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Das Tivoli hat sich wieder schön gemacht

Auch äußerlich sind am Tivoli keine Brandschäden mehr zu erkennen.
Auch äußerlich sind am Tivoli keine Brandschäden mehr zu erkennen. FOTO: U. Menschner/ume1
Görlitz. Ein Brand hatte im Mai 2016 das Gemeindezentrum an der Görlitzer Kahlbaum-Allee zerstört. Wie es sich jetzt wieder präsentiert, gleicht einem Wunder. Uwe Menschner / ume1

Eugen Böhler hat im zurückliegenden Jahr alle Abstufungen der Gefühlsskala erlebt und durchlitten. Dass sich das "Tivoli" - das Zentrum der Freien Evangelischen Gemeinde Görlitz, der Böhler als Pastor vorsteht - in seinem jetzigen Zustand darstellt, gleicht für ihn einem Wunder. Was im Mai 2016 passierte, war hingegen ein "Riesenschock", der alles Bisherige infrage stellte. So schön, wie sich die Räume des Gemeindezentrums an der Kahlbaum-Allee heute präsentieren, waren sie vor etwas mehr als einem Jahr schon einmal. "Damals standen wir genau an der Stelle, wo wir uns auch heute befinden", blickt der Pastor und Gründer der Freien Evangelischen Gemeinde zurück. 14 Tage sollte es noch bis zum Einzug dauern - und dann kam die Nacht zum 7. Mai 2016. In der zum Tivoli-Komplex gehörenden Mälzerei brach ein Feuer aus, wütete stundenlang und hinterließ eine - frisch sanierte - Brandruine.

"Wir wussten zunächst nicht, wie es weitergehen soll", blickt Eugen Böhler auf die schlimmen Tage nach dem Brand zurück. Eine Wiederholung der Aufbauleistung erschien ausgeschlossen. Doch was dann geschah, stellt das eingangs erwähnte Wunder dar: "Wir erlebten eine Welle der Solidarität, vor allem in Görlitz, aber auch bundesweit. Sach- und Geldspenden, aber auch Gebete und tröstende Worte erreichten die Gemeinde, sodass der Entschluss, es erneut im Tivoli zu versuchen, leichter fiel." Zudem zeigte sich die Versicherung bei der Regulierung des Schadens ausgesprochen kulant.

Bereits Anfang Juni 2016 konnten die Überreste des Dachstuhles abgetragen werden. Schon im Oktober wurden neue Böden und Decken eingezogen und die beschädigte Bauhülle verschlossen. Am 18. November wurde Richtfest gefeiert - der Rohbau stand. Ab Mitte April konnte dann die Hochschule - wie schon vor dem Brand - in der Halle wieder Sportkurse anbieten. Die Bühne verbirgt sich noch hinter einer großen Spanplatte, auch sie soll schon bald wieder genutzt werden. "Innerhalb eines Jahres haben wir im 1. und 2. Bauabschnitt den Stand erreicht, den wir vor dem Brand hatten. Dafür sind wir allen Beteiligten sehr dankbar", erklärt Eugen Böhler. 3,4 Millionen Euro flossen in den Bau. Die Pläne für die Nutzung der Halle haben sich gegenüber ihrem Ursprung sogar erweitert - sie soll künftig einen multifunktionalen Charakter tragen, mittels Videotechnik auch Liveübertragungen ermöglichen. Mit Ausnahme der Tüv-Schule sind alle vorherigen Nutzer wieder mit an Bord.

Ein großes Fragezeichen steht noch über der Zukunft der früheren Mälzerei - des maroden hinteren Gebäudeteils, in dem der vorsätzlich gelegte Brand (das haben die Ermittlungen ergeben) ausbrach. "Dort sollen Umkleidemöglichkeiten für den Hochschulsport, ein barrierefreier Sanitärbereich und Lagerräume entstehen", erklärt Eugen Böhler. Zum Finanzbedarf von circa 800 000 Euro besteht noch eine erhebliche Lücke: "Wir prüfen Möglichkeiten der Förderung im Sanierungsgebiet."

All diese Aktivitäten ermöglichen es, dass das traditionsreiche Tivoli auch künftig eine wichtige Rolle im Görlitzer Stadtleben spielen kann. Ursprünglich befand sich hier eine öffentliche Badeanstalt in der Neiße ("Wilhelmsbad"), später kamen Kaffeegarten, Saal und Biergarten hinzu. Zu DDR-Zeiten diente es bereits der nahe gelegenen Ingenieurschule (heute Hochschule) als Sportstätte.

Seit 2014 ist die Freie Evangelische Gemeinde Eigentümerin des südlichen Gebäudeteils, im nördlichen befindet sich das östlichste Bowlingcenter Deutschlands. Letzteres blieb vom Brand weitgehend verschont.