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Das Kraftwerk zog wie ein Magnet

Weißwasser.. Er ist breiter gefächert als mitunter angenommen – der Sport in Weißwasser und Umgebung. An dieser Stelle interessante Details weiterer Vereine und Einrichtungen der Stadt. Von Lutz Stucka


TSG Kraftwerk
Boxberg/Weißwasser

Die zahlreichen Beschäftigten im Kraftwerk Boxberg lebten zum Großteil in Weißwasser. Auch sie wollten ihre Sportbegeisterung, so wie die Glasmacher in den Betriebssportgemeinschaften "Chemie" und die Bergleute in der BSG "Aktivist", ausleben. Da die Betriebe ihre Sportgemeinschaften finanziell ausstatteten, musste auch das Kraftwerk Boxberg eine ihr zugehörige Sportgruppe bilden, so wollte es die politische Führung des Landes. Aus der, im Jahr 1970 entstandenen Sportkommission "Großbaustelle Boxberg" wurde am 11. Februar 1971 die Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) Kraftwerk Boxberg im großen Saal des Volkshauses in Weißwasser gegründet. Erster Vorsitzender wurde Paul Berger. Im Jahr darauf erfolgte der Bau eines eigenen Sportplatzes, das "Stadion der Kraftwerker" im Süden der Stadt. Nach weiteren zwei Jahren entstanden eine Leichtathleti kanlage und Volleyballplätze. Ein Mehrzweckgebäude mit Kegelbahn und diversen Sozialräumen konnte die Sportgemeinschaft ab dem Jahr 1977 nutzen. Die Turn- und Sportgemeinschaft wurde nicht aus dem Leeren gegründet, denn es existierten bereits eine Fußballmannschaft unter Übungsleiter Alfred Bayer, eine Tischtennissektion unter Wolfgang Schnabel, Fauengymnastikgruppen und der Eissport.

Die Leichtathleten
Am 11. Oktober 1970 wurde die Sektion Leichtathletik der TSG Boxberg in der Oberschule 6 an der Heinrich-Hertz-Straße mit 70 Kindern und Jugendlichen gegründet. Hier fanden auch die Trainings und viele Wettkämpfe statt. Wenig später entschieden die Genossen der SED-Kreisleitung Weißwasser das bereits bestehende Trainingszentrum Leichtathletik, Kaderschmiede einer Sportdisziplin, des Weißwasser Sportvereins Chemie-West der TSG Kraftwerk Boxberg anzugliedern, wenn die geforderte Anzahl Sportkader "produziert" werden sollte. 47 Kinder und Jugendliche und deren Trainer Wolfgang Petsch kamen hinzu. Das Training fand in einigen Kellerräumen und -gängen sowie auf dem Schulsportplatz statt. Der Zuspruch war groß, sodass die Mitgliederzahl kurzzeitig bis auf 269 Schüler anstieg. Dem entsprechend hoch war auch die Zahl der Übungsleiter. Neben W. Petsch waren P. Kasper, P. Höfs, W. Kunte, W . Schmiedel, P. Penzler, E. Hermann, S. Böse, P. Ulrich, M. Klimsch und R. Fürll für die sportliche Entwicklung ihrer Schützlinge zuständig. In den Jahren 1975 bis 1985 trat die Sektion Leichtathletik des TSG Kraftwerk Boxberg mit bis zu dreißig Mannschaften zu Pokalwettkämpfen an. Aber auch der Friedenslauf, der Osterlauf, der Pfannkuchenlauf, der Frühlingslauf und der Stundenpaarlauf waren beliebte Wettkämpfe. Die mehrfach organisierten Volleyball-, Hallenfußball- und Handballturniere in der Sektion Leichtathletik führten zur Gründung einer Weiteren, der Kraftsport- und Handballsektion in der Boxberg-, Weißwasseraner Sportgemeinschaft. Mit Ende des Jahres 2000 betrug die Mitgliederzahl 194, es waren 103 Kinder, 28 Jugendliche und 65 Erwachsene.

