| 01:04 Uhr

Denkmale in und um Weißwasser

weißwasser.. Die Große Kreisstadt und ihre Umgebung sind reich an Denkmalen unterschiedlichster Art. Mehrere von ihnen sind im Laufe der Zeit verschwunden, andere werden liebevoll gepflegt. Von lutz stucka

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, sind die markantesten Denkmale nachfolgend beschrieben.

Friedenseiche
Sie wurde anlässlich des Friedens deutscher Staaten mit Frankreich im Jahr 1871 gepflanzt. Auf dem Dorfplatz versammelten sich die Einwohner neben dem Prinzen der Niederlande und seinem Schwiegersohn, dem Fürsten zu Wied. Es war das erste große Volksfest in Weißwasser. Den Höhepunkt bildete das Abfeuern von Salutschüssen aus drei Kanonen, die die Muskauer Schützengilde herbeigeschafft hatte.
Der Grund, weshalb gerade Weißwasser diese herrschaftliche Ehre zuteil wurde, war wahrscheinlich die kurze Entfernung zum vorbeiführenden Prinzenweg und dem hier befindlichen herrschaftlichen Vorwerk. Man kann sich vorstellen, dass der Prinz seine hochadlige Gesellschaft am Vorwerk zu einem Stopp veranlasste, um nach kurzem Fußweg an der Denkmalseiche seine friedliche Gesinnung kund zu tun.

August Bebel-Denkmal
Am 26. Oktober 1900 erfolgte die Enthüllung des Moltke-Denkmals in Alt-Weißwasser durch den Haus- und Grundbesitzer-Verein. Bereits 1896 spendete die Gemeindekasse zehn Mark für dieses Denkmal. In Verbindung mit der Friedenseiche erfolgte die Verehrung des preußisch-deutschen Generalstabschef Graf Helmuth von Moltke d. Ä. Er befehligte die deutschen Truppenverbände während des deutsch-französischen Krieges 1870/71, an dem auch der damalige Gemeinderatsvorsitzende Hermann Kiesewetter teilnahm. Aber nicht genug der Ehrung. Die heutige Käthe-Kollwitz-Straße war bis 1945 nach Moltkes Kollegen und deutschen Kriegsministers Albrecht von Roon benannt. Das Medaillon auf dem Obelisken mit dem Konterfei General Moltkes wurde nach 1945 mit dem von August Bebel ausgetauscht.

Friedrich-Ludwig-Jahn-Denkmal
Die begeistert gepflegte Turnbewegung in Weißwasser durch den zweitältesten Verein des Ortes, den Turn- und Rettungsverein, und die Stiftung mehrerer Morgen Landes um die ehemalige Kohlengrube „Qualisch“ durch den Vereinsvorsitzenden Joseph Schweig führte zum Ausbau dieses Areals zur Sportstätte. Am 11. August 1906, an Jahns 128. Geburtstag, erfolgte die Einweihung dieses Gedenksteins durch Mitglieder des Sportvereins am Turnplatz an der Jahnstraße. Es ist das erste Denkmal dieser Art in Schlesien, mit dem der große Volkssportler und Turnvater geehrt wurde.

Schillerbank
Anlässlich des 100. Geburtstages von Friedrich Schiller am 9. Mai 1905 wurde eine Bank aus Sandstein an der Einmündung des Prinzenweges, später Arnim-, dann Hegelpromenade, an der Bautzener Straße aufgestellt. Hier, auf der Anhöhe über dem betriebsamen Glasmacherort, sollte ein beschauliches Wohnviertel für die betuchteren Weißwasseraner entstehen. Die Schneisen, die dann in den Wald geschlagen wurden, erhielten Straßennamen großer deutscher Dichter, deren Ränder bald Villen und später einfachere Siedlungshäuser zierten.

Lutherstein
Der Lutherstein wurde am 14. Oktober 1917 vom Kohlenwerk der Grube „Hermann“ , wo ihn Bergleute fanden, von einem Gemeindearbeiter und einigen russischen Kriegsgefangenen auf einen Wagen geladen und nach der lutherisch- evangelischen Kirche transportiert. Auf dem Jahndamm blieb der Wagen aber stecken und konnte erst nach Tagen wieder flott gemacht werden. Am 23. Oktober langte der Transport endlich vor der Kirche an. Der Stein kam vom Wagen herunter gleich auf einen gemauerten Sockel und wurde mit Hilfe eines Gerüstes fixiert. Dieses konnte nach einer Woche Trocknung abgenommen werden. Man hatte es sehr eilig mit der Einweihung, die am 25. Oktober erfolgte. Die Aufstellung entsprach keinem historisch besonderen Datum. Möglicherweise stand die Errichtung mit der vor einigen Tagen zur Abgabe für den Krieg entfernten bronzenen Glocken in Verbindung.

