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Daubitzer Apfelschmiede macht Saft aus alten Obstsorten

Der Rheinische Bohnapfel wartet auf seine weitere Verarbeitung. Gleich geht's durch den Häcklser.
Der Rheinische Bohnapfel wartet auf seine weitere Verarbeitung. Gleich geht's durch den Häcklser. FOTO: Regina Weiß
Daubitz. Herbstzeit ist Erntezeit. Wer Äpfel, Birnen oder Quitten im Garten hat, setzt auf Fruchtsaft. Biologin Grit Striese ist dafür die richtige Ansprechpartnerin. In ihrer Apfelschmiede in Daubitz erfolgt die Verwandlung. Regina Weiß

Also wie gemalt sehen die Äpfel nicht aus, die gerade aus dem Sack kullern. Ganz schön grün sind sie, außerdem klein. Sogar "verbeulte" landen im Metallbehälter. "Ja, sie sehen schon alles andere als toll aus, aber sie haben ihre Qualitäten inwendig. Sie geben wirklich einen tollen Saft", erklärt Grit Striese. Die Biologin, die vielen Kunden von Märkten bekannt ist, hat 2012 ihre Apfelschmiede in Daubitz eröffnet. Mit den Klaräpfeln am 1. August beginnt das Saftjahr. Mitte November endet es. 2016 war in der Sandlausitz kein ideales Obstjahr. Im August zu kalt, im September zu trocken, musste zeitiger als sonst geerntet werden. Mitte Oktober, wenn sonst die Früchte an den Bäumen leuchten, sieht man nur noch grüne Blätter.

Dennoch wird Grit Striese von Kunden aus Brandenburg bis aus dem Oberland angesteuert. Am Donnerstag ist bei ihr wieder Annahmetag und das Obst stapelt sich. Unterm Vordach, wo früher die Pferde beschlagen wurden, stehen die gut gefüllten Kisten. Kunden aus Döbern, Bad Muskau, Trebus, Rothenburg, Förstgen und Boxberg haben an diesem Tag ihre Ernte abgeliefert. So warten der leuchtend rote Schöne von Herrnhut oder der noch grüne Apfel von Croncels, der Lausitzer Nelkenapfel neben den knallgelben Birnenquitten auf die weitere Verarbeitung. Sie alle werden tagaktuell gehäckselt, gepresst, schonend pasteurisiert und als Saft abgefüllt. In Drei-, Fünf- oder Zehn-Liter-Bag-in-Boxen warten sie dann auf die Heimreise. Für manche steht später aber eine noch längere Tour an. Sie sind quasi Heimatgeschmack, der exportiert wird. "Gerade die Drei-Liter-Behälter werden öfter mit zu Kindern oder Enkelkindern genommen, die nicht mehr hier wohnen. Es ist ein beliebtes Geschenk geworden", freut sich Grit Striese.

Was von Apfel und Co. übrig bleibt, landet nicht etwa auf dem Kompost. Der Trester hat Abnehmer in Weißkeißel, Weißenberg oder Krauschwitz gefunden. Hobbyschafzüchter verwenden das Material als Kraftfutterersatz für ihre Tiere.

Safranapfel - Obst 2017

Neben der Lohnmosterei stellen Grit Striese und ihr Mann Michael auch Saft her, den die Biologin selbst vertreibt. "Ich hole Obst ab oder pflücke auch. Aber dafür ist es wichtig, die Bäume zu kennen", erklärt sie. Streuobstwiesen und alte Obstsorten liegen ihr dabei besonders am Herzen. Nicht umsonst ist sie in diesem Jahr als Landessprecherin der sächsischen Pomologen gewählt worden. Bei Projekten vermittelt sie Kindern, wie alte Apfelsorten schmecken. Ganz nach dem Motto, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.

Was Hans und Co. betrifft, wird bei Apfeltagen oder Märkten immer wieder die Werbetrommel geschlagen. Erstmals wurde in diesem Jahr mit der Gelben Sächsischen Renette eine Obstsorte des Jahres gewählt. "Von dieser gab es sachsenweit gerade mal etwas über 20 Bäume. Das Ziel der Pomologen ist es, 300 Pflanzen an den Mann zu bringen. Das haben wir erreicht", erzählt Grit Striese stolz. 2017 will man diesen Erfolg beim Safranapfel wiederholen. Diesen gibt es heute nur noch vereinzelt im Vogtland und West-Erzgebirge. Der Baum aus Großelternzeiten soll also wieder reaktiviert werden.

Auf Märkten präsent

Was die Vorväter gesetzt haben, davon profitieren auch heute noch viele Lausitzer. Mit einem ganzen Kofferraum voller Gascoynes Scharlachroter kommt Familie Backert aus Gablenz angefahren. Nach genug getrockneten Apfelringen und Apfelmus soll nun Saft aus den roten Köstlichkeiten entstehen. Durch Mund-zu-Mund-Propangda hat man von der Apfelschmiede in Daubitz erfahren und will sie nun zum ersten Mal ausprobieren.

Dass sozusagen ihr Saft in aller Munde ist, dafür sorgt Grit Striese selbst, wenn sie von Markt zu Markt zieht. An diesem Wochenende ist sie auf dem Käse- und Spezialitätenmarkt Kloster Altzella bei Nossen. Neben dem Wichtelfest auf dem Erlichthof freut sie sich auf die Spreewaldweihnacht im Freilandmuseum Lehde oder den Märchenhaften Weihnachtsmarkt in Schloss und Festung Senftenberg. Am 4. November macht Grit Striese ab 19 Uhr zudem eine Abendführung im Naturkundemuseum in Görlitz im Rahmen der dortigen Apfelsortenausstellung (Anmeldung: 03581 47605211).