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Dem Hacker immer einen Schritt voraus sein

Prof. Jürgen Beyerer, Direktor des Fraunhofer IOSB, erläutert Bundesministerin Johanna Wanka einen Teil der Laborausstattung.
Prof. Jürgen Beyerer, Direktor des Fraunhofer IOSB, erläutert Bundesministerin Johanna Wanka einen Teil der Laborausstattung. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Görlitz. Görlitz entwickelt sich zum Hotspot im Kampf gegen Computerkriminalität. In dieser Woche wurde am Standort der Hochschule Zittau/Görlitz im Beisein von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) das erste von zwölf deutschlandweit geplanten Lernlaboren für Cybersicherheit eröffnet. Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Hochschule und dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB). Uwe Menschner / ume1

. Für Peter Starre steht es jetzt schon fest: "Wir werden dieses Angebot intensiv nutzen." Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Görlitz AG gehört er zum Management eines Unternehmens, das nahezu perfekt in die Zielgruppe passt: "Wir beschäftigen in unserer IT-Abteilung vier Mitarbeiter, deren Ausbildung größtenteils schon viele Jahre zurückliegt. Als Versorger einer mittelgroßen Stadt haben wir nicht die Ressourcen, um aus eigener Kraft immer auf dem neuesten Stand zu sein." Dabei gehören die Stadtwerke Görlitz zur so genannten "kritischen Infrastruktur", auf die Angriffe aus dem "Cyberspace" besonders gravierende Auswirkungen hätten. Kaum auszudenken, was passieren würde, wenn ein Virus die Wasser- oder Stromversorgung über mehrere Tage lahmlegen würde.

Laut dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, gelten 81 Prozent aller in Deutschland betriebenen Server als unsicher. "Der Schaden, der 2016 durch Cyberkriminalität allein im Maschinen- und Anlagenbau verursacht wurde, liegt bei 7,3 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem gesamten Gewinn der Branche." Und der Hackerangriff auf die Telekom, bei dem im November 2016 900 000 Router lahmgelegt wurden, habe noch einmal eindringlich die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen deutlich gemacht..

"Solche Szenarien sind nicht mehr nur Theorie, sondern eine ganz reale Bedrohung", betont auch Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Für sie war die Eröffnung des Lernlabors Cybertechnik Anlass, der Hochschule Zittau/Görlitz erstmals einen Besuch abzustatten. "Es ist das Erste von insgesamt zwölf deutschlandweit geplanten Lernlaboren und trägt den Beinamen Kritis als Abkürzung für ,kritische Infrastruktur'", so die Ministerin. Auf diese soll die Görlitzer Einrichtung ihr ganz spezielles Augenmerk richten. Dazu gehören vor allem Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung, wie die Stadtwerke Görlitz.

Doch wie können diese von den Möglichkeiten des Labors profitieren? "Wir verfügen über die geeignete Ausstattung, alle Arten von Angriffen im Bereich der Informationstechnologie simulieren und die entsprechenden Abwehrmaßnahmen trainieren zu können. Weiterhin vermitteln wir Kompetenzen in der Verhinderung solcher Attacken", erklärt Jörg Lässig. Der Professor im Fachbereich Informatik der Hochschule Zittau/Görlitz leitet die gemeinsame Arbeitsgruppe und verkörpert somit in seiner Person die Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft, die auch in Zittau im Bereich Kunststofftechnologie bereits erfolgreich praktiziert wird. Seine Maxime lautet: "Wir müssen dem Hacker immer einen Schritt voraus sein."

Der erste Kurs am neuen Lernlabor für Cybersicherheit beginnt im März und richtet sich zunächst an die Managementebene der zur Zielgruppe gehörenden Unternehmen. "Dabei geht es vor allem um rechtliche Rahmenbedingungen und vorbildliche Beispiele aus der Praxis", so Jörg Lässig. Und Jürgen Beyerer, Direktor des Fraunhofer IOSB, ergänzt: "Wir verfolgen eine 'top down-Strategie'. Zuerst wollen wir in den Führungsetagen das Bewusstsein für die Problematik schärfen." Später folgen die IT-Verantwortlichen, die - von einer bereits vorhandenen breiten Wissensbasis ausgehend - auf den "neuesten Stand" gebracht werden. Weitere Adressaten sind Planer und Entwickler sowie Anwender, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit der IT und ihren Risiken konfrontiert sehen.