Denkmal der Opfer des Faschismus
Auf dem Platz der Roten Armee, zuvor Kaiserplatz genannt, entstand anstelle des Zwei-Kaiser-Denkmals ein Mahnmal gegen den Faschismus. Es war das erste dieser Art, was in der DDR aufgestellt wurde. Die Einweihung fand am 22. September 1946 statt.

Friedensstein
Anlässlich einer Großkundgebung am 13. Februar 1959 in der Stadt zum Gedenken des Infernos in Dresden im Frühjahr 1945 hatte sich zur Teilnahme der Präsident des Deutschen Friedensrates, Professor Friedrich, angesagt. Damit diese Feierstunde einen noch eindrucksvolleren Rahmen erhielt wurde vom Stadtrat beschlossen, einen Findlingsstein zu enthüllen. Es war nicht leicht, kurzfristig ein entsprechendes Exemplar zu beschaffen, wurde berichtet. Der Stein sollte in einer kleinen Grünanlage, heute Busbahnhof, mit der Aufschrift „Die Toten mahnen uns“ enthüllt werden.
Gleichzeitig erfolgte auch die Umbenennung der da vorbeiführenden Straße, die nach Joseph Schweig bezeichnet war, in Straße des Friedens. Schweig, der als Fabrikbesitzer, Kapitalist und Ausbeuter galt, hatte somit nach damaliger Auffassung keinen hohen Stellenwert. Als dieses Stadtviertel 1974 dem Busbahnhof weichen musste, wurde das Denkmal an den Platz des Friedens umgesetzt.

Protestantin
Südwestlich von Weißwasser, im ehemaligen herrschaftlichen Tiergarten, unweit des einstigen Jagdschlosses der Standesherrschaft Muskau im Jagen 202 der Oberförsterei Jagdschloss gelegen, findet man einen Gedenkstein, welcher vom Übertritt der Standesherrschaft Muskau und seiner Dörfer zum protestantischen Glauben kündet. Im Jahr 1644 ließ der damalige Standesherr Curt Reinicke von Callenberg hier zu diesem Anlass eine Kiefer, die er „Protestantin“ nannte, pflanzen. Diese brach nach vielen Jahren um und ist noch heute durch ihren hohen Harzgehalt nicht verrottet. Später erfolgte die Aufstellung einer Holztafel mit Aufschrift, die anschließend durch einen beschrifteten Sandstein mit Holzkreuz ersetzt wurde. Callenberg war während des Dreißigjährigen Krieges Obrist im kaiserlich-protestantischen Heer sehr erfolgreich. Er heiratete 1644 die Erbin der Standesherrschaft Muskau, Ursula Katharina Burggräfin zu Dohna, und wurde somit ihr protestantischer Herr des Gutsbesitzes. Callenberg glaubte, hier den Kultplatz der früheren slawisch heidnischen Religion der Bewohner seiner Herrschaft gefunden zu haben. Auch die Errichtung einer hölzernen Jagdkapelle, später Jagdschloss, unweit dieses Ortes, durch ihn, stand vermutlich damit in engem Zusammenhang.

Wolfstein
Wenige hundert Meter von der Protestantin entfernt ist der Wolf stein zu finden. Der irrige Glaube, der Wolf richte unter dem Nutzwild verheerenden Schaden an, führte zur strickten Ausrottung dieses Raubtiers. „Von wilden Raubtieren kommen zu Zeiten und in sehr kalten Wintern Wölfe aus Polen; jedoch geschieht es sehr selten. Nur noch im dichten Wald um das Jagdschloss bei Weißwasser kann sich ein heimischer Wolf bis zum 14. Dezember 1845 halten.“ An diesem Tag wurde das letzte Exemplar zur Strecke gebracht. Die Bedeutung war zu jener Zeit so hoch, dass es Wert war, an der Abschussstelle einen Denkstein - eingebettet in einen Feldsteinhaufen - zu errichten.

