiert.

Wer kann schon einer 1020-jährigen Eiche aus dem Muskauer Park Wünsche abschlagen. Nicht mal das hellblaue Einhorn. Nur drei, vier Umdrehungen mit seinem Zeitapparat dauert’s und es tauchen historische Persönlichkeiten im Festsaal von Bad Muskau auf. Da parliert Dorothea von Sagan über ihre vielen Männer; Ursula Katharina von Altenbockum, dass ihr gesamtes Geld in ihren Schlosstürmchen steckt; scharwenzelt Hilde-Maria Anna von Witzleben-Altdöbern über die Bühne und Gartenbauinspektor Georg Eichler aus dem Kromlauer Park schaut nach, ob es der Eiche unten rum – also an Wurzeln – noch gut geht.

 Mit einem Mal sind Personen an einem Platz versammelt, die exemplarisch für die Parkanlagen Zagan (Sagan) und Zatonie (Günthersdorf), Neschwitz, Altdöbern und Kromlau stehen. Die Parks, die seit Samstag nun ganz offiziell zum Europäischen Parkverbund Lausitz von Graf Brühl bis Fürst Pückler gehören.

Fünf auf einen Streich werden in den seit 2010 gegründeten Verbund aufgenommen. Dieser vergrößert sich damit um mehr als 100 Prozent. Denn gegründet hatten ihn die Parkanlagen Branitz, Bad Muskau, der Rosengarten Forst und der Schlosspark Brody (Pförten). Am 16. November 2010 war es gewesen. „Es war damals auch kalt. Aber uns wurde gleich warm um Herz“, so erinnert sich Gert Streidt, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Klar, gebe es Schloss und Park Charlottenburg in Berlin oder Sanssouci in Potsdam, die ausstrahlen. Doch die Lausitz brauche sich diesbezüglich überhaupt nicht zu verstecken. Am Anfang habe die Erkenntnis gestanden, so Streidt, „dass die Lausitz über ein bedeutendes gartenkünstlerisches Erbe verfügt.“ Eines in europäischen Dimensionen. Zudem gab es Personen der Historie, die persönlich Geschichte und Geschichten nicht nur mit ihren Parks geschrieben haben. Nicht von ungefähr trägt deshalb der Verbund die Namen des Grafen von Brühl und des Fürsten von Pückler in seinem Titel. Die Gemeinschaft wurde gegründet, um eine gemeinsame Plattform zu haben, um sich Seite an Seite nach vorn zu bringen. Dass das erfolgreich funktionierte, davon können die Themenjahre und die dazu gehörenden Ausstellungen berichten. Hinzu kamen gemeinsame Förderprojekte. Stolz sei man beispielsweise, dass erst jüngst ein Schmucksarkophag in Brody vollendet werden konnte. „Nun geht es um den Fortgang der Dinge“, so Streidt. Dazu gehört, dass man wächst und dass die genzüberschreitende Kooperation ausgebaut werde. Dass man dazu auch Geld braucht, ist klar. Ein großer Förderantrag wird gestellt. Cottbus setzt sich dabei als Lead-Partner den Hut auf.

Auch Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, denkt, dass in der Erweiterung großes Potenzial steckt. Schließlich boome der Gartentourismus. Schon ist von rund einer Million Besuchern die Rede. Nun werde weiter gemeinsam an einem „nachhaltigen Netzwerk der historischen Gärten gesponnen“. Und diese „denkwürdige Veranstaltung“ passe wahrlich gut, so Panning, in das Europäische Kulturerbejahr, das 2018 begangen wird.

Damit sind sich die alten und neuen Mitglieder eins. „Es ist ganz wichtig, dass wir uns nach außen hin vermarkten, um mehr Touristen in die Region zu holen“, so der Gablenzer Bürgermeister Dietmar Noack (CDU). Er bringt den Kromlauer Park ein.

„Wir freuen und ganz doll“, sagt Katrin Peter, amtierende Amtsdirektorin von Altdöbern, auf die gemeinsame Runde. Ihr ist der Erfahrungsaustausch im Gremium wichtig. „Vielleicht bekommen wir so die Inspiration für ein nachhaltiges Nutzungskonzept.“

„Wir sind im Sinne geeint“, setzt Gerd Schuster (CDU), Bürgermeister von Neschwitz, auf die künftige Zusammenarbeit.

„In der Einigkeit steckt die Kraft“, ist sich Mariusz Czuba, Vizedirektor des Nationalen Instituts für das kulturelle Erbe der Republik Polen, sicher. Da sei die Neiße nicht etwa das Ende für die Lausitz, sondern genau darin stecke die  neue Perspektive für die Region. „Wir sind alle Lausitzer“, unterstreicht der Pole.

Und vor allem auch Europäer. „Die Mischung der Erinnerungen und die Mischung der Kulturen ist als Stärke der Lausitz zu erleben“, unterstreicht der Berliner Kunstwissenschaftler, Architekturkritiker und Journalist Nikolaus Bernau als Festredner.

Geradezu exemplarisch wird das dann auf der Bühne zelebriert. Alle Parks rücken im wahrsten Wortsinn zusammen. Erst stehen sie Foto an Foto. Auf der Rückseite der großen Bilder finden sich einzelne Silben. Sie zusammen ergeben in Deutsch und in Polnisch Europäischer Parkverbund Lausitz. „Wir halten zusammen, gegen die, die uns trennen wollen“, fasst Cottbus’ Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) zusammen.

Jens Handreck (l.), stellvertretender Bürgermeister von Forst, übergibt Gert Streidt, Direktor Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, ein Geschenk. Über dieses können sich später alle Mitglieder freuen.
Jens Handreck (l.), stellvertretender Bürgermeister von Forst, übergibt Gert Streidt, Direktor Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, ein Geschenk. Über dieses können sich später alle Mitglieder freuen. FOTO: Regina Weiß
Die Schüler der 9. Klasse des Gymnasiums Forst nehmen die Gäste mit auf eine Zeitreise, in der sich alle neu aufgenommenen Anlagen wiederfinden. Dafür gibt es viel Applaus.
Die Schüler der 9. Klasse des Gymnasiums Forst nehmen die Gäste mit auf eine Zeitreise, in der sich alle neu aufgenommenen Anlagen wiederfinden. Dafür gibt es viel Applaus. FOTO: Regina Weiß
Die Kinder der Bad Muskauer Kita Bergpiraten und der Kita Leknica tragen gemeinsam zum Programm des Festaktes bei und legen sich beim Singen mächtig ins Zeug.
Die Kinder der Bad Muskauer Kita Bergpiraten und der Kita Leknica tragen gemeinsam zum Programm des Festaktes bei und legen sich beim Singen mächtig ins Zeug. FOTO: Regina Weiß