Die Kegler
Etwa acht Mitglieder von Brigadesportgruppen des Kraftwerkes Boxberg schlossen sich zusammen und gründeten im Jahr 1973 die Sektion Kegeln unter dem ersten Sektionsleiter Gotthard Seifert. Als erste Wettkampfstätte nutzten die Kegler die Bahn des Spezialglaswerkes Einheit in der Gartenstraße. Fünf Jahre später, am 4. Oktober, konnten die TSG-Kegler auf einer eigenen, neuen Automatikbahn im neu geschaffenen Sportkomplex "Stadion der Kraftwerker" in Weißwasser-Süd trainieren. Jetzt begann ein ständiger Mitgliederzuwachs. Ab 1979 gab es zwei und ein Jahr später drei Männermannschaften. 1981 konnte der Kreismeistertitel errungen werden und im Jahr darauf erfolgte der Aufstieg in die Bezirksklasse. Auch die im Jahr zuvor gebildete Frauenmannschaft erkämpfte sich 1982 den Kreismeistertitel und stieg somit in die Bezirksklasse auf. Ebenso erfolgreich war der Nachwuchs.
1988 konnte die Jugendmannschaft die Hürde in die Bezirksliga erklimmen. Nach der politischen Wende erfolgten der Übergang des Vereins in eine neue Rechtsform und die Neuorientierung in Richtung Sachsen.
Auch moderne Technik auf Weststandard konnte in Form einer neuen 4-Kunststoff-Automatik-Bahn genutzt werden. Viele vordere Plätze erkämpften die Mitglieder der Sektion und besonders Dana Graf errang mehrfach den Sachsenmeistertitel der Jugend. Im Jahr 2001 kegelten drei Männer- und zwei Frauenmannschaften sowie eine Jugendmannschaft vorrangig in der Kreisliga. Seit 1999 leitet Steffen Lisk den Verein, zu dem, ab 2000, noch drei Seniorengruppen gezählt wurden. Die Sektion Veteranensport entstand am 4. Dezember 1979, wo 33 ältere Sportfreunde die erste Gruppe dieser Art im Kreis Weißwasser gründeten und Willi Just wurde der erste Leiter, dem 40 bis 50 Mitglieder beistanden.

Die Volleyballerinnen
Im Jahr 1991 gelang es erstmals einer Frauenmannschaft der TSG Kraftwerk Boxberg, Weißwasser e. V. in die Landesklasse aufzusteigen. Mit viel Engagement kümmerten sich die Sportlerinnen auch um die Nachwuchsgewinnung, sodass 1996 eine zweite, eine Jugendmannschaft, gebildet werden konnte. Diese war ebenso recht erfolgreich, denn es gelang schon nach kurzer Zeit der Aufstieg in die Landesklasse. Im Jahr 1999 bildete sich eine zweite Jugendmannschaft, die mit der Frauenmannschaft der Sektion in der Bezirksliga spielte. Die Erfolge bei den Volleyballdamen ließen nicht nach. Im Jahr 2001 gelang es einer Mannschaft von ihnen sogar bis in die Sachsenliga, die höchste Spielklasse im Lande, vorzustoßen.
Im Jahr 1997 erfolgte die Gründung der Abteilung "Volleyballerinnen der B- und C-Jugend" des TSG Kraftwerk Boxberg, Weißwasser und im Jahr 2003 bestand der Verein schon aus 16 Mitgliedern, Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren.
Die Volleyballerinnen der Jugend D (Jahrgang 1988 und jünger) des TSG erkämpften in der Meisterschaft 2001 den zweiten Platz auf Republik-Ebene, ein großer Erfolg. Besonders hohe sportliche Erfahrungen konnte Corinna Höppner aufweisen, die schon seit 1990 dieser Sektion angehört.

Jazzdance-Gruppe
Aus einer Arbeitsgruppe "Rhythmische Sportgymnastik" der damaligen 3. Polytechnischen Oberschule Weißwasser aus dem Jahr 1985, entwickelten sich die heutigen "Dance-Angels". Seit 1993 gehörte die Tanzgruppe der TSG Kraftwerk Boxberg Weißwasser, Abteilung Volleyball an.

Die Volleyballer
Es spielten Mitte der neunziger Jahre zwei Männermannschaften in der Bezirksliga mit wechselndem Erfolg. Die Jugendmannschaften errangen in den Jahren 1997 bis 2001 vordere Plätze bei Landes- und sogar Sachsenmeisterschaften. Auch die 1. Männermannschaft behauptete in der Saison 2000/ 01 den ersten Platz in der Ostsachsenliga. Mitte der neunziger Jahre gab es großen Mangel an Nachwuchs und auch die nötigen Trainer waren nicht vorhanden. Das änderte sich, als besonders Hans Mudra gelang mit viel Werbeengagement den Zuwachs an Nachwuchssportlern zusichern. Die größten Erfolge konnten Ende der Neunziger erreicht werden. Die Jugend, Altersklasse E, erreichte den Vizesachsenmeistertitel und im Jahr 1998 gelang es der 2. Männermannschaft bis in die Bezirksliga aufzusteigen.

Die Judokas
Im April des Jahres 1978 kam es durch eine Anzahl von Interessenten zur Gründung einer Abteilung Judo. Die ersten acht Mitglieder trainierten in der Turnhalle der Boxberger Schule. Bald kamen viele Lehrlinge aus dem Kraftwerk Boxberg hinzu, sodass die Mitgliederzahl auf 25 stieg und zwei Jahre später schon auf 45. Gleichzeitig erkämpfte Michael Matelski den ersten Bezirksmeistertitel. Ab dem Jahr 1981 konnte die neue Turnhalle der Betriebsberufschule des Kraftwerkes zum Training genutzt werden und noch in diesem Jahr erhielten Tom Bremer und im Jahr darauf Mathias Korn den Bezirksmeistertitel. Die Zahl der Judokas aus Weißwasser hatte stark zugenommen, als entschieden wurde ein Trainingsstützpunkt dort zu errichten. Am 10. März 1983 begann im Polytechnischen Zentrum des Kraftwerkes, was sich in Betriebsgebäuden des ehemaligen Braunkohlenwerkes "Grube Frieden" befand, das Training. In den Jahren 1984 und 1985 konnte Ingolf H*am p*ouml;renz zweimal den Bezirksmeistertitel für die TSG Kraftwerk Boxberg erringen. Bei der gewachsenen Mitgliederzahl auf 83 waren auch Erfolge zu verzeichnen. Uwe Schäfer konnte im folgenden Jahr als Bezirksmeister an den DDR-Meisterschaften teilnehmen. Auch im nächsten Jahr kämpften bei den DDR-Mannschaftsmeisterschaften Judokas dieser Sektion mit.
Nach der politischen Wende wurde den Judokas, der in Weißwasser noch bestehenden Schüler-Sport-Gemeinschaft "Reinhold Greiner" und der SG "Dynamo Weißwasser" die Möglichkeit eines Weiterbestehens versagt und so wechselten die Mitglieder schließlich zur TSG "Kraftwerk Boxberg" über.
Im Jahr 1999 konnte Roberto Woithe einen riesengroßen Erfolg verbuchen, er erkämpfte bei den Landesmeisterschaften den ersten Platz und konnte zusätzlich noch Mitteldeutscher Meister werden. Aber auch Mirco Oertel erzielte um die Jahrtausendwende beachtliche Erfolge für das Team um Eberhard Großmann. Auch bei den Frauen-Judokas gelang es Janette Bergmann, einen Titelerfolg vorzuweisen.

Zeittafel Hohe Ehre für Faustballer
September1981. In Anerkennung der hervorragenden sportlichen Leistungen darf die Sektion Faustball von Chemie Weißwasser im Stadion "20. Jahrestag" die 32. DDR-Meisterschaften der Männer und Frauen ausstatten, was natürlich eine hohe Ehre ist.
1983 und 1984. Die Stammsportlerinnen Bursch, Lisk, Klei, Thomas und Steide werden mit dem Titel "Meister des Sports" geehrt und der Trainer Walter Wiedemann erhält den Titel: "Verdienter Meister des Sports".
1987. Die Frauen, unter ihrem Leiter Walter Wiedemann, können sich mit dem 10. DDR-Meistertitel schmücken. Die Männermannschaft in der DDR-Oberliga hat nicht solchen Erfolg wie die Frauen und werden von ihnen etwas überschattet.
Mitte der neunziger Jahre. Private und finanzielle Probleme vieler Mitglieder des Vereins bewirken, dass diese Sportart nur noch für den persönlichen Freizeit-Fitness-Bereich, ohne Wettkämpfe, genutzt werden kann.