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| 15:13 Uhr

Tourismus-Attraktion in Krauschwitz
Der Gletscher lässt die Hüllen fallen

Kurz vor der Fertigstellung ist der Kletterfelsen in der künftigen Freizeit- und Gletscher-Abenteuerwelt in Krauschwitz.
Kurz vor der Fertigstellung ist der Kletterfelsen in der künftigen Freizeit- und Gletscher-Abenteuerwelt in Krauschwitz. FOTO: Gabi Nitsche
Krauschwitz. Mit einem deutsch-polnischen Wettbewerb wird am 18. August der erste Freizeit-Welt-Bereich eröffnet. Von Gabi Nitsche

In wenigen Tagen sollen die Hüllen fallen. Dann zeigt sich der Kletterfelsen in der künftigen Freizeit- und Gletscher-Abenteuerwelt in Krauschwitz in voller Schönheit. „Und in voller Größe“, sagt Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler). Er ist wohl derjenige, der in Krauschwitz am meisten für das deutsch-polnische Projekt brennt und schwärmt von den stolzen 18 Metern Höhe. „Das Gletscherblau ist dann nicht mehr zu übersehen.“

Normalerweise sind solche Klettergelegenheiten steinfarben. Hier wurde es bewusst anders gemacht. Stichworte Muskauer Faltenbogen und Eiszeit. Der Felsen mit drei Gipfeln – 18 und zweimal 14 Meter – ist der erste Baustein für die neue Freizeitwelt. Und da sich Krauschwitz inmitten des Unesco Global Geoparkes Muskauer Faltenbogen befindet, sollte die Draufsicht auf die nachempfundene Gletscherformation die Form des Faltenbogens, der ja einem Hufeisen ähnelt, widerspiegeln. „Und genau so ist es gemacht worden. Ab kommenden Mittwoch kann man das dann ganz deutlich sehen“, sagt Rüdiger Mönch. Er zeigt auf einen runden Ausschnitt am Fuße und sagt: „Das Gletschertor erinnert an den Ort, wo bei Bad Muskau die heutige Neiße sich ihren Weg bahnte.“

 Der Gemeindechef blickt in die Höhe und gibt Auskunft: „Wer dort hochklettert, findet oben ein Gipfelbuch vor, wo man sich eintragen kann.“ Der Gletscher ist mit Klettersteigen, Haltegriffen und Tritten reichlich ausgestattet worden beziehungsweise die Experten von der Cottbuser Firma Built a Rock GmbH sind gerade dabei, die Teile anzubringen. Die gesamte Felsenlandschaft ist aus Beton gegossen worden. Stück für Stück ging es aufwärts. „Die ganze Außenhaut, die Wölbungen und Rundungen sind alle nachträglich aufgespritzt und geformt worden“, weiß der Bürgermeister. Er ist des Lobes voll über den Ideenreichtum der Cottbuser Auftragnehmer. „Mit diesen ist ein super Zusammenarbeiten“, so Mönchs Urteil.

„Oben werden an jedem der drei Felsen Abseilautomaten angebracht. Das sind Trommeln, die magnetisch abgebremst werden.“ Mönch holt etwas aus beim Erklären: „Von dort oben reicht das Kletterseil bis runter, wo es eingehakt wird. Wer hochkraxeln will, nimmt es sich, hakt es an seiner Montur ein und begibt sich nach oben. Wieder unten, wird das Seil dort wiederum befestigt für den Nächsten.“

