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| 02:47 Uhr

Das Jahr 2017 wird richtungsweisend

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch will seinen Schreibtisch im Weißwasseraner Rathaus nach der Bürgermeisterwahl behalten.
Oberbürgermeister Torsten Pötzsch will seinen Schreibtisch im Weißwasseraner Rathaus nach der Bürgermeisterwahl behalten. FOTO: Köhler
Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) will in diesem Jahr erneut Oberbürgermeister werden. Die RUNDSCHAU spricht mit ihm über seine Ziele, das Wahljahr und über die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Christian Köhler

Herr Pötzsch, das Jahr 2016 ist nun Geschichte. War es eines der anstrengendsten für Sie als Oberbürgermeister von Weißwasser?
Jedes Jahr ist für sich immer wieder anstrengend, da wir ständig Veränderungen und Anpassungen zu bewältigen haben. Es war für mich nicht mehr und nicht weniger ein arbeitsreiches aber auch ein schönes Jahr.

Ein Thema, was eine Reihe von Entscheidungen beeinflusst hatte, waren die Gewerbesteuerrückzahlung an Vattenfall . . .

Ja, das ist ein heftiger Schlag in unserem Finanzhaushalt. Dies hat uns unsere Rücklagen gekostet. Wir reden hier von derzeit fast zehn Millionen Euro. Damit sind einige Investitionen, wie beispielsweise der Bahnhof, erst einmal auf Eis gelegt. Es liegen Planungen vor und wir haben auch Fördermittelzusagen erhalten - doch der notwendige Eigenanteil kann einfach nicht dargestellt werden. Ich setze hier noch auf die Unterstützung durch das Land Sachsen, denn die Ursachen für die Rückzahlung von Gewerbesteuern aus 15 Jahren liegen nicht bei uns als Kommune, sondern bei der Bundesregierung. Ich hoffe, dass der Freistaat sich dort für uns einsetzt.

Die nächsten Jahre werden wir weiter sparsam verbringen, doch es darf kein "Kaputtsparen" sein. Sonst würde unser gesellschaftliches Leben in Weißwasser zum Erliegen kommen und vieles nur noch durch Ehrenamtler auf die Beine gestellt werden. Das kann niemand wollen.

Was wurde aus Ihrer Sicht in 2016 - trotz Sparmaßnahmen - in Weißwasser erreicht?
Die Infrastruktur in Weißwasser konnte weiter verbessert werden. Dazu zählen beispielsweise die Befestigungen des Brentano- oder Tannenweges. Aber auch Fußgängerwege wie am Kromlauer Weg, der Damaschkestraße oder im Prof.-Wagenfeld-Ring sind instand gesetzt worden. Besonders freue ich mich auch über die Eröffnung des neuen Sportplatzes für die Froboeß-Grundschule im vergangenen Jahr.

In Sachen freiwillige Leistungen der Stadt haben wir diese nur minimal reduziert. Dass wir die Vattenfallmittel erneut an Weißwasseraner Vereine weiterreichen konnten, ist ebenfalls ein Erfolg.

Wie stellte sich für Sie die Zusammenarbeit mit den Stadträten im vergangenen Jahr dar?
Es ist immer Luft nach oben. Ich hätte mir darüber hinaus gewünscht, dass sich bei der Meinungsbildung zu bestimmten Themen wie etwa beim Regionalplan die Stadträte stärker eingebracht hätten.

Was wünschen Sie sich dabei für die Zukunft?
Auf jeden Fall eine konstruktivere Zusammenarbeit. Es sollte kein Blockieren von Entscheidungen mehr geben wie beispielsweise beim Bahnhof. Dort wurde letztlich eine Entscheidung getroffen, die die Verwaltung bereits zwei Monate zuvor vorgelegt hatte, dann allerdings abgelehnt wurde. Grundsätzlich wünsche ich mir außerdem mehr Vertrauen in die Arbeit der Stadtverwaltung.

Was wird Ihrer Meinung nach das Jahr 2017 in Weißwasser bestimmen?
Im Stadtrat stehen wichtige und richtungsweisende Entscheidungen an. Zum Beispiel alles, was mit dem Haushaltsstrukturkonzept in Verbindung steht. Dort hoffe ich auf eine gute Zusammenarbeit mit den Räten.

Das Thema Breitbandausbau soll 2017 ebenfalls eine große Rolle spielen. Gemeinsam mit dem Landkreis suchen wir nach Lösungen, in einigen Stadtteilen nicht nur 30 Megabit pro Sekunde, sondern 100 Megabit pro Sekunde zu ermöglichen. Dafür ist allerdings auch die Diskussion mit Händlern und Unternehmern notwendig.

Die gesamte Rückkehrerproblematik möchte ich weiter in den Fokus dieses Jahres rücken.

2017 wird der Oberbürgermeister in Weißwasser neu gewählt. Anfang 2016 hatten Sie gesagt, Sie wollen Oberbürgermeister bleiben. Ist das immer noch so?
Ja. Ich fühle mich wohl und sicher in meiner Heimatstadt. Und dafür möchte ich auch künftig einen Beitrag leisten. Ich weiß, vor uns stehen große Herausforderungen. Die finanzielle Situation der Stadt zu verbessern, der Umzug des Glasmuseums, die Bahnhofssanierung oder die weitere Entwicklung der ehemaligen Ingenieurschule, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was wünschen Sie sich für den Wahlkampf?
Nur drei Worte: Fairness und Sachlichkeit.

Haben Sie Visionen für die Stadt, für die Sie eintreten wollen?
Ja natürlich. Beispielsweise morgens aufzustehen und keiner hat etwas zu meckern. Das ist aber natürlich nicht alles: Ich möchte das Geschaffene zunächst erst einmal erhalten. Visionen bedeuten für mich aber auch kleine Ziele: Beispielsweise den zahlreichen leer stehenden Gebäuden in Weißwasser - die auch in privatem Eigentum sind - wieder einer Nutzung zuzuführen. Ich denke dabei zunächst an die ehemalige Schule an der Brunnenstraße, an die Entwicklung der Telux als soziokulturelles Zentrum und als Produktionsstandort oder an die Vermarktung der ehemaligen Ingenieursschule.

Der Eishockeysport hat in Ihrer Zeit als Stadtoberhaupt eine neue Spielstätte bekommen. Was sagen Sie denen, die sich Investitionen bei anderen Sportvereinen, Kulturstätten oder aber im Bereich von Jugendeinrichtungen wünschen?
Ich möchte zunächst auf das Sportstättenkonzept verweisen, welches die Verwaltung gemeinsam mit den Stadträten verabschiedet hat. Dies beinhaltet, auf welche Sportstätten wir uns konzentrieren: Die Eisarena, das Turnerheim, das Vereinshaus am Stadion der Kraftwerker und die derzeit in Betrieb befindlichen Turnhallen in Weißwasser. Während perspektivisch das Turnerheim eine Verbesserung der Sanitärräume erhalten soll, sollen der Tennis- und Faustballplatz zwischen Freizeitpark und dem ehemaligen Sportplatz "Glückauf" zukünftig durch den Verein Grün Weiß Weißwasser selbst betrieben werden.

Gleichzeitig wollen wir uns verstärkt auf den Oberlausitzer Sportpark konzentrieren. Dort gibt es einige Ideen: Beispielsweise einen Spielplatz, eine Skaterbahn wie im Freizeitpark und einige Sportgeräte zu errichten. Dabei sollen dann auch die Mittel verwendet werden, die wir bei Mission Olympic erhalten haben.

Und bei den Kulturstätten?
Ich bemühe mich weiter darum, Gelder und Fördermittel für unsere Kultur- und Bildungsstätten zu akquirieren. Erste Gespräche im Sächsischen Finanzministerium dazu gab es bereits. Mir ist bewusst, dass es einen großen Investitionsstau beispielsweise bei der Station Junger Naturforscher, dem Korczakhaus oder aber dem Kiez am Braunsteich gibt. Das möchte ich gemeinsam mit den Trägern angehen. Außerdem denke ich an die Weiterentwicklung der Telux als Standort des Glasmuseums und der Garage. Auch dort wird es viel Abstimmungsbedarf geben.

Einige sagen, damit Sie Oberbürgermeister bleiben können, sollten Sie sich mehr um Weißwasser und seine Unternehmer kümmern, anstatt in der Lausitzrunde aktiv zu sein. Wie sehen Sie das?
Erst einmal erreiche ich durch die persönliche Arbeit in der Lausitzrunde meiner Meinung nach für Weißwasser eine größere Aufmerksamkeit. Außerdem denke ich, liegt es im Interesse der Stadt, ihrer Unternehmer und auch der Bürger, dass Weißwasser ein Wort bei der Zukunftsgestaltung unserer gesamten Region mitredet. Die Zukunft wird auch zeigen, dass wir nur mit den Gemeinden im Umland eine starke Stimme haben und Forderungen, die alle Gemeinden betreffen, durchsetzen können.

Bei dem Kontakt zu hiesigen Unternehmen habe ich persönlich keinen Abbruch gespürt. Allerdings ist in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit zahlreicher Firmen von der Kohleverstromung zutage getreten. Und damit bin ich wieder bei der Lausitzrunde, die unter anderem im Sinner der ortsansässigen Unternehmen politisch agiert. Das gesamte Zukunftsthema muss größer gedacht werden. Weißwasser ist dabei nur ein Baustein von vielen.

Und eine letzte Frage: Was glauben Sie, wird zum Jahreswechsel 2017 auf 2018 in Weißwasser geschaffen worden sein?
Bis dahin werden wir in puncto Kita, Hort und Bahnhof ein ganzes Stück weiter sein. Vor allem beim Bahnhof wird die Finanzierung und die Baugenehmigung stehen.

Und die Lausitzer Füchse werden dann wieder auf einem guten dritten Platz sein.

Mit Torsten Pötzsch sprach Christian Köhler