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| 15:11 Uhr

Veranstaltung
Der Graf persönlich lädt für Sonntag nach Uhyst ein

Ein Wunsch der Uhyster – ihr Schloss soll aufblühen. Mit dem nächsten Frühlingsspaziergang am Sonntag rückt es zumindest wieder mehr in den Mittelpunkt.
Ein Wunsch der Uhyster – ihr Schloss soll aufblühen. Mit dem nächsten Frühlingsspaziergang am Sonntag rückt es zumindest wieder mehr in den Mittelpunkt. FOTO: Regina Weiß
Uhyst. Durch den Ort an der Spree wandeln und dabei interessante Geschichten erfahren – die Organisatoren setzen dabei auf einen Mann, der sich auskennt: Friedrich Caspar von Gersdorf.

Übergangslösungen halten manchmal recht lange. Das weiß auch Karsten Kunaschk nur zu gut. Als das erste Mal das Uhyster Schloss für eine Ausstellung geöffnet werden sollte, wollte man das nicht so einfach über die Bühne gehen lassen. Etwas Besonderes sollte es sein. Die Idee war geboren, Graf Friedrich Caspar von Gersdorf als Figur auferstehen zu lassen. Karsten Kunaschk hat noch im Ohr, wie er gefragt wurde, ob er nicht für einen Theaterschauspieler einspringen könnte. Er sagte Ja und hat die Rolle auch vier Jahre später noch inne.

War für den ersten Auftritt das Kostüm noch ausgeliehen, wurde ihm mittlerweile eins auf den Leib geschneidert. Schließlich hat man als Graf schon einen Namen zu verlieren. Und Gersdorf erst recht. Hat er sich doch seinen nicht unbedeutenden Platz in den Geschichtsbüchern wahrlich verdient. Als Oberamtshauptmann der Oberlausitz hat er kräftig mit an den Fäden in der sächsischen Politik gezogen. Dass so jemand nicht im kleinen Stübchen wohnen wollte, ist ja wohl nicht von der Hand zu weisen. Sein imposantes Zuhause steht heute noch in Uhyst.

Nicht nur das Schloss liegt Karsten Kunaschk am Herzen. Auch das Adelspädagogium, das ebenfalls auf von Gersdorf zurückgeht. „Auch wenn es heute nur noch die Anmutung einer Scheune hat“, gesteht sich Kunaschk ein. Doch als Mitglied im Förderverein der ehemaligen Lehranstalt und als Mitglied vom Heimatverein ist es ihm Anliegen, die Gebäude und vor allem die Geschichte(n) dazu ins rechte Licht zu rücken. Da kommt dem „Grafen“ entgegen, dass er von Arbeitsseite aus gewöhnt ist, vor fremden Leuten Vorträge zu halten. Hinzu kommen die wissenschaftlich belegten historischen Grundlagen. „Wir wollen ja nicht nur einfach so etwas erzählen.“ Alles müsse Hand und Fuß haben.

Dazu tragen die Arbeiten von drei Frauen bei. Garten- und Landschaftsarchitektin Kathrin Franz hält den Uhystern schon lange die Treue. Sie hat im Auftrag der Gemeinde Boxberg die denkmalpflegerische Konzeption, die Entwurfsplanung bis hin zur Bauüberwachung sowie das Pflegekonzept für den Schlosspark in Uhyst erstellt. Kathrin Vollbrechts Dissertation über die herrschaftlichen Bauten zu Uhyst an der Spree – Schloss, Kirche, Pädagogium – sind eine weitere Fundgrube. Und nicht zuletzt gibt es die umfangreiche Doktorarbeit von Lubina Mahling über den Grafen von Gersdorf.

Historisch Fundiertes wird schön verpackt serviert. Dass die Uhyster das können, haben sie vor knapp zwei Jahren bewiesen. Damals fand auf Anregung des Gartenkulturpfades beiderseits der Neiße der erste Frühlingsspaziergang statt. 40 Gäste hatten sich zum Teil auf einen weiteren Weg gemacht, um an der Spree auf Entdeckungstour zu gehen. Das könnte auch diesmal wieder so werden, hofft zumindest Johanna Gruner vom Förderverein. Schließlich wird der Rundgang am Sonntag nicht nur im Rahmen der Seenlandtage 2018 angepriesen, sondern gehört auch zu den Frühlingsspaziergängen des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Anja Schütze vom Förderverein setzt aber nicht nur auf ortsfremde Besucher. Für die Einheimischen wäre das genau so interessant. Sie hat das bei ihrem Geburtstag selbst ausprobiert. Der Graf konnte so manche Wissenslücke bei den Uhystern füllen.

Apropos füllen. Zuhören, Aufpassen, Spazierengehen kann durchaus hungrig und durstig machen. Den Bauch kann man sich zum Abschluss im Spreeschlösschen in Uhyst füllen. Dort wird eine Kaffeetafel aufgebaut sein. Welche Köstlichkeiten dort aufgetischt werden, das haben in dieser Woche Konditormeisterin Anja Schütze und Johanna Gruner abgesprochen. Der RUNDSCHAU wollten sie es noch nicht verraten. Genau so bleiben die kleinen Überraschungen geheim, die es beim Spaziergang am Sonntag zu erleben gibt.

Los geht es für die Besucher am 29. April um 14 Uhr an der Uhyster Kirche. Von dort aus erkundet die Gruppe die Gebäude der Barockzeit und den Schlosspark. Das Kaffeetrinken findet im Spreeschlösschen statt. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird am Schluss gebeten.

Graf von Gersdorf lässt natürlich gärtnern. Die Begegnung mit der Gärtnerin alias Brigitta Wend stammt aus dem Frühlingsspaziergang von vor zwei Jahren.
Graf von Gersdorf lässt natürlich gärtnern. Die Begegnung mit der Gärtnerin alias Brigitta Wend stammt aus dem Frühlingsspaziergang von vor zwei Jahren. FOTO: Regina Weiß