Wo sich einst das Spielfeld vom Helmut-Just-Stadion befand und jetzt die Felsenlandschaft in die Höhe geschossen ist – so wie das Unkraut –, kommen in den nächsten Wochen weitere Attraktionen hinzu. Rüdiger Mönch zeigt auf einen ausgehobenen Bereich: „Dort wird der Kinderkletterfelsen errichtet. Bis zu drei Meter hoch, können die Jüngsten sich dort austoben. Und zwischen dem Minifelsen und dem Gletscher kommen die Slagline, ein Grillplatz, eine Trampolingruppe und Ruheplätze. „Dort am Hang“, zeigt Rüdiger Mönch links hinter den Gletscher, „findet der Felsenerlebnisstollen seinen Platz. Da können die Kinder so richtig auf Erkundungstour gehen, hochklettern durch nachempfundene Fördertürme und dann losrutschen.“ In Matthias Möbus von der Holzschmiede Gallinchen, der in Weißkeißel Zuhause ist, sei jemand gefunden, der sich Gedanken mache, wie man das Thema umsetzen kann. „Wir wollten keinen Spielplatz von der Stange, sondern etwas Außergewöhnliches, wo die Jüngsten ihre Abenteuerlust ausleben können. Natürlich mit den Eltern an der Seite.“ Mönch sei vor einiger Zeit mit seinem Sohn im Zittauer Gebirge klettern gewesen und habe Familien mit Kindern erlebt, die sehr ängstlich waren an Naturfelsen. „Bei uns können sie dann üben und ihre Angst überwinden.“ Vorstellbar wäre auch, dass Feuerwehren die Felsen zur Ausbildung nutzen.

Bis zur Einweihung des ersten Freizeitwelt-Teils, sprich Felsenlandschaft & Co., ist noch reichlich Arbeit zu leisten. Dann informieren auch mehrere Hinweistafeln, was zu beachten ist und an wen man sich wenden kann.  „Am 18. August wollen wir mit einem kleinen deutsch-polnischen Wettbewerb im Beisein von allen Partnern den ersten Bereich einweihen.“

Zu diesen Partnern gehört der Deutsche Alpenverein, Sektion Zittau. „Wir bilden hier vor Ort eine Gruppe der Sektion mit Vorsitzendem, Stellvertreter und Kassenwart.“ Gemeinsam will man verschiedene Routen anbieten für Kletter-Enthusiasten. Routen, die mit dem Muskauer Faltenbogen auch namentlich zusammenhängen. „Zum Beispiel die Groß Dübener Depression“, so Mönch. Einer, der sich diesbezüglich und auch bei der Gestaltung stark einbrachte und bringt, sei Ingo Nescholta aus Klein Düben.

Eintritt muss die nächsten drei Jahre nicht bezahlt werden, nur für Kurse fallen Entgelte an. Denn für das Projekt in Krauschwitz stehen 436 517,60 Euro aus dem Interreg-Förderprojekt „Abenteuer Neiße, Etappe vier, Erschließung des deutsch-polnischen Grenzgebietes“ zur Verfügung. Das bedeutet die Gesamtkosten, so Mönch. Er ist bei aller Arbeit und Vorfreude auch stinksauer. „Am Montag habe ich Anzeige bei der Polizei erstattet. Hier hat jemand bewusst den Hydranten angemacht, sodass das Wasser nur so gelaufen ist. Das ist nicht das erste Mal, das Schäden angerichtet wurden. Wir werden eine Webcam anbringen, die auch zur Überwachung dient.“

Bürgermeister Rüdiger Mönch an dem Hydranten, aus dem sehr viel Wasser auf das Gelände floss.
Bürgermeister Rüdiger Mönch an dem Hydranten, aus dem sehr viel Wasser auf das Gelände floss. FOTO: Gabi Nitsche
Der Kletterfelsen mit einer Höhe von maximal 18 Metern in der künftigen Freizeit- und Gletscher-Abenteuerwelt in Krauschwitz wird mit Haltegriffen ausgestattet.
Der Kletterfelsen mit einer Höhe von maximal 18 Metern in der künftigen Freizeit- und Gletscher-Abenteuerwelt in Krauschwitz wird mit Haltegriffen ausgestattet. FOTO: Gabi Nitsche
In den nächsten Wochen entsteht an dieser Stelle der bis zu drei Meter hohe Kinderkletterfelsen.
In den nächsten Wochen entsteht an dieser Stelle der bis zu drei Meter hohe Kinderkletterfelsen. FOTO: Gabi Nitsche