Sparrstein
Am östlichen Ausläufer des Keulaer Tiergartens, im Jagen 276 gelegen, kurz bevor der Weg nach Keula entlang dem Rotwassergraben denselben überquert, befindet sich ein auf einen Sockel gestellter Findlingsstein. Seine Aufschrift erinnert an die herrschaftlichen Förster Sparr und Pfeil, die 1914 und 1915 Opfer des Ersten Weltkrieges wurden. Der gräflich Arnimsche Forstsekretär Wilhelm Pfeil fiel während eines Angriffs des Reserve-Jägerbataillons 5, in welchem alle Förster der Umgebung ihren Militärdienst leisteten, in Frankreich bereits am 14. Oktober 1914. Sein Forstkollege, ein Offizier, ein Jahr später.

Müllerstein
Südlich Weißwassers auf dem Eichberg im Forstrevier Hermannsdorf Jagen 107 gelegen, findet der Wanderer, der dem Haikweg folgt, den Müllerstein. Ein Umsiedler namens Müller kam Ende 1945 aus der Gebirgsgegend nach Weißwasser und erhielt Unterkunft im ehemaligen herrschaftlichen Vorwerk - Dominium - im Ortsteil Alt-Weißwasser. Seinen Wagen zogen zwei ausgebildete schwere Forstpferde, belgischer Rasse. Zu dieser Zeit, es war Winter, hatten sich die Bauern der Umgebung zur Aufgabe gemacht, ihre durch den Krieg verwüsteten Wälder wieder in Ordnung zu bringen. Auch die später neugebildete staatliche Forstwirtschaft hatte großen Nachholbedarf in den enteigneten standesherrschaftlichen Forsten, die Pflege zu übernehmen.
Müllers Pferde waren es gewohnt, im Wald Holz zu rücken und schwere Stämme zu transportieren. Pferde, die diese Aufgabe erfüllen konnten, gab es hier nicht. Müller bot sich an, den Forstleuten und Bauern zu helfen. Neben der Beseitigung von Bruchholz hatten die Tiere die Aufgabe, dringend benötigte schwere und lange Stämme für Dachkonstruktionen an die Nachkriegsbaustellen der Stadt zu befördern. Auch die Rohholzbelieferung der Sägewerke stellten die beiden „Belgier“ sicher. Müller wurde schließlich mit seinen Pferden angestellter Forstarbeiter. Anfang der fünfziger Jahre allerdings kamen die ersten Traktoren in den Wald und Müllers Pferde wurden nach und nach von der Technik abgelöst. Als Dank und zum Gedenken an die wertvolle Hilfe in der Not, setzten Müllers Forstkollegen diesen Stein vermutlich um 1950 an die Stelle, wo der Einsatz der Pferde am Bedeutendsten war.

Försterjungen
Unweit des Müllersteins, am Nordufer des Heidegewässers Großer Jeseritzensee im Jagen 128, an einem ausgewiesenen Radwanderweg, begegnet man einem Findlingsstein mit der Aufschrift „Försterjungen“ . Was war hier passiert? Während der Zeit der russischen Besatzung nach dem Krieg fanden bei einem Streifgang die Forstlehrlinge Ullrich Petow aus Weißwasser und Herbert Leistiko aus Muskau-Berg einen Wehrmachtskarabiner. Der Hunger zu dieser Zeit war groß und der Wildbestand durch die jahrelang fehlende Hege überreichlich. Kurz entschlossen gingen sie mit der Waffe auf verbotene Pirsch. Zu dieser Zeit hatte der Stab einer russischen Militäreinheit sein Quartier im nahe gelegenen Forsthaus Altteich aufgeschlagen. Die Offiziere, unter ihnen ein General, starteten von hier aus Jagden, um sich mit Lebensmittel zu versorgen. Besonders Wildfleisch war begehrt und zu den im Forsthaus mehrfach stattfindenden rauschenden Festen verspeist. Die Russen betrachteten sich als Herren des Landes und die bald entdeckten Forstgehilfen als Wilderer in ihrem Revier. Den Jungen wurde nachgestellt, sie wurden erschossen und an Ort und Stelle verscharrt.
Nach etwa drei Jahren fanden Forstleute an dieser Stelle von Wildschweinen ausgegrabene Men schenknochen. Bei näherer Untersuchung der Leichenteile bemerkten sie russische Infanteriemunition.