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Das Neißetal mit Landschaftskunst veredelt

2005 wurde die Ehrentafel anlässlich der Übergabe der Unesco-Urkunde zur Aufnahme in das Weltkulturerbe enthüllt.
2005 wurde die Ehrentafel anlässlich der Übergabe der Unesco-Urkunde zur Aufnahme in das Weltkulturerbe enthüllt. FOTO: A. Brinkop
Bad Muskau. Recht unscheinbar hängt das in den Jahren etwas vergilbte Schriftstück an der Wand des Kaminzimmers im Neuen Schloss. Dabei hat doch mit ihm alles angefangen. Die Rede ist vom Aufruf Pücklers am 1. Mai 1815 an seine Muskauer Bürger. Es ist die Geburtsstunde des Parks. Regina Weiß

"Die Leute müssen sich damals schon das Maul zerrissen haben", ist sich Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, ziemlich sicher. Die Völkerschlacht liegt gerade mal zwei Jahre zurück, das Land ist ausgeblutet, nachdem die Soldaten immer wieder drüber gezogen sind und da stellt sich der 29-jährige Standesherr Hermann von Pückler-Muskau hin und verkündet seinen Untertanen: "… daß jeder der Einwohner es mir gern gönnen wird, bey ernster Beschäftigung euch eine Lieblingsneigung zu befriedigen, deren Ausführung jedem von Ihnen gleichfalls ein vergnügen, und jetzt sowohl als mehr noch in der Folge zum wahren Nutzen gereichen muss. Ich meune die Anlegung meines Parks ..." So schreibt es Pückler in seinem Aufruf an die Bewohner Muskaus.

Dieser Aufruf, der im Original im Bad Muskauer Schloss zu sehen ist, datiert vom 1. Mai 1815 und ist die Geburtsstunde des heutigen Weltkulturerbes. Englische Parkanlagen hatten Pückler bei einer Reise auf der Insel fasziniert. So etwas wollte er in der Lausitz auch haben - vier Jahre nachdem er dort sein Erbe angetreten hatte und als er nach dem Krieg aufseiten der Preußen als Sieger dastand.

"Es gab den Clementinengang, es gab Alleen, es gab den Herrengarten. Die Leute werden also schon gedacht haben, was will er denn, der Standesherr hat doch seinen Park", versucht sich Panning in die Menschen der damaligen Zeit zu versetzen. Und dann lässt Pückler mit dem Marstall noch ein erst 30 Jahre altes Gebäude abreißen, um seine Pläne zu verwirklichen. Will binnen eines Jahres das für seine Pläne notwendige Land haben. Außerdem droht er seinen Bürgern: Reagieren die innerhalb der gesetzten Frist nicht, will er unabänderlich Muskau für immer verlassen und seinen Besitz verpachten. Einfach nur unglaublich. Schließlich wird er Hunderte Hektar Landschaft nach seinem Willen und Vorstellungen formen.

Er schafft keinen Garten, keinen Park - er schafft Landschaftskunst. "Er hat hier aus dem Neißetal das Beste herausgeholt", lobt Cord Panning den Mann, dessen Erbe die Stiftung in Ehren hält. Pückler leiste das, ohne der Gegend etwas überzustülpen oder ihr Gewalt anzutun. Dem Standesherrn ist es vielmehr gelungen, die authentischen Attribute künstlerisch zu verfeinern und dabei auf einheimische Gehölze und Materialien zu setzen. Genau das wird zum Vorbild für andere Parkgestalter weltweit und bis heute.

"Pückler steht heute besser da als je zuvor", schätzt Cord Panning ein. Denn sein Park zieht jährlich Tausende Menschen an. Die visionäre Kraft habe dazu beigetragen, dass sich eine wirtschaftliche entfalten kann. Glücklicherweise kam es so, sonst würde von Bad Muskau heute kaum einer reden, sind sich Panning und Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) einig.

