ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Das neue Feuerwehrdepot

Am Ende des östlichen Ausläufers des Professor-Wagenfeld-Rings, schon fast im Wald gelegen, hatte sich die Staatssicherheit der DDR für den Kreis Weißwasser ein neues größeres Domizil bauen lassen und war im Jahr 1986 aus der Villa in der Schillerstraße nach dorthin gewechselt. Von Lutz Stucka

Nach der politischen Wende bezogen die freiwillige Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz dieses Areal.
In den Jahren von 1990 bis 1992 entstand zusätzlich zu den PKW-Garagen der Stasi ein Komplex zur Unterstellung von Feuerlöschfahrzeugen sowie eine Werkstatt mit Waschhalle, die als Feuerwehrtechnisches Zentrum auch den Löschmannschaften der umliegenden Ortschaften bereit stand. Im September 1992 erfolgte der Einzug der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser in das umfunktionierte Gebäude. Die Depots in der Görlitzer- und Juri-Gagarin-Straße wurden aufgegeben und anderweitig genutzt.

Neue Drehleiter mit Korb
Als erste Modernisierung wurde im Jahr 1991 anstelle der alten Drehleiter DL 30 (W-50) eine neue mit Korb DLK 23/12 auf einem MAN-Fahrgestell angeschafft. Damit wurde man den Hochhäusern in Weißwasser gerecht und konnte den am höchsten bebauten Punkt zur Brand- und Katstrophenbe-kämpfung erreichen.
Im Jahr darauf hatten sich die Feuerwehrleute aus einem Personenkraftfahrzeug einen Einsatzleitwagen ETW 1 für drei Personen umgebaut. Dieser wurde im Jahr 1996 gegen einen neu eingekauften ersetzt.
Noch im selben Jahr erwarb die Feuerwehr drei Tanklöschfahrzeuge TLF 24 MAN mit 4800 Liter Wassertank und einem Schaumvorrat von 500 Litern. Die Besonderheit dieses Löschgerätes war die Hochdruckeinrichtung, mit welcher es möglich war, einen Wohnungsbrand mit geringstem Wasseraufwand und hohem Spritzdruck zu löschen.
Dabei kann erreicht werden, dass der Wasserschaden bei größerer Wassermenge ausbleibt. Im Geggenzug wurde das alte Tanklöschfahrzeug TLF 16 W-50 abgegeben.
Auf Grund der erhöhten Waldbrandgefahr um Weißwasser erhielt die Wehr im Jahr 1994 ein Spezial-Tanklöschfahrzeug Waldbrand TLF-W (16-45) kostenlos vom Land Sachsen zur Verfügung gestellt. Das Fahrzeug hat 4500 Liter Wasser und eine Pumpe, die 1600 Liter in der Minute fördern kann, an Bord.
Dafür ging das TLF 16 W-50, was vom Staatlichen Forstwirt-schaftsbetrieb zur Wendezeit übernommen wurde, aus dem Bestand der Weißwasseraner Feuerwehr. Im Jahr darauf erhielt die Wehr einen älteren Rüstwagen RW 1 MAN von der Hamburger Feuerwehr geschenkt.
Dieser sollte den seit 1990 bestehenden provisorisch aufgebauten Rüstwagen, ein LO mit Pritsche, ersetzen. Der Wagen wurde notwendig als die Feuerwehr eine weitere Aufgabe, die des Katastrophenschutzes, übernehmen musste und ist nur für die technische Hilfeleistung, nicht für die Brandbekämpfung zuständig.
Das schlagartige Anwachsen der Anzahl der PKWs im Osten Deutschlands und die damit verbundenen vermehrten Unfälle verlangten von der freiwilligen Feuerwehr, zwei Drittel ihrer Tätigkeit dem Retten von Menschenleben zu widmen.
Die verbleibende Zeit galt dem Brandschutz. Das war für die Feuerwehrleute ein neues Aufgabengebiet und für viele nicht einfach, als sie mal an einem Wochenende kurz vor Weihnachten gleich fünf Verkehrstote bergen mussten. Ende Oktober 1998 wurde das Löschfahrzeug LF-16 W-50 gegen eine neues LF 16-12 MAN eingetauscht und auch dieses hatte die Hochdruckeinrichtung an Bord, die zur schonenden Schadfeuerbekämpfung in Wohnungen Verwendung findet.
Wieder ein Jahr später kam erneut technischer Zuwachs vom Land Sachsen.
Die Feuerwehr erhielt ein Katastrophenschutzfahrzeug, was bei Verseuchungen, Giftaustritten und dergleichen zum Einsatz kommen soll. Dieses Fahrzeug, DEKON - P (Dekontamination von Personen), ist mit Sprühanlagen, Entseuchungsgeräten, Duschkabinen u. a., die auch bei der Bekämpfung der Hühnerpest zum Einsatz gelangen, versehen.
Damit nicht genug, im Jahr 2002 stellte das Land einen „Erk KW“ (Erkundungskraftwagen) zum Aufklären von atomaren, bakteriologischen und chemischen Giftstoffen, die eventuell freigesetzt wurden, bereit.
Das Fahrzeug kann allerdings nur am Rand eines vergifteten Abschnittes agieren, eine hermetische Abdichtung, wie sie der ABC - Spürpanzer bei der Bundeswehr besitzt, hat es nicht.
Besonders für die hauptamtlichen Feuerwehrleute dient dieses Spezialfahrzeug dem qualifizierten Katastrophenschutz.

