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| 03:08 Uhr

Das Herz der Südstadt schlägt wieder

Weißwasser. Der Sorauer Platz in Weißwasser lebt wieder. Aus 6000 Quadratmetern öder Brache hat die Ausbildungsgesellschaft Rodig mbH eine Begegnungslandschaft für Jung und Alt geformt. Den letzten Abschnitt haben Kinder erobert. Daniel Preikschat

Leonie und Benjamin stehen mit 32 anderen Kita-Kindern vor dem rot-weißen Flatterband und sind sich einig. "Die Eisenbahn", sagen sie unisono, die wollen sie zuerst ausprobieren. Das Startsignal für die Erstürmung von einem halben Dutzend schicker Spielgeräte samt Klettergerüst und Elefanten-Rutsche aber ist dem Oberbürgermeister vorbehalten. Torsten Pötzsch (Klartext) will die Kleinen nicht länger zappeln lassen und sagt: "Feuer frei". Sekunden später wird Bahn gefahren, gerutscht, geklettert, gemalt.

Am Spielplatzrand freuen sich die Erwachsenen: Mitarbeiter der Rodig mbH, die alle Spielgeräte selbst gebaut haben, Ramona Buhler vom Jobcenter, das auf dem Sorauer Platz über drei Jahre 260 Arbeitssuchende beschäftigen konnte, von denen 48 anschließend Job oder Ausbildung fanden. Außerdem der Oberbürgermeister und Quartiermanager Frank Schwarzkopf, die Weißwasser im Süden jetzt ganz erheblich aufgewertet sehen, ohne dass die Stadt dafür viel Geld in die Hand nehmen musste.

2009, erinnert Schwarzkopf, war Weißwasser eine von nur 94 Städten in ganz Deutschland, die in das EU-Förderprogramm "Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier" (Biwaq) aufgenommen wurde. "Unser Konzept", sagt der Quartiermanager, "kann wohl so schlecht nicht gewesen sein." Rund 250 000 Euro, ergänzt Firmenchefin Roswitha Rodig, habe das Baumaterial gekostet. Schon im Sommer vorigen Jahres wurde der Teil des Areals übergeben, der den älteren Bürgern vorbehalten ist. Eine parkähnliche Fläche mit Sitzecken, auf der sich Fußwege in Hanglage an Natursteinmauern und Laubengängen vorbeischlängeln.

Anwohner haben mitgeredet

Der Kinder-und Jugendbereich nun ist seit dem gestrigen Montag zugänglich. Der Spielplatz und ein sich anschließendes Asphalt-Rechteck für Kreidemalereien sind eingefasst von gestalteten Erdhügeln und einem Mauerabsatz mit Sitzbänken. Ein paar Schritte entfernt wurde ein Basketball-Spielfeld angelegt. Der Platz, so Schwarzkopf, der sein Büro nur einen Steinwurf entfernt hat, lebt und wird gut angenommen. "Dass auch mal eine Flasche Bier kaputt geht", sagt er, "gehört dazu." Dabei hatten die Anwohner bei der Gestaltung immer ein Wort mitzureden. Auf ihren Vorschlag hin wurde zum Beispiel ein bereits vorgesehener Grillplatz ausgeplant.

Wieder belebte Mondlandschaft

Auch Roswitha Rodig sieht die ehemalige Abrissfläche, auf der ein Elfgeschosser stand, wieder belebt: "Ich kann mich noch erinnern, als wir hier angefangen haben. Das war Mondlandschaft."

Bei aller Freude fragt sich Torsten Pötzsch aber auch, wer die Anlage künftig pflegen und schützen soll. Es müsse gelingen, so Schwarzkopf, die Anwohner dafür zu gewinnen. Wenn es um Pflege geht, so Ramona Buhler, könne das Jobcenter nicht helfen. Denkbar sei jedoch, weitere kleinere Zusatzbauten auf dem Platz zu unterstützen: "Da könnte sich etwas machen lassen."