ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:52 Uhr

Der Hofgärtner ist neuer Karnevalsprinz

Mit großem Hallo fahren "Toralf der Erste" und "Corinna die Erste" als neues Prinzenpaar auf dem Daubitzer Markt ein.
Mit großem Hallo fahren "Toralf der Erste" und "Corinna die Erste" als neues Prinzenpaar auf dem Daubitzer Markt ein. FOTO: amz1
Daubitz. Ist das ein Spektakel gewesen: 40 Jahre Karneval der Neuzeit in Daubitz, und mehr als 1000 Menschen sind dabei. Am Wochenende haben die örtlichen Karnevalisten gemeinsam mit befreundeten Vereinen ihr Jubiläum ganz groß gefeiert. amz1

Ein besonderer Höhepunkt war die Krönung des neuen Prinzenpaares. Ab sofort führen der Hofgärtner und seine Erzieherin die Narrengeschicke im gut 500 Einwohner zählenden Ort. "Toralf der Erste" und "Corinna die Erste" haben die Regentschaft übernommen. Im Alltagsleben hört der Prinz auf den Namen Toralf Friedrich. Der 51-Jährige ist Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei in Trebus. Der "Freund des Daubitzer Karnevals", wie sich der Gärtnermeister selbst bezeichnet, gelte als "Hofgärtner" des DKV, wie dessen Präsident Daniel Junge stolz anmerkt. Als Prinzessin an seiner Seite wird Corinna Anders aus Teicha fungieren. Die 44-jährige zweifache Mutter ist als Erzieherin in einer Rietschener Kita tätig.

Das Prinzenpaar, das im realen Leben selbst kein Paar ist, wurde von den beiden DKV-Prinzenpaar-Werbern Lothar Höfchen und Horst Meister gewonnen. "Die beiden haben so lange mit uns geredet, bis wir nicht mehr Nein sagen konnten", fasst Toralf Friedrich zusammen. Vor fünf Wochen seien die beiden gefragt worden. "Unsere Kriterien sind klar", erklärt Lothar Höfchen, der im richtigen Leben als Bäckermeister seine Brötchen verdient. "Verbundenheit mit dem Daubitzer Karneval, ein fröhliches Gemüt und Menschlichkeit. Ob er oder sie Geld hat, spielt dagegen keine Rolle."

Für das scheidende Prinzenpaar Robert Meier und Sandra Scheel gibt es von Höfchen nur lobende Worte: "Die beiden haben ihre Sache richtig gut gemacht." Jetzt hoffen die Karnevalisten, dass "Toralf der Erste" und "Corinna die Erste" in die gleichen Fußstapfen treten. "Unser neues Paar hat bereits ein paar klasse Ideen", kündigt Lothar Höfchen an. Doch mehr werde nicht verraten.

Ohnehin spielen Geheimnisse beim DKV eine erhebliche Rolle. Denn selbst wenige Minuten vor der Krönung des neuen Prinzenpaares habe die Vereinsspitze nicht gewusst, wer die beiden Ämter fortan bekleide. Behauptet zumindest Präsident Daniel Junge.

Alle fünf Jahre feiern die Daubitzer mit einem großen Karnevalsumzug. Diesmal sind rund ein Dutzend befreundeter Vereine aus Ober- und Niederlausitz dabei. In fantasievollen Bildern treffen die Karnevalisten den Nerv der Einheimischen. Da bekommt Donald Trump ebenso sein Fett weg wie das "alternative Energieprojekt anno 2027" im benachbarten Werda oder auch die zunehmende Anzahl von Wölfen in der Region.

Ist jetzt von "40 Jahre Karneval in Daubitz" die Rede, meinen die Protagonisten stets die "Neuzeit". Denn bereits in den 1950er-Jahren gab es legendäre Feiern im Dorf. Doch am 12. Februar 1977 fand erstmals ein großer Umzug statt, der seitdem alle fünf Jahre erneut auf die Beine gestellt wird. Zum jetzigen Jubiläum wird sogar das damalige Prinzenpaar auf die Bühne gebeten. Konkret handelt es sich um Reinhard Weiß und Cornelia Baum. Letzterer bescheinigen die amtierenden Karnevalsminister, dass die ehemalige Prinzessin nichts von ihrer Schönheit verloren habe.

Während des Umzuges ist im wahren Sinne des Wortes ganz Daubitz auf den Beinen. An jeder Ecke gibt es Getränke und kleine Imbisse. Und alles von den jeweiligen Bewohnern selbst zubereitet. Das Dorf selbst präsentiert sich mit Hunderten Wimpeln und Luftballons festlich geschmückt. Und selbst Straßen werden umbenannt. So wandelt sich die Alte Muskauer Straße in die "Verhängnisvolle Gasse". Warum, erklärt Vereinsvorsitzender Tilmann Havenstein so: "Dort gibt es besonders viele Schnapsstände. Wer die Gasse einmal hochgeht und es unbeschadet wieder zurückschafft, hat unseren Karnevalstest bestanden."

Am Abend steigt dann der große Hofball im Gasthof "Zur Krone". Den Höhepunkt bildet der Auftritt der österreichischen Kultband "Die Dorfer". Dass der Saal längst komplett ausverkauft ist, dürfte sich von selbst verstehen.

Während des Umzuges müssen die Daubitzer indes auf eine Kapelle verzichten. "Nach 26 Absagen haben wir uns für die `Daubitzer Umzugsersatzkapelle‘ entschieden", begründet Daniel Junge. Und die vielen Gäste? Die merken den kleinen Unterschied so gut wie gar nicht. Die Stimmung ist hervorragend, die Leute schunkeln, tanzen und freuen sich. Na dann: "Daubitz Alan", so der Schlachtruf der Karnevalsjubilare.

Zum Thema:
Einen besonderen Dank sprechen die Daubitzer Karnevalisten der Polizei aus. Mit sechs Streifenwagen sicherten die Beamten das Spektakel ab. Einige von ihnen opferten dafür sogar ihre Freizeit. Kein Wunder, dass die Polizisten mehrfach von Karnevalisten und Gästen geherzt wurden.