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Geschichte
Der Ministerpräsident der Oberlausitz

Blick auf das Uhyster Schloss. Der Bau geht auf Graf Friedrich Caspar von Gersdorf zurück. Am heutigen Abend ist über ihn mehr zu erfahren.
Blick auf das Uhyster Schloss. Der Bau geht auf Graf Friedrich Caspar von Gersdorf zurück. Am heutigen Abend ist über ihn mehr zu erfahren. FOTO: Regina Weiß / LR
Uhyst. Wissenschaftliches Buch über den Reichsgraf Friedrich Caspar von Gersdorf wird am Mittwochabend in Uhyst präsentiert.

„Um der Wenden Seelenheyl hochverdient – Reichsgraf Friedrich Caspar von Gersdorf“ heißt der Buchtitel, um den es am heutigen Abend in Uhyst geht. Dort wird Autorin Lubina Mahling ihr Werk vorstellen.

Es ist ihre Doktorarbeit, die nun in Buchform herausgekommen ist. Vor zwei Jahren hat sie diese an der Universität in Jena eingereicht. Mittlerweile kann Lubina Mahling den Doktortitel tragen.

Dass sie ins Leben von Gersdorf eingetaucht ist, war eigentlich nicht so vorgesehen. „Ich wollte über die Herrnhuter Brüdergemeine und die Sorben schreiben“, lautete der ursprüngliche Plan. Sie recherchierte dabei, dass nichts über die graue Eminenz Gersdorf ging und er sozusagen die Strippen in der Hand hielt.

Er ermöglichte nicht nur den Aufbau und das Bestehen der Herrnhuter Brüdergemeine, sondern bemühte sich auch um die pietistische Erweckung unter den Sorben. Mit dem vorliegenden Buch füllt Lubina Mahling eine beträchtliche Forschungslücke der deutschen regionalen und sorbischen Geschichte, heißt es in der Ankündigung des Domowina-Verlages zu dem heutigen Abend. Er lädt übrigens gemeinsam mit dem Förderverein Adelspädagogium-Dannenberghaus Uhyst zu der Lesung ein.

Für die Lausitz ist die Bedeutung von Gersdorf gleich in mehreren Bereichen nicht von der Hand zu weisen. So war der Reichsgraf, der von 1699 bis 1751 lebte, Oberamtshauptmann der Oberlausitz.  Die gehörte damals zu Sachsen, war aber eigenständig. Die Position übersetzt Lubina Mahling mit der des heutigen Ministerpräsidenten. In der Funktion förderte er Herrnhut. Keine Selbstverständlichkeit in der damaligen Zeit, wo Neues durchaus angefeindet wurde. So gilt er als Gründer der Brüderkolonie in Kleinwelka. Ausgehend von dieser politischen Bedeutung tat Gersdorf sich als Förderer der Sorben hervor. Er ließ Bücher herausgeben sowie Pfarrer und Lehrer ausbilden und trug so zur  Alphabetisierung der sorbischen Bevölkerung bei. Für damalige Zeiten durchaus modern.

Für Uhyst hat Gersdorf dann noch mal eine ganz spezielle Bedeutung. Schloss und Pädagogium gehen auf ihn zurück. Beides ließ er bauen. Zwei noch heute erhaltene Gebäude, die auf ihre Erweckung warten.  In den Zeiten strohgedeckter Hütten ein deutlich sichtbares Zeichen für den kleinen Ort an der Spree. Lubina Mahling sagt dazu: „Er hat Uhyst zum Bildungszentrum in der Oberlausitz gemacht.” Dazu gehört auch, dass er Kontakt mit den Franckeschen Stiftungen in Halle, mit Magdeburg, Sorau und Muskau hatte. Nicht zuletzt ging auch Pückler auf das Pädagogium in Uhyst.

Die Buchvorstellung beginnt am 15. November um 19 Uhr im Gasthof „Drei Linden“ in Uhyst. Das Buch wird vor Ort erhältlich sein und kostet 29,90 Euro (ISBN978-3-7420-2431-2).