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| 22:10 Uhr

Aus dem Gericht
Dem Hammer-Täter bleibt das Gefängnis erspart

FOTO: Fotolia
Weißwasser. Amtsgericht Weißwasser sühnt Wildwest-Attacke vom 12. Mai 2017. Ob der Schütze juristisch belangt wird, ist noch offen. Von Torsten Richter-Zippack

Der Weißwasseraner Hammertäter ist vom örtlichen Amtsgericht zu einer Gesamthaftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden. Allerdings ist die Strafe in drei Jahre Bewährung umgewandelt worden. Die eigentliche Hammerattacke schlägt mit acht Monaten zu Buche, der Rest resultiert aus weiteren Straftaten gegenüber einer Frau. Darüber hinaus muss der Täter 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und an einem Anti-Aggressionskurs teilnehmen, sagt der Direktor des Amtsgerichtes, Martin Hinrichs. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Zur Erinnerung: Am 12. Mai 2017, einem Freitag, wurde auf den jetzt verurteilten Täter in dessen Geschäft an der Weißwasseraner Bahnhof­straße mit Stahlkugeln geschossen. Beim Schützen handelte es sich um den 41-jährigen Bruder einer Frau, die der spätere Hammerschwinger in der Vergangenheit mehrfach erheblich belästigt hatte. So soll er sie im Januar und Dezember 2016 mit Schlägen malträtiert haben. Hinzu gesellten sich laut dem Amtsgericht mehrere grobe Beleidigungen sowie Verfolgungen. Nicht vergessen werden sollen die Klebezettel an ihrem Auto, auf denen diverse Beleidigungen notiert waren.

Der Beschossene, der mehrfach von den Stahlkugeln getroffen worden war, verfolgte den Schützen, der über die Bahnhofsbrücke in die Bautzener Straße flüchtete, mit einem größeren und einem kleineren Hammer in den Händen. Der Bruder der belästigten Frau versuchte durch weitere Schüsse aus seiner Waffe, sich den Täter vom Halse zu halten. Dabei trafen mehrere Stahlkugeln auch einen an der Ampel stehenden Bus.

Letztendlich kam der Verfolgte zu Fall. Sogleich schlug der Täter mit dem kleinen Hammer mehrfach auf den Hinterkopf des Gestürzten ein. Daraus resultierten zwei Platzwunden sowie ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein vorbeikommender Passant hatte durch sein beherztes Eingreifen schlimmere Schäden für Leben und Gesundheit verhindern können. Den größeren Hammer hatte der Täter bereits zuvor auf den Flüchtenden geworfen, ihn aber verfehlt. Nach Angaben von Amtsgerichtsdirektor Martin Heinrichs war keine Notwehrsituation mehr gegeben. Das Beschussopfer wandelte sich also zum Täter. Er hatte zum Tatzeitpunkt 0,39 Promille Alkohol im Blut.

Der jetzt verurteilte 43-Jährige ist in Russland geboren. Dort machte er seinen Abschluss als Diplom-Sportler und war anschließend an einer Militärakademie tätig. Im Alter von 24 Jahren (1999) kam er nach Weißwasser. Der Mann ist für die Justiz indes kein unbeschriebenes Blatt. „Es gibt bereits Einträge unter anderem wegen Körperverletzung“, sagt Martin Hinrichs.

Ob auch der Stahlkugel-Schütze juristisch belangt wird, ist derzeit noch offen. Laut dem Amtsgericht Weißwasser läuft aktuell kein entsprechendes Verfahren gegen den 41-Jährigen. Allerdings könne die Staatsanwaltschaft in diesem Fall noch tätig werden.