Die Jugendfeuerwehr
Dieser Verein ging aus dem Aktiv „Junge Brandschutzhelfer“ , welches 1964 gegründet wurde, hervor. Damals konnten auch Erstklässler hier mittun, was nach der politischen Wende nur noch Mitgliedern, die älter als zehn Jahre sind, erlaubt ist. In der Jugendfeuerwehr werden spielerisch der Brandschutz und die Bekämpfung trainiert. Es werden Sportwettkämpfe und Spiele durchgeführt und dabei die Jugend sinnvoll beschäftigt. Zur Zeit sind etwa 20 Kinder und Jugendliche im Verein, der Ende der neunziger Jahre mal bis zu 35 Mitglieder zählte.

Betriebsfeuerwehren
Die Glasgroßbetriebe in Weißwasser, Spezialglaswerk Einheit, das Oberlausitzer Glaswerk OLG und die Bärenhütte, richteten nach dem Krieg eigenständige Betriebsfeuerwehren ein. Vorgänger waren die Betriebsfeuerwehr „Wilhelm Gelsdorf“ und die 1923 gebildete Löschgruppe „Werksfeuerwehr“ im Osramwerk in Weißwasser. In diesem großen Glaswerk konnte auch bei Feuerausbruch, wie es im Oktober 1938 geschehen war, eine Löschgruppe nicht viel ausrichten, auch wenn sie nur bis zum Eintreffen der Verstärkung durch andere Feuerwehren allein war.
Im Jahr 1953 wurde sie neu gebildet und hatte einen Klein-Lastkraftwagen mit einer Tragkraftspritze TS-8, einigen Schläuchen und etwas Werkzeug im Bestand. Später kam ein Multicar und ab 1970 das Kleinlöschfahrzeug KLF 1000 auf Barkas B 1000 hinzu.
Als die freiwillige Feuerwehr der Stadt im Jahr 1973 für das neue Löschfahrzeug 16/W 50 das LF 16/ S4000 abgab, konnte es die Betriebsfeuerwehr des Spezialglaswerkes Einheit übernehmen. Erst 1987 wurde dieses Fahrzeug gegen einen modernen W-50 gleicher Art ausgetauscht.
In dieser Zeit standen 43 Kameraden im Feuerlöschdienst, die sich heut auf acht reduzierten. Leiter dieser Wehr waren Franz Paul, Gerhard Firla und Arnulf Rolly. Heute wird sie von Frank Smers geführt.
Im September 1948 erfolgte die Gründung der Betriebsfeuerwehr Glaswerk OLG. Aus dem Bestand der früher bestehenden Werkslöschgruppe konnten nur einige Schläuche und Standrohre verwendet werden. Auch die persönliche Ausrüstung der Mannschaft war sehr primitiv. Im Jahr 1950 kam ein TSA, Anhänger mit einer Tragkraftspritze TS 8 und diversem Schlauchmaterial an Bord, hinzu. Dieser wurde mit einem LKW und der Löschgruppe zum Brandort gefahren.
