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| 10:00 Uhr

Kultur
Der Dudelsack ist aus Pappmaschee

Schleife. In Schleife präsentiert Regina Herrmann ihre facettenreiche Ausstellung. Von Torsten Richter-Zippack

„Facetten“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung im Sorbischen Kulturzentrum (SKC) in Schleife. Die Wermsdorfer Designerin Regina Herrmann präsentiert verschiedenste lebensgroße Figuren, Puppen und gewebte Kunst. Insbesondere die Sorben und ihre Sagenfiguren haben es der 69-Jährigen angetan. Neben dem Zauberer Krabat finden sich Wassermann, Mittagsfrau, Drache und Lutkis. Ebenso hat Hermann einen sorbischen Musikanten nachgebildet. Natürlich fehlt dessen Instrument nicht, und zwar der Dudelsack. Das eigentliche Holzblasinstrument, so berichtet die Künstlerin, bestehe vorwiegend aus Pappmaschee. Lediglich das Ziegenfell sei echt, ebenso diverse Messingteile. Auch das Gesicht des Dudelsackspielers ist etwas ganz Besonderes, wie Regina Herrmann anmerkt. Denn es besteht, wie bei den meisten ihrer Figuren, aus Stickereien.

Herrmann ist im Sorbischen Kulturzentrum wahrlich keine Unbekannte. Bereits seit dem Bestehen der Einrichtung, es sind genau 20 Jahre, formt die Künstlerin verschiedenste Figuren, nicht selten in lebensechter Größe. Begonnen hatte alles mit der anfänglichen Präsentation sorbischer Trachten, wie SKC-Leiterin Sylvia Panoscha anmerkt. Für diese wurden damals nachgebildete Personen gesucht. Das entsprechende Stahlgestell sei von einem Schlosser gebaut worden. Anschließend wurde der sich abzeichnende menschliche Körper mittels Schaumstoff beziehungsweise Fließen und Füllwatte zum Leben erweckt. „Wichtig ist mir, dass sich die Gelenke bewegen lassen“, erklärt Regina Herrmann. Warum? „Weil sich die Figuren dann besser ankleiden lassen.“ Bereits seit mehr als 30 Jahren modelliert die Diplom-Designerin menschenähnliche Körper.

In der sorbischen Sagenwelt faszinieren die Künstlerin die verschiedenen Facetten, daher auch der Titel ihrer Ausstellung. Beispiel Wassermann: Dieser verkörpere zum einen das lebensnotwendige Wasser, das aber zum anderen auch lebensgefährlich werden könne, Stichwort Überschwemmungen. Lieblingssagenfigur von Regina Herrmann ist eigenen Angaben zufolge die Mittagsfrau. „Für mich handelt es sich dabei um eine uralte wendische Göttin, die durch das Christentum vertrieben wurde.“ In der Sage erscheint die Mittagsfrau immer genau dann, wenn die Sonne am höchsten steht. Sie passt auf, dass zu jener Zeit niemand auf dem Feld arbeitet. Und wenn doch, ist dieser dem Tode geweiht, es sei denn, er könne der Mittagsfrau alles Mögliche über Flachs und Lein erzählen.

Darüber hinaus sind in der neuen Ausstellung im SKC auch exotische Arbeiten zu sehen, beispielsweise Figuren, die der Volksmythologie in Uganda und Papua-Neuguinea entlehnt seien. Das dafür erforderliche Material habe die 69-Jährige im Dresdner Völkerkundemuseum erstanden.

„Die Figuren von Regina Herrmann stehen nicht einfach so in der Vitrine. Sie leben regelrecht“, würdigt Sylvia Panoscha. Gäste des SKC können die Ausstellung noch bis zum 29. Juli bewundern. Darüber hinaus besteht ein Teil der Dauerausstellung aus Herrmanns Werken.

Indes denkt die Künstlerin über eine Rückkehr in die Lausitz nach. Sie hatte bereits in den Jahren von 1992 bis 1997 als Freiberuflerin unweit von Hochkirch bei Löbau gelebt. Ihr Mann Werner Dieck, übrigens bekennender Fußballfan, hätte gegen einen Umzug nichts einzuwenden: „Mir ist es doch egal, ob ich zu den Spielen zu Dynamo nach Dresden oder nach Cottbus zu Energie fahre.“ Allerdings ist Dieck derzeit noch berufstätig. Sobald er pensioniert wird, werden die Koffer gepackt. Ob er mit seiner Regina dann in Schleife, Cottbus oder Bautzen ansässig wird, habe das Paar noch nicht entschieden. Nur so viel: „Ich werde weiterhin künstlerisch tätig bleiben“, stellt Regina Herrmann klar.