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| 09:44 Uhr

Jubilarin in Bad Muskau
Der Musik ein Leben lang treu geblieben

Charlotte Schubert lebt hoch betagt im Kursana Domizil Bad Muskau. Am heutigen Sonnabend wird sie 
105 Jahre alt.
Charlotte Schubert lebt hoch betagt im Kursana Domizil Bad Muskau. Am heutigen Sonnabend wird sie 105 Jahre alt. FOTO: Christian Jungeblodt
Bad Muskau. Charlotte Schubert vom Kursana Domizil Bad Muskau feiert heute ihren 105. Geburtstag und spielt noch selbst ein Ständchen. Von Daniela Kühn

Wer Charlotte Schubert kennt, der weiß, dass sie Volkslieder liebt. Und nicht nur das. Ihre treue Begleiterin ist die Mundharmonika. Auch zu ihrem 105. Geburtstag am 25. August lässt sie es sich nicht nehmen, ein kleines Ständchen zum Besten zu geben. In ihrem freundlich eingerichteten Einzelzimmer im Kursana Domizil in Bad Muskau empfängt die Jubilarin gut gelaunt ihre Gäste.

Die Musik war schon immer ihr Leben. Als zwölfjähriges Mädchen hat sie sich das Spiel auf der Mundharmonika autodidaktisch beigebracht. Inspiriert wurde Charlotte Schubert von ihrem Vater, der auf der Geige den Ausgleich zu seiner Arbeit als Schmied fand. „Die musikalische Atmosphäre in unserem Haus war etwas besonderes“, erinnert sich die 105-Jährige. Nach dem Abschluss an der Hauswirtschaftsschule kümmerte sich Charlotte Schubert als Hausfrau in Weißwasser um die Familie. Die Kinder Monika Gocht (76) und Reiner Schubert (71) genossen ihre unbeschwerte Kindheit und erinnern sich an viele Erlebnisse in der Natur am Jahnteich und in den umliegenden Wäldern. Dafür sorgte auch ihr Vater, der als Schlosser im VEB „Neuglas“ arbeitete. Sein handwerkliches Geschick wurde oft in Anspruch genommen. So baute er auch für seine Kinder wunderschöne Spielzeuge, zum Beispiel eine elektrische Eisenbahn und ein Tretauto, welche beide heute noch voll funktionsfähig sind.

Nach dem Tod ihres Mannes 1991 wurde Charlotte Schubert liebevoll von ihrer Tochter betreut. Erst mit 100 Jahren wechselte sie aus ihrer Wohnung in Weißwasser in das Kursana-Domizil. „Diesen Schritt haben wir nie bereut. Ich fühle mich hier sehr wohl, das Pflegepersonal ist fürsorglich und warmherzig.“ Vor allem gefällt ihr, dass die Musik in der Einrichtung eine wichtige Rolle spielt. Neben regelmäßigen Singenachmittagen gibt es beispielsweise eine Trommelgruppe.

Gefragt nach dem Rezept für ihr hohes Alter, nennt sie das mäßige Essen, die Bewegung und die Musik. Selbst das autogene Training beherrscht die 105-Jährige noch immer. „Der jahrelange Genuss von Kräutertees wird ebenfalls dazu beigetragen haben, dass es unserer Mutter so gut geht“, verrät Tochter Monika. Bis vor kurzem spielte Charlotte Schubert noch für die Bewohner ihres Pflegeheimes. Jetzt musiziert sie mit großer Freude, wenn ihre Kinder zu Besuch kommen. Ihr Sohn Reiner ist zwar im Ruhestand, unterrichtet aber Mundharmonika und Gitarre an der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ in Leipzig. Er begleitet sie mit beiden Instrumenten und so erklingen die Weisen zweistimmig, „und erstaunlicherweise sind beim Musizieren ihre Füße immer in Bewegung“, berichtet Reiner Schubert. Um ihr Gedächtnis fit zu halten, schreibt die 1913 Geborene täglich kurze Notizen auf.

Worauf sie besonders stolz ist? Auf ihre Familie! Zwei Kinder, fünf Enkel und zehn Urenkel zählen mittlerweile dazu. „Ein großer Wunsch wäre ein Ururenkelkind“, verrät Charlotte Schubert. „Doch auch so weiß ich, wie gut es mir geht und dass dieses hohe Alter ein großes und seltenes Geschenk ist, für das ich zutiefst dankbar bin.“