Im Jahr 1967 bekam die Be-triebswehr das Kleinlöschfahrzeug KLF 1000 mit einer TS 8 und einem Schlauchanhänger. Damit war die 20 bis 25 Mann zählende Betriebs-Löschmannschaft unter dem Wehrleiter Käbrich gut ausgerüstet.
In der Bärenhütte konnte nach dem Krieg sogar eine Tragkraftspritze TS 8 und etwas Schlauchmaterial gefunden werden. Der Motor der Pumpe war zwar defekt, konnte aber repariert werden. Die weitere Ausrüstung glich der der OLG.
Zu Beginn des Jahres 1969 hatte sich das Glaswerk OLG mit der Bärenhütte zum Kombinat Lau-sitzer Glas zusammengeschlossen und so erfolgte auch die Vereinigung beider Betriebsfeuerwehren. Anfang der 80-er Jahre erhielt die vereinigte Wehr ein Löschfahrzeug LF 8 - TS 8 (LO Robur) mit einem Schlauchtransportanhänger STA, welches in der Bärenhütte stationiert war, wo sich auch die Feuerwehrkommandostelle des Kombinates befand.
Dieses Löschfahrzeug besaß zwei 800-Liter-Pumpen, eine war im Motorraum des Fahrzeuges fest eingebaut und eine zweite befand sich tragbar auf der Ladefläche. Geführt wurde die vereinigte Wehr von Wehrleiter Abraham, anschließend von Günter Strehle, dann von Hans-Dieter Fuchs und bis zur Auflösung im Frühjahr 1990 von Wilfried Hebig.
Am 1. April 1990 schlossen sich die Betriebsfeuerwehr Kombinat Lausitzer Glas mit der Stadtfeuer-wehr zusammen. Die Betriebswehr der Einheit blieb weiter bestehen. Als nach zwei, drei Jahren die beiden Glaswerke verkauft wurden, endete hier auch der Bedarf an einer Betriebsfeuerwehr mit den etwa zwanzig Feuerwehrleuten.
Neben den drei Feuerwehren der Glashütten bestanden noch weitere Betriebsfeuerwehren in Weißwasser.
Da gab es eine im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb mit einer Löschgruppe und einem Tanklöschfahrzeug TLF 16, eine in der Porzellanfabrik, eine im Wellpappenwerk Polypack, eine im VEB Bau in der Forsterstraße und eine im VEB Kraftverkehr an der Straße nach Weißkeißel.
Sie alle bestanden aus ein oder zwei Löschgruppen, insgesamt acht bis 15 Mann und hatten neben Handwerkszeugen, Schläuchen auch eine Tragkraftspritze TS 8. Die Betriebsfeuerwehren bestanden bis zur Auflösung ihrer Arbeitsstätten nach der politischen Wende.

Die Recherche der jüngeren Geschichte der Feuerwehr unterstützten besonders Wilfried Hebig und Gerd Preußing.

