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Der Freistaat hat nun eine Brauerei

Imposant ist das Backsteingebäude allemal. Lange genug hat es leer gestanden. Nun kümmert sich der Freistaat darum.
Imposant ist das Backsteingebäude allemal. Lange genug hat es leer gestanden. Nun kümmert sich der Freistaat darum. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Seit Mittwoch ist der Freistaat Sachsen Besitzer einer Brauerei in Bad Muskau. Diese stand bis auf die teilweise Nutzung eines Getränkemarktes über 20 Jahre leer. Viele dachten, Hopfen und Malz seien bei diesem Gebäude längst verloren. Seit dieser Woche gibt es neue Hoffnungen. Regina Weiß

Besucher, die das Weltkulturerbe Muskauer Park ansteuern und auf der Ortsdurchfahrt in Richtung Stadtmitte rollen, können den massiven Backsteinbau nicht übersehen. Seit Jahr und Tag wurde das Gelände rund um die Brauerei und das ehemalige Gasthaus Niederländischer Hof nicht schöner. Für die Parkstadt bedeutet das, ein städtebaulicher Schandfleck per excellence war entstanden.

Mehrere Versteigerungen

"Neben dem Grenzvorplatz ist es unser größter", so Bürgermeister Andreas Bänder (CDU). Der Grenzvorplatz ist neu gestaltet, und bei der Brauerei gibt es nun auch endlich Hoffnungen. "Es ist einer meiner schönsten Jahresanfänge", so Bänder erleichtert.

Das 4316 Quadratmeter große Grundstück samt Gebäuden - teilweise denkmalgeschützt, teilweise abrissreif - war vom Gläubiger, der Volksbank Spree-Neiße, in den zurückliegenden Jahren wie Sauerbier angeboten worden. Mehrere Versteigerungsversuche führten nicht zum Erfolg.

Bis zum Mittwoch dieser Woche. Da fand ein weiterer Termin beim Amtsgericht Görlitz statt. Vier Bieter, so erlebte es Bürgermeister Andreas Bänder als Zuschauer, seien vor Ort gewesen. Am Ende war der Freistaat Sachsen erfolgreich. Wie viel Geld geflossen ist, darüber schweigt man.

Hinter den Kulissen

"Seit der Eröffnung der Kita haben wir quasi hinter den Kulissen zusammengesessen und überlegt, was wir mit dem Brauereigelände machen können", so CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Kretschmer. Zur Erinnerung, das war im Oktober 2015 gewesen. "Nun bin ich froh, dass uns dieser Schritt gelungen ist."

1992 war die Produktion in der Brauerei eingestellt worden. Vorher hatten sich Tausende das Muskauer Malzbier sowie die alkoholfreien Getränke, die dort abgefüllt worden waren, schmecken lassen.

Sprudelndes Leben sollte dann nach der Wende einziehen. Die private Fürst-Pückler-Thermen und Gesundheitsresort GmbH (FPTG) wollte das Gelände als künftiges Kurzentrum entwickeln und dort auch die Muskauer Sole zur Anwendung bringen. Doch das Vorhaben scheiterte 2008, als die FPTG in finanzielle Schieflage geriet und das Ganze im Lausitzer Sand verlief. Mit dem Aus für einen auf dem Gelände angesiedelten Getränkemarkt stand alles leer und verfiel zusehends. "Auch wenn manches abgerissen werden muss, ist vieles auch erhaltenswert", erklärt Bänder. Er kennt sich auf dem Gelände bestens aus, war er doch mehr als zehn Jahre dort Abteilungsleiter.

"Als Erstes geht es um die Notsicherung des Ganzen", weiß Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, um die Arbeitsaufgaben, die nun anstehen. Zunächst wird sich der Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM) darum kümmern. Panning geht davon aus, dass im nächsten Doppelhaushalt dann auch Mittel für die Stiftung eingeplant werden. Bis zum 10. September soll schon Sichtbares passiert sein. Dann findet der Tag des offenen Denkmals statt und Interessierte sollen zum Besuch eingeladen werden. Danach wäre zu gucken, was kann abgerissen werden und was muss unbedingt erhalten werden, bevor es an die denkmalgerechte Sanierung geht. Das wäre wiederum Schritt drei. Dabei spricht Panning von einem Prozess. Sicherlich gehe es auch darum, parallel dazu Ideen von Privaten mit ins Spiel zu bringen. Die Rede ist von der Hotel-Investition von Alexander Porges, die er ja eigentlich im Kavalierhaus im Park umsetzen wollte. Platz dafür wäre auf dem Brauereigelände allemal, ist sich Andreas Bänder sicher. Noch dazu, wo die Leitung für die Thermalsole direkt am Gebäude vorbeiführt.

Für Panning ist das Projekt Brauerei eins, wo Freistaat und Stiftung in die Stadt Bad Muskau ausstrahlen. "Vielleicht geht mit diesem Objekt dann noch mal ein Ruck durch die Stadt", zitiert Panning den verstorbenen Bundespräsidenten Roman Herzog.

Zum Thema:
Die Muskauer Brauerei wurde 1844/45 unter Fürst Pückler durch den wichtigsten preußischen Architekten der damaligen Zeit, Ludwig Persius, nach dem Vorbild einer der Ikonen preußischer Architektur, der Berliner Bauakademie, als Ziegelsteinbauwerk mit angegliedertem neogotischen Gasthof errichtet. Sie wurde bewusst in den legendären Landschaftspark einbezogen. Ungefähr 80 Jahre später endete vorerst die gelungene Symbiose von Parklandschaft und anspruchsvoller Architektur mit dem Verkauf der Brauerei an einen privaten Betreiber. Der Freistaat und der Bund haben sich seit 1993 mit einer Investitionssumme von rund 55 Millionen Euro in Bad Muskau engagiert, um das kulturhistorische Erbe des Fürsten Pückler gemeinsam mit der Republik Polen als Unesco-Welterbestätte zu erhalten, zu entwickeln und das wirtschaftliche Potenzial des Parks für den Tourismus der Lausitz nachhaltig zu erschließen. Mit dem Erwerb der Pücklerschen Brauerei setzt der Freistaat Sachsen ein klares Zeichen für das Bekenntnis zu Bad Muskau, teilt das Finanzministerium mit.