Dieser Wagemut war aber nicht nur bei Pückler erforderlich. Andreas Bänder erinnert sich an die Zeit nach der Wende, als klar wurde, dass der Freistaat Park und Gebäude übernehmen wird. Demos hat es damals in der Parkstadt gegeben, viel Gerede (wie schon zu Pücklers Zeiten) und auch Unglaube. "Als ich die erste Mark zum Wiederaufbau des Schlosses gespendet habe, habe auch ich nicht wirklich geglaubt, dass das wirklich was wird", schaut Bänder zurück. Und doch wurde es eine Erfolgsgeschichte.

Diese soll nun ausstrahlen. Wenn am 1. Mai im Muskauer Schloss 200 Jahre Park gefeiert werden, dann ist die Unterzeichnung einer "Landschaftskonvention" geplant. Der Kreis wird größer gezogen. Der Geopark Muskauer Faltenbogen soll dafür sozusagen die Klammer sein. "Wir wollen an die visionären Ideen von Pückler anknüpfen", erklärt Cord Panning das Vorhaben. Denn diese Visionen haben sich ja in seinem Park-Kunstwerk erfüllt. Nun sollen Vertreter der drei aneinandergrenzenden Landkreise Görlitz, Spree-Neiße und Zary sowie von Vereinen und Institutionen mit ihrer Unterschrift dokumentieren, dass man zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit gewillt ist. Es soll ein Zeichen für das Zusammenstehen sein, für ein gemeinsames Gestalten, das sich von politischen Grenzen nicht abhalten lässt. Das ehrgeizige Ziel bestehe darin, die Erfolgsgeschichte der grenzüberschreitenden Gestaltung und touristischen Vermarktung des Unesco-Welterbes Muskauer Park auf der größeren Landschaftsskala des Geoparks Muskauer Faltenbogen zu wiederholen. Auch in der Hoffnung, dass ihn bald das Unesco-Label zieren werde, heißt es in einer Ankündigung für den 1. Mai.

Dieser Tag ist der Beginn einer Festwoche, die die Stiftung gemeinsam mit der polnischen Parkverwaltung und den Partnerstädten Bad Muskau und Leknica organisiert. Mit Ausstellungen, Vorträgen, Musik und mehr werde wieder ein abwechslungsreiches Programm (siehe Zum Thema) geboten. Dabei rückt am 9. Mai im Rahmen der Sternradfahrt des Landkreises Görlitz der Badepark ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dort nimmt gerade das Baugeschehen so richtig Fahrt auf. Erstes sichtbares Zeichen ist die Sanierung des Kuppelpavillons.

Froh zeigt sich Panning auch über die Einweihung des sanierten Grabs des Unbekannten auf der polnischen Parkseite. Dieser romantisch gestaltete Ort war in der 1830er-Jahren unter Pückler noch Teil der Parkszenerie geworden.

Weitere Infos unter www.muskauer-park.de

Zum Thema:
1. Mai: Festveranstaltung, ab 19 Uhr Open-Air-Konzert mit dem Cécile-Vemy-Quartett im Schlossinnenhof, ab 21 Uhr Gastspiel der Compagnie des Quidams auf der Schlosswiese. 2. Mai, 17 Uhr: Ausstellungseröffnung "Auf der Suche nach der Identität des Ortes", 19 Uhr Einweihung Grab des Unbekannten, Start am Viadukt.3. Mai, 10.30 Uhr: Einweihung des Holzkreuzes auf dem Kirchplatz im Gedenken an die Stadtkirche, ab 15 Uhr Führung auf dem evangelischen Friedhof.5. Mai, 17 Uhr: Ausstellungseröffnung "Sächsische Landschaften von Johann Alexander Thiele".6. Mai, 18.30 Uhr: "Europäischer Mittwoch" - Vortrag über den Meetingpoint Music Messiaen Görlitz/Zgorzelec. 7. Mai, 18.30 Uhr: Vortrag "Familienerinnerungen als Zukunftskonzept - Pücklers Muskauer. Gartenplanungen als Antikischer Erlebnisraum"8. Mai, 18.30 Uhr: Vortrag "The view from Richmond Hill - from Pückler to Pop”.9. Mai: Sternradfahrt, ab 12.30 Uhr Führungen im Badepark, ab 19 Uhr Konzert der "Chicken Strings”.10. Mai: 10 Uhr Konzert des Bundespolizeiorchesters im Badepark, ab 11 Uhr Oldtimertreffen.