Zeittafel Der 19-jährige Thomas Jung ließ sein Leben
April 1992. Es wird mit dem 24-Stunden-Dienst der hauptamtlichen Kräften begonnen. Die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser setzt sich aus freiwilligen Feuerwehrleuten, die über den Alarmrufempfänger zum Einsatz gerufen werden, und aus den fünfzehn hauptamtlichen Kameraden zusammen.
22. Mai 1992. Beim Diensthabenden der Volkspolizei klingelt das Telefon. Es ist am späteren Nachmittag, gegen 17 Uhr. „Brandausbruch im Forstrevier Hermannsdorf“ meldet der Feuerbeobachter von einem der Feuertürme. Ein Tag später wird Katastrophenalarm ausgelöst. Der bereits gelöschte Brand wird durch starke Winde wieder angefacht und verbreitet sich. Jetzt brennt es an verschiedenen Stellen gleichzeitig. Zwei Aufklärungsflugzeuge „Phantom“ der Bundeswehr machen mit Infrarot-Geräten die Ausdehnung der Glutnester aus. Diese als Katastrophenwaldbrand bezeichnete Feuersbrunst, die auch die Stadt Weißwasser bedroht, fordert ein Menschenleben. Der 19-jährige Feuerwehrkamerad Thomas Jung aus Gablenz wird bei einem Unfall getötet. Der Katastrophenalarm muss bis zum 7. Juni aufrecht erhalten werden und verursacht einen Schaden von über sechs Millionen Mark, 970 Hektar Wald werden vernichtet. In Gedenken dieses Ereignisses wird ein Waldbranddenkmal am 6. April 2004 an der Thomas-Jung-Straße in Weißwasser eingeweiht.
1993. Bei einem Waldbrand werden 200 Hektar Kiefernbestand vernichtet. Der eiszeitliche Dünensand in der Muskauer Heide ist ein besonders von den Kiefer geliebter Boden. Die hohe Brandgefährdung dieser Baumart kommt daher, dass dieser Boden sehr feuchtigkeitsdurchlässig und daher in den oberen Schichten überaus trocken ist, was ein hohes Waldbrandrisiko bedeutet. Die Kiefer, ein begehrter, hauptsächlich Bauholzlieferant, wird daher zur guten Stammentwicklung eng aneinander gepflanzt. Durch starken Wind wird das Feuer dann nur über die Wipfel getragen und kann sich so schnell ausbreiten.
2005. Die Feuerwehr erhält zwei neue Mannschaftstransportwagen (MTW), einen Kleinbus Vito und einen Kleintransporter VW T4 ebenso eine Reihe von Geräten und Ausrüstungsgegenständen.
1. Januar 2006. Die 24-Stunden-Wache der freiwilligen Feuerwehr wird zugunsten eines Zwei-Schicht-Systems, montags bis freitags, abgelöst. Das Depot ist also nicht mehr vollzeitlich besetzt, sondern nur an den genannten Tagen in der Zeit von 6 bis 22Uhr. Grund dafür ist die Forderung des Regierungspräsidium Dresden, ein Haushaltskonsolidierungskonzept vorzulegen, was ein drastisches Sparpaket enthält. Das bedeutet, die Zahl der Feuerwehrleute wird von 13 auf neun reduziert und die Nachtschicht von freiwilligen Kameraden besetzt. Zur Gewährleistung der Sicherheit benötigt die Feuerwehr 80 freiwillige Mitglieder, derzeit sind es aber nur 40 aktive.
12. Januar 2006. Nach 21 Uhr wird ein Brand im Volkshaus gemeldet. 91 Feuerwehrleute aus Weißwasser und Umgebung nehmen den Kampf gegen die Flammen auf. Der mehrstündige Brand rafft das Foyer dahin, kann aber glücklicherweise noch kurz vor dem großen Saal gestoppt werden, so dass großer Schaden hier ausbleibt. Jugendliche legten den Brand, um andere Halbwüchsige, die sich im verwaisten Haus aufhielten, zu vertreiben.
3. Februar 2006. Gerd Preußing wird als neuer Wehrleiter gewählt. Bisher wurde der Feuerwehrchef von den Stadträten berufen. Die geänderte Satzung bestimmt jetzt, dass die Kameraden selbst entscheiden, wer sie leiten soll. Der Feuerwehr stehen zurzeit 36 gut ausgebildete vollwertige Kameraden zur Verfügung, die allerdings für die Größe der Aufgaben keineswegs ausreichend sind, stellt der neue Leiter fest. Mit neun hauptamtlichen Feuerwehrleuten, der Reserveabteilung und einigen unausgebildeten Helfern sind es 56 Einsatzkräfte.
Leiter der Wehr: 1889 bis 1906 Joseph Schweig; 1906 bis 1907 Franz Lißner; 1907 bis 1913 Dr. Martin Schweig; 1913 bis 1928 Hermann Schatte; 1928 bis 1933 Otto Tusche; 1933 bis 1935 Paul Schatte; 1935 bis 1943 Richard Junge; 1945 bis 1947 Karl Brückner, 1947 bis 1951 Paul Andres, 1951 bis 1958 Artur Haase, 1958 bis 1967 Joachim Wolsch; 1968 bis 1974 Dieter Scholz; 1974 bis 1975 Harry Bielicke; 1975 bis 1983 Heinz Schülke; 1983 bis 2005 Wilfried Hebig, ihm folgt Gerd Preußing.