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| 17:09 Uhr

Solidarität
„Das ist ja der Wahnsinn“

Anja Brzezinski und ihre Kinder Emmi-Lotte und Arnim sind von Herzen dankbar für die vielen, vielen Spenden, die sie nach dem Hausbrand erhalten haben.
Anja Brzezinski und ihre Kinder Emmi-Lotte und Arnim sind von Herzen dankbar für die vielen, vielen Spenden, die sie nach dem Hausbrand erhalten haben. FOTO: Gabi Nitsche / LR
Mulkwitz. Die 31-jährige Anja Brzezinski aus Mulkwitz ist angetan von der großen Hilfsbereitschaft der Menschen nach dem Hausbrand, bei dem sie und ihre Kinder alles verloren.

Es ist sehr kalt an diesem Morgen, aber die Sonne lacht, und der Himmel leuchtet blau über Mulkwitz. Anja Brzezinskis Augen leuchten ebenso. Gerade hat sie den Raum in der Alten Schule in Mulkwitz betreten, wo die Sachspenden für sie und ihre Kinder gelagert werden. „Das ist ja der Wahnsinn“, sagt die 31-Jährige und blickt sich um. Kisten über Kisten sind hier gestapelt, Taschen und viele große Tüten füllen den Raum. „Das hätte ich nie für möglich gehalten, dass uns die Menschen so helfen würden“, ist die junge Frau angetan.

Ihrer kleinen Familie hatte das Schicksal vor vier Wochen übel mitgespielt. In dem Haus, in dem sie in Mulkwitz zur Miete wohnten, hatte ein Großbrand gewütet. Anja Brzezinski und ihre Kinder verloren sozusagen alles in einer Nacht. Nur ganz wenige Dokumente konnten Tage später noch geborgen werden, als die Brandursachenermittler ihre Arbeit beendet und das Haus freigegeben hatten.

Zu dem Geretteten gehört eine Kiste mit Fotos, erzählt Anja Brzezinski. Die von den Löscharbeiten triefend nassen Fotos trocknen noch. Hoffentlich gelingt das. Diese Erinnerungen sind ihr besonders wichtig wie Fotos von Sohn Arnim, von der Geburt etwa. Viele, viele Fotos befanden sich aber auf ihrem Rechner, vor allem von der siebenjährigen Emmi-Lotte. Doch der Rechner ist hinüber, die Fotos weg. Das macht Anja Brzezinski sehr traurig.

Doch hier und jetzt in der Alten Schule, zwischen den Kisten, ist die Traurigkeit nicht bestimmend. Die Freude bei der jungen Mutter und ihren beiden Kindern ist riesengroß. Jedem einzelnen Spender würde sie am liebsten persönlich danken. Sie schauen in die Kisten. „Da sind ja ganz viele neue Sachen drin, die die Leute wahrscheinlich für uns gekauft haben, wo noch Preisschilder dran sind.“ Oder wie die Spenden aus dem Landwarencenter in Schleife – „alles neue Bekleidungsstücke“. Von der Kik-Bezirksleitung in Schönbrunn habe sie einen Rabatt-Gutschein erhalten für ihre Einkäufe. Die Kollegen ihrer Mutter haben etliche Dinge für sie und die Kinder abgegeben. „Hier stehen auch zahlreiche Spenden, die mein Arbeitgeber, der Ambulante Pflegedienst Zehm & Brauner GbR, eingesammelt hat“, ist Anja Brzezinski dankbar für diese Unterstützung, denn auch ein extra Spendenkonto hat das Unternehmen für sie eingerichtet und Flyer verteilt mit der Bitte, ihr zu helfen. „Ich hab aber keine Ahnung, wie der Stand auf dem Konto ist“, sagt sie.

Die junge Frau hat es gesundheitlich zwischendurch aus der Bahn geworfen, weswegen sie derzeit nicht ihrem Job nachgehen kann. Starke Erkältung, Fieber und auch der Magen spielte verrückt. Langsam geht’s vorwärts. „Aber deswegen ist eben alles andere liegengeblieben.“ In absehbarer Zeit müsse all das, was auch über den Spendenaufruf der Feuerwehr Rohne, wo ihre beiden Kinder zur Kidswehr der Gemeinde gehören, sortiert werden.

Dieser Aufruf der Kameraden hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet und sorgte für eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft. Sparschweine und Spendenbüchsen wurden an den unterschiedlichsten Orten aufgestellt, erzählt Anja Brzezinski. Das fängt bei den Feuerwehren an, zum Beispiel in Groß Düben und Weißwasser, zieht sich über den Halbendorfer Fasching, wo der Heimatverein Halbendorf noch was drauf legte, bis zu den Fußball-Damen von Lok-Schleife. Bei ihrem Hallenmasters-Turnier wollten sie nicht einfach nur Kuchen verkaufen. Vielmehr wurden die Leute aufgefordert, statt eines Kaufpreises eine Spende in ein Spendenschwein zu stecken. So sind am Ende 350 Euro zusammengekommen. „Als Schleifer Verein fühlen sich die Mädels mit dem Schicksal der Familie verbunden und wollten einfach nur helfen“, berichtet das Team. Robert Ehmann von der Aktion Weißwasser engagiere sich ebenso sehr.

Solidarisch mit der vom Schicksal so hart getroffenen Familie zeigten sich auch die Mitarbeiter der Stadtwerke Weißwasser mit spontan 500 Euro. Gleichwohl wurde das Spendenkonto der Gemeinde Schleife angegeben für weitere „Finanzspritzen“.

Zu den Feuerwehren, die sich an den Aufrufen beteiligten, gehört auch die Trebendorfer. Anja Brzezinski: „Sie haben es auf Facebook geteilt, und darauf hat sich Reinert Logistic gemeldet und uns kostenfrei eine Ferienwohnung auf der Reinert Ranch angeboten, die wir vorübergehend nutzen dürfen.“ Ein großzügiges Angebot, welches Anja Brzezinski sehr zu schätzen weiß.

Dennoch wird jeder verstehen, dass sie sich mit den Kindern sehnlichst auf eigene vier Wände freut. „Ich lebe nur aus der Tüte und komme mir vor wie auf der Flucht.“ Im März voraussichtlich können die Drei in eine frei werdende Wohnung nach Halbendorf ziehen. „Mit Paula und Gudrun.“ Das sind eine sechsjährige Labrador-Hündin, die derzeit in einer befreundeten Männer-WG mit Hund Manfred verwöhnt wird, und das Meerschweinchen. „Das macht Urlaub bei Oma“, erzählt Arnim.

Anja Brzezinski zeigt auf die lange Liste mit Einrichtungsgegenständen, die Menschen mit Herz in den verschiedensten Orten für sie zur Verfügung stellen würden, wenn sie es für ihr neues Zuhause braucht. Es bleibt noch viel zu tun in den kommenden Wochen. „Aber meine besten Freunde sind an meiner Seite. Das wird schon“, bleibt die 31-Jährige hoffnungsvoll.

Spendensammlung für Anja Brzezinski – alles deponiert in der Alten Schule Mulkwitz.
Spendensammlung für Anja Brzezinski – alles deponiert in der Alten Schule Mulkwitz. FOTO: Gabi Nitsche / LR