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| 02:56 Uhr

Denkmal kommt wieder zu Ehren

FOTO: Preikschat
Weißwasser. Die Denkmal-Kommission in Weißwasser hat einen weiteren "besonderen historischen Ort" in der Stadt mit einer Gedenktafel markiert. Sie prangt an der Rathaus-Fassade, über dem Überrest des Zwei-Kaiser-Denkmals. Daniel Preikschat

Was ist das eigentlich für eine verwitterte alte Steinplatte? Diese Frage mögen sich schon unzählige Passanten gestellt haben, die in Weißwasser am Rathaus-Eingang vorbeigegangen sind. Bei genauerem Hinschauen konnte noch, wer wollte, die Inschrift so halbwegs entziffern. Ein Zitat von Friedrich III, der sich hier für gleiches Recht für alle ausspricht.

Seit Montag können Interessierte an Ort und Stelle mehr erfahren und sich zumindest annähernd ein Bild machen von der wechselvollen Geschichte dieses Denkmals, das nur der letzte Überrest eines großen Monuments ist. Auf der Kunststofftafel, die von der Firma Top-Light angebracht wurde, steht außerdem der Ausspruch des Kaisers. Sehr hilfreich ist ein historisches Foto vom vollständigen Denkmal, das 1893 errichtet wurde. Es führt dem Betrachter überhaupt erst vor Augen, dass die noch erhaltene Steinplatte an einem Sockel angebracht war, auf dem die beiden Kaiser Wilhelm I und Friedrich III als überlebensgroße Bronzefiguren prangten.

Der Platz auf einer Tafel reiche bei Weitem nicht, die komplette Geschichte des Denkmals zu erzählen, so Karl-Heinz Melcher von der Denkmal-Kommission Weißwasser am Montag bei der Enthüllung. Stand doch das Denkmal zuerst auf der Marktplatzmitte. Die Nazis versetzten es 1933 auf die Ostseite, wo es 1945 von den Sowjets geschliffen wurde. Als das Denkmal für die Opfer des Faschismus, das anstelle des Zwei-Kaiser-Denkmals an gleicher Stelle errichtet wurde, in den Neunziger Jahren an die Muskauer Straße versetzt wurde, fand sich jedoch interessanterweise die Platte mit dem Kaiserzitat im Sockel-Hohlraum. "Damals machte sich Bürgermeister Dieter Lößner dafür stark, die Steintafel neben den Rathaus-Eingang zu platzieren", erinnert Melcher. Für ihn nachvollziehbar: "Der Ausspruch von Friedrich III hat auch in einer Demokratie seine Gültigkeit."

Die interessante Geschichte des Zwei-Kaiser-Denkmals, von denen es deutschlandweit kaum noch welche gibt, habe die Denkmal-Kommission bewogen, die Steinplatte als "besonderen historischen Ort" auszuweisen, so Melcher. Im Oktober hatte schon das Turnerheim diese Auszeichnung mit der entsprechenden Erklärtafel bekommen.