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| 01:43 Uhr

Das alte Tränke hat seinen Frieden gefunden

Gruppenfoto vor einem der letzten, noch erhaltenen Mauerwerke aus Raseneisenstein in Tränke. Das Material bildete ab dem 15.Jahrhundert den Grundstock für die Keulaer Eisenhütte. Foto: T. Richter/trt1
Gruppenfoto vor einem der letzten, noch erhaltenen Mauerwerke aus Raseneisenstein in Tränke. Das Material bildete ab dem 15.Jahrhundert den Grundstock für die Keulaer Eisenhütte. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Klein Priebus. Die Wüstung Tränke in der südöstlichen Muskauer Heide ist für Touristen normalerweise tabu. Jetzt erteilte die Leitung des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, zu dem der frühere Ort gehört, eine Sondergenehmigung. Ein Kremser mit rund einem Dutzend Gästen durfte das, was von Tränke übrig geblieben ist, besichtigen. Von Torsten Richter

Wunderschön muss es früher in Tränke gewesen sein. Ein winziges Dorf inmitten der großen Muskauer Heide. Uralte Eichen, eine Lindenallee entlang der alten Rothenburger Straße, viele Obstgehölze, verlorene Wasser, die einfach so verschwinden, romantisch anmutende Bauernhöfe und eine intakte Gemeinschaft kennzeichneten einst den Ort. Etwa 110 Einwohner zählte das Dorf, als es zu Beginn der 1960er-Jahre für den Truppenübungsplatz Nochten der NVA aufgegeben wurde. Die Menschen wurden umgesiedelt, und Tränke weitestgehend vernichtet. Längst steht kein Haus mehr, viele ehemalige Gebäude lassen sich nur noch erahnen. Dort, wo noch etwas mehr Mauerwerk erhalten geblieben ist, hat die Bundeswehr Schutzdächer gebaut. Dadurch bleibt die einzigartige Rasensteinarchitektur dauerhaft erhalten.

Der Klein Priebuser Bernd Mätzschke weiß viel über Tränke zu erzählen. Schließlich hatte er fast 20 Jahre auf dem Truppenübungsplatz als Zivilkraft gearbeitet. Jetzt steuert der Senior einen Traktor, der einen Kremserwagen zieht, direkt ins Zentrum des früheren Dorfes. Dazu musste im Vorfeld eine Genehmigung von der Bundeswehr angefordert werden. Diese kam zwar, allerdings erst einen Tag vor dem Ausflug in die Vergangenheit. Als Organisator fungiert der Verein Neißeland. „Ein bis zwei Mal im Jahr dürfen wir mit dem Kremser auf den Platz“, sagt Vereinschef Stefan Hofmann. Das insgesamt rund 17 000 Hektar große Areal bietet durchaus touristische Anziehungspunkte – wie eben Tränke. Fünf Kilometer quer durch die Heide, vorbei an Dünenzügen, über Panzerbahnen und immer durch den Kiefernhochwald führt die abenteuerlich anmutende Reise. Trotz des militärischen Sperrgebietes ist an diesem sonnigen Herbsttag kein Militär zu sehen.

Mätzschkes Gäste sind dieses Mal ein Dutzend Männer der Schmelzbrigade aus der Keulahütte in Krauschwitz. Und das aus gutem Grund: „Schließlich stammte im Spätmittelalter der zur Eisenverhüttung benötigte Raseneisenstein auch aus Tränke“, weiß Christian Tharank. Begeistert hält der 61-Jährige, der in den Weißkeißeler Kaupen zu Hause ist, ein Stück der dunkel und porös wirkenden Substanz in der Hand. „Meiner Meinung nach war es ein Unding, Tränke kaputtzumachen. Es galt früher als eines der urtümlichsten Heidedörfer“, sagt Tharank.

Holger Liermann kennt die Wüstung bereits seit über einem Vierteljahrhundert. Von 1984 bis 1991 war der aus dem Eichsfeld stammende Mann als Berufssoldat auf dem Nochtener Übungsplatz tätig. „Damals gab es den Befehl, das letzte noch stehende Haus kaputtzufahren“, erinnert er sich. Welches es genau war, könne er heute nicht mehr sagen.

„Ich wünsche mir, dass die Überbleibsel von Tränke dauerhaft erhalten bleiben“, erklärt Steffen Hundro. Der Krauschwitzer Brigadeleiter kennt den Ort bereits von früheren Exkursionen. Sein Wunsch ist für die Bundeswehr „Befehl“. „Die Armee übt längst nicht mehr in der Wüstung“, so Bernd Mätzschke. Stattdessen schützen die Soldaten das, was noch erhalten geblieben ist. So hat Tränke endlich seinen Frieden gefunden.