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Braunkohle
Dem Strukturwandel die nötige Zeit geben

Leag-Vorstand Uwe Grosser, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Vorstandsvorsitzender Helmar Rendenz (v.l.n.r.) im Tagebau Nochten.
Leag-Vorstand Uwe Grosser, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Vorstandsvorsitzender Helmar Rendenz (v.l.n.r.) im Tagebau Nochten. FOTO: Regina Weiß
Nochten. Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht sich in Nochten gegen politisch gewolltes Ausstiegsdatum für die Kohle aus Von Regina Weiß

Als in Berlin die Gigawattzahlen zum Abschalten der Braunkohle wie Einsätze beim Würfelspiel über den grünen Tisch der Bundespolitik geschoben wurden, da wurde den Kohlekumpeln in Tagebauen und Kraftwerken Angst und Bange. Sie fühlten sich als die Buhmänner der Nation.

„Dabei reißen sie sich bei Wind und Wetter jeden Tag den Arsch auf, um die Menschen mit bezahlbarer Energie zu versorgen“, nimmt Uwe Teubner, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Leag, am Mittwoch kein Blatt vor dem Mund. Vorstände und Vertreter des Energieunternehmens sowie Gewerkschaftsvertreter haben an dem Tag ein Treffen mit Michael Kretschmer (CDU). Der Ministerpräsident steht an der Seite der Kumpel, des Unternehmens, unterstreicht er bei einer Befahrung des Tagebaus Nochten.

Dieser fördert derzeit 100 000 Tonnen Braunkohle. Das nebenan liegende Kraftwerk Boxberg fährt Volllast, um für Strom und Wärme zu sorgen.

Michael Kretschmer unterstreicht, dass die Kohle noch längere Zeit gebraucht werde. Sie ist ein einheimischer Brennstoff und sorgt für eine Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro. „Erneuerbare Energien sind nicht grundlastfähig. Und auf noch mehr Gas zu setzen, wäre töricht“, so Kretschmer. Müsste es doch aus dem Ausland gekauft werden. Der Ministerpräsident will, dass der Strukturwandel mit Vernunft und mit der nötigen Zeit angegangen wird. Er will auf keinen Fall ein Ausstiegsdatum, das die Politik vorgibt. Das Prozedere werde quasi durch die Laufzeit der Tagebaue vorbestimmt. Aus Sicht von Kretschmer bedeute das 2040 und später.

Kretschmer erinnert in dem Zusammenhang an die Zeit um 1990. Auch dieser Umbruch habe Zeit gebraucht. Jetzt sei der Anfang gemacht. 1,5 Milliarden Euro seien vom Bund für den Strukturwandel in Aussicht gestellt, eine Strukturkommission soll ihre Arbeit aufnehmen. Der Bund auf dem Fahrersitz, stellen die Länder bei der Fahrt in die Zukunft sozusagen die Beifahrer. Außerdem ist es Kretschmer wichtig, „dass die Menschen in der Region mitgenommen werden“, unterstreicht er gegenüber der RUNDSCHAU.

Deshalb soll auch in der Region diskutiert werden. So gibt es am Donnerstag, dem 8. März, das Forum Lausitz in Weißwasser. Dabei will die Staatsregierung gemeinsam mit regionalen Verantwortlichen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen Ideen entwickeln, die die Entwicklung der Lausitz voranbringen sollen. Leag und LMBV sind da aus Sicht von Kretschmer nicht wegzudenken. „Auch wir wollen noch flexibler werden, neue Geschäftsfelder erschließen“, sagt Leag-Vorstand Helmar Rendez. Doch dafür brauche auch das Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen. „Eine faire Chance“, so die Bitte von Rendez an die Politik.

„Das hier ist schwarzes Gold, es ist Gold wert“, so Silke Rudolf, Betriebsratsvorsitzende der Tagebaue Nochten/Reichwalde. Für die Region, für die Menschen, die hier leben. „Und die wollen Sicherheit.“

Dazu gehört auch die Fortschreibung des Braunkohleplans, der wegen des Teilfeldes Mühlrose notwendig ist. Das werde nun angegangen, so Leag-Vorstand Uwe Grosser. Im zweiten Quartal soll zudem der Start erfolgen, um den Rahmenvertrag für die Umsiedlung des Ortsteils von Trebendorf zu verhandeln.