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| 18:30 Uhr

Erste Mondlandung vor 50 Jahren
Der mondsüchtige Bürgermeister

 Mit dem Mond fing alles an. Rüdiger Mönch vor seiner privaten Sternwarte in Krauschwitz.
Mit dem Mond fing alles an. Rüdiger Mönch vor seiner privaten Sternwarte in Krauschwitz. FOTO: LR / Daniel Steiger
Krauschwitz. Der Mond ist verantwortlich, dass es in der Lausitz einen mondsüchtigen Bürgermeister gibt. Der Mond und der Vater von Rüdiger Mönch, dem Gemeindeoberhaupt von Krauschwitz und Besitzer einer privaten Sternwarte. Von Daniel Steiger

Es beginnt schon hinter der Eingangstür des Hauses von Rüdiger Mönch. Ein etwa zwei Meter hohes Modell der Saturn-V-Rakete, mit ihr flogen die amerikanischen Apollo-Missionen vor 50 Jahren zum Mond, und zwei eigentümliche Waagen geben schon die ersten Hinweise auf das Hobby von Rüdiger Mönch: die unendlichen Weiten des Weltraums. „Stellen Sie sich mal drauf“, fordert der Krauschwitzer Bürgermeister den Besucher auf und deutet auf die Waage mit der US-Flagge vor der Mondlandekapsel und dem bekannten Mondrover der Nasa. Der neugierige Besucher folgt natürlich der Aufforderung und staunt nicht schlecht. Bei gut 17 Kilogramm pendelt sich die Waage ein. „Das wäre Ihr Gewicht auf dem Mond“, erklärt Rüdiger Mönch. Im Vergleich zur Erde wiegt auf dem Erdtrabanten alles nur ein Sechstel. „Und nun die andere Waage.“ Der Zeiger schießt über die 200-Kilo-Markierung weit hinaus. Was ist denn nun los? „Die Waage zeigt, was Sie auf dem Jupiter wiegen würden. Nämlich das etwa 2,5-Fache.“ Die Waagen hat der studierte Elektroingenieur selbst gebaut und nimmt sie gern mit zu seinen Vorträgen.

 Die Mondwaage ...
Die Mondwaage ... FOTO: LR / Daniel Steiger

Zeiss-Fernrohr weckte die Begeisterung

 ... zeigt, was der Mensch auf dem Erdtrabanten wiegen würde: nämlich etwa ein Sechstel.
... zeigt, was der Mensch auf dem Erdtrabanten wiegen würde: nämlich etwa ein Sechstel. FOTO: LR / Daniel Steiger

Die Begeisterung brach bei Rüdiger Mönch vor etwa 50 Jahren aus. „Mein Vater hat mir und meinen Brüdern den Mond gezeigt. Schon durch unserer Zeiss-Feldstecher konnten wir super die Krater erkennen“, erinnert sich der heute 58-Jährige. Die Begeisterung für die Gebilde jenseits der Erdatmosphäre wurde weiter angeheizt durch den Bausatz für ein Zeiss-Fernrohr, das er in die Finger bekam. „Das hat 110 Ostmark gekostet“, weiß Mönch noch ganz genau. Schon damals hatte er den Traum: „Wenn ich einmal ein Haus baue, dann eins mit eigener Sternwarte.“

Chef der Lausitzer Sterngucker

Der 11,50 Meter hohe mehreckige Turm mit der halbrunden Kuppel ist schon von Weitem zu sehen. Derzeit ist die Sternwarte im Umbau, aber im kommenden Jahr soll sie auch wieder für Besucher offen stehen. Seit 1998 teilt Rüdiger Mönch sein Hobby und sein Wissen nämlich mit anderen Interessierten. Kindergartenkinder und Grundschüler waren schon bei ihm. Mönch ist zudem Vorsitzender des Vereins Lausitzer Sterngucker. Etwa 20 Mitglieder hat der Verein. Sie treffen sich zu gemeinsamen Himmelsbeobachtungen, besuchen andere Sternfreunde und geben ihr Wissen in Vorträgen weiter.

 Die Jupiter-Waage ist hingegen nichts für Figurbetonte. Auf dem größten Planeten unseres Sonnensystems würden wir Menschen das 2,5-fache unseres Erdgewichtes mit uns herumtragen müssen.
Die Jupiter-Waage ist hingegen nichts für Figurbetonte. Auf dem größten Planeten unseres Sonnensystems würden wir Menschen das 2,5-fache unseres Erdgewichtes mit uns herumtragen müssen. FOTO: LR / Daniel Steiger

Wenn die Venus fünf Zentimeter groß ist

„Leider habe ich derzeit aber zu wenig Zeit für mein Hobby“, erzählt Rüdiger Mönch. Seit zwei Legislaturperioden führt er schon die Geschicke der 3500-Einwohner-Gemeinde Krauschwitz. Im kommenden Jahr will er sich aber nicht mehr zur Wahl stellen. Früher habe er sich das Handy gestellt, wenn die Internationale Raumstation nachts gut sichtbar über den ostsächsischen Himmel glitt oder den Jupiter durch sein Fernrohr mit 500-facher-Vergrößerung beobachtet. „Der Planet ist da fünf Zentimeter groß und die vier großen Monde immerhin noch drei bis vier Millimeter. Da kann ich mich nicht sattsehen“, schwärmt der Sternenfreund. Für solche Erlebnisse will er wieder mehr Zeit haben.

 Der Mond - Das Foto wurde 2010 beim 8. deutschlandweiten Astronomietag auf dem Modellflugplatz Sagar/Kaupen geschossen.
Der Mond - Das Foto wurde 2010 beim 8. deutschlandweiten Astronomietag auf dem Modellflugplatz Sagar/Kaupen geschossen. FOTO: Rüdiger Mönch

Die Milchstraße wird zur Lichstraße

Nach einem seiner schönsten Sternguck-Erlebnisse gefragt, erinnert sich Rüdiger Mönch an eine Reise nach Nepal. In der großen Höhe mit wenig Dunst und Lichtverschmutzung sei die Milchstraße einmalig. „Dort müsste sie eigentlich Lichtstraße heißen“, so Rüdiger Mönch.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.lausitzer-sterngucker.de