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Das "Nordkap" liegt bei Boxberg

Ein idyllisches Fleckchen Erde im Norden des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft: die Mündung des Schöps' (r.) in die Spree.
Ein idyllisches Fleckchen Erde im Norden des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft: die Mündung des Schöps' (r.) in die Spree. FOTO: amz1
Sprey. Ist vom "Nordkap" die Rede, dürften die meisten an den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes in Norwegen denken. Doch auch das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft nennt ein "Nordkap" sein Eigen. amz1

Das beweist bereits der Blick auf die Landkarte des Schutzgebietes. Nordwestlich von Uhyst erstreckt sich dieses Gebiet, das bei Bärwalde seine nördlichste Stelle erreicht. Und zwar genau dort, wo sich Spree und Schwarzer Schöps vereinen, also am "Nordkap" des Schutzgebietes.

Am einfachsten kommen Naturfreunde zu dieser Stelle via Boot. Auf dem Landweg zweigt von der Verbindungsstraße Sprey - Bärwalde wenige Hundert Meter hinter der Schöps-Brücke in Richtung Bärwalde, fast direkt in der scharfen Linkskurve gelegen, ein Wald- beziehungsweise Feldweg ab. Der endet nach rund einem halben Kilometer auf einer Heuwiese. Dann ist Orientierungssinn gefragt. Verlaufen kann man sich eigentlich nicht mehr, schließlich kommen sich beide Flüsse immer näher. Sie bilden die natürlichen Grenzen. Letztlich stoßen Naturfreunde auf das nördlichste Hinweisschild des Biosphärenreservates, das allerdings fast zugewachsen ist. Ein weiterer möglicher Weg zweigt kurz hinter Bärwalde von der Straße in Richtung Sprey ab, führt zunächst durch den Mischwald, um sich anschließend in einer Freifläche, die unmittelbar an die Spree grenzt, zu verlieren. Das krautige Gestrüpp reicht jetzt im beginnenden Hochsommer fast hüfthoch, sodass das Durchqueren nicht unbedingt angenehm ist.

An der Mündung des Schöps' in die Spree, reicht der Blick weit stromabwärts. Schließlich muss sich dort die Spree in ein künstliches, weitgehend immer geradeaus führendes Bett begeben. Auf der westlichen Seite des Flusses sind im Wald noch die Überreste des ursprünglichen Laufes erkennbar. Scheinbar uralte Eichen wachsen entlang der gewesenen Ufer. Im eigentlichen Flussbett dominiert die aus Nordamerika eingeschleppte Spätblühende Traubenkirsche, ein forstlicher Schädling, der heimische Pflanzen beim Wachsen behindert, da er ihnen das Licht nimmt.

Der insgesamt knapp 70 Kilometer lange Schöps besitzt dagegen zwischen Boxberg und der Mündung in die Spree weitgehend noch sein natürliches Bett. Unzählige Kurven und Schlingen - Mäander -, Steilufer und Kolke bieten Lebensraum für verschiedenste Pflanzen- und Tierarten. Wer nur aufmerksam und still genug ist, dürfte dann und wann den "fliegenden Edelsteinen", den farbenprächtigen Eisvögeln, begegnen, für die dieser Lebensraum ideal ist.

Nahe der Schöps-Mündung befand sich bis zur politischen Wende ein einsam gelegenes Gehöft, das zu Sprey gehörte. Eine einfache Brücke führte über die Spree. Vor 20 Jahren standen zumindest noch Teile des Nebengelasses, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Nur mehrere Obstbäume, darunter ein uralter, inzwischen im Absterben begriffener Kirschbaum, erinnern noch an die früheren Bewohner, die seit der Umsiedlung im Spreyer Kerndorf leben.

Gleich nebenan befand sich eine Kläranlage des Bergbaus. Diese existiert ebenfalls nicht mehr, in der übrig gebliebenen Mulde wächst ein junger Kiefernwald heran.

Kurzum, am "Nordkap" des Biosphärenreservates existiert ein idyllisches Fleckchen Erde, das nur wenige kennen. Denn außer Förster, Jäger und ein paar Anglern trifft man dort so gut wie gar nicht auf